Bundesliga | Peter H. Eisenhuth | 24.07.17

Mit Vollbart im Kindergarten?

AUS DEM TRAININGSLAGER (XI): Dank und Anmerkungen zum Ende der Woche in Grassau.
Kommt Ihnen der Mann bekannt vor? Kleiner Tipp: Er besuchte einst einen Kasteler Kindergarten.
Kommt Ihnen der Mann bekannt vor? Kleiner Tipp: Er besuchte einst einen Kasteler Kindergarten. | Peter H. Eisenhuth

Grassau. Das Trainingslager des FSV Mainz 05 in Grassau ist beendet. Auch wenn noch der ein oder andere Text auf Halde liegt, ist Zeit für ein Resümee. Zeit auch, mal Danke zu sagen.

 

Danke beispielsweise an Darius Salbert, den Teammanager des Bundesligisten, für die Wahl des Ortes. Grassau ist verhältnismäßig bequem zu erreichen, das schier endlose Gegurke der Vorjahre nach Evian am Genfer See und Saint-Vincent im Aostatal blieb unsereinem erspart (auch wenn nicht auszuschließen ist, dass uns auf der Rückfahrt am Montag der ein oder andere Stau heimsuchen wird).

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Die Unterbringung der Mannschaft im ortansässigen Golfresort war selbstverständlich ein paar Sterne oberhalb von Jugendherbergsniveau erfolgt, konnte aber nach den zurückliegenden Ausflügen in den sinnfreien Luxus schon als Ansatz einer Erdung gelten. Nicht nur, weil aufmerksame Beobachter feststellten, dass vom an der Einfahrt des Hotels befindlichen Namensschild täglich ein Buchstabe mehr zu Boden fällt.

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Auch dem Anspruch nach mehr Nähe zu den Fans wurden die 05er in den vergangenen Tagen gerecht. Unter anderem beim geplanten gemeinsamen Grillabend von Mannschaft und Anhängern, der angesichts der unwetterartigen Regenfälle ohne Grill und drinnen stattfand. Franz Beckenbauer und andere Prominente waren allerdings wegen eines Benefiz-Golfturniers ins Hotel gekommen, nicht wegen der Hoffnung auf einen Teller Kaiserschmarrn. Für den sorgt der Firlefranz in der Regel selbst.

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Für eine Überraschung sorgte bei diesem Abendessen Sandro Schwarz. Eigentlich war nämlich vorgesehen, dass die Verlierer des nachmittäglichen Teamevents abends alle anderen bedienen sollten. In drei Gruppen mussten die Profis schwimmtüchtige Flöße bauen; eine Aufgabe, der der Coach skeptisch entgegensah („Wahrscheinlich können die Jungs auch direkt ins Wasser springen, das wird aufs selbe rauskommen“), die seine Spieler aber allesamt lösten. Einen Verlierer mochte Schwarz deshalb nicht benennen – und übertrug die Kellnerdienste deshalb an sich und seinen Trainerstab.

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Einen ersten Eindruck vom Preis des Ruhms bekam der Coach im Chiemgau allerdings auch schon. In welchen Kindergarten er denn seinerzeit gegangen sei, wollte ein weiblicher 05-Fan nach dem Test gegen den FC Tokyo vom verdutzten Cheftrainer wissen. „Äh, Kastel“, antwortete der, nachdem er die Fragezeichen von seiner Stirn gewischt hatte. Die Enttäuschung stand der Gesprächspartnerin („Sicher?“) ins Gesicht geschrieben. „Meine Frau ist nämlich in Mainz Erzieherin“, erläuterte ihr Mann. „Und Sie“, sagte sie zu Schwarz, „kommen mir total bekannt vor.“ Zu klären wäre jetzt noch, ob schon der kleine Sandro mit Vollbart unterwegs war.

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Nicht nur der gemeine Fan, auch Prominente suchten das Mainzer Trainingsgelände auf. Angefangen von Johannes Kaluza, dem neuen Vereinsvorsitzenden, der auf dem Weg in den Urlaub die ersten anderthalb Tage in Grassau verbrachte, über den Aufstiegshelden von 2004, Michael Thurk, der mit seiner Augsburger E-Jugend trainierte und ein Spiel gegen den ASV Grassau bestritt, bis hin zu zwei Gästen aus Leipzig: Thomas Niehoff, in den 90er Jahren als Manager der Ringer des ASV Mainz 88 tätig, bevor es ihn nach der Wende in den Osten zog, und Guido Schäfer, immer noch lebende Blutgrätschenlegende und Starreporter der Leipziger Volkszeitung, der im kleinen Journalistenkreis ein knapp 45-minütiges Anekdotenfeuerwerk abfeuerte und sich dann mit seinem Begleiter anacondagleich ins RB-Trainingslager gen Leipzig schlängelte.

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Ein großer Dank gebührt dem Personal des „Weßner Hofs“ im benachbarten Marquartstein, in dem mehrere Mainzer Medienschaffende untergekommen waren, für Rührei, gekochten Schinken und Bircher Müsli, vor allem aber für den herausragenden und kurzweiligen Service. Wer nicht glaubt, dass Landluft lustig macht: hinfahren.

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Danke auch an Georg vom Kicker, der die Aufgabe übernommen hatte, ein Wirtshaus zu suchen, in das der Verein zum traditionellen Journalistenessen einladen konnte. Eine Aufgabe, die der Holzner Schorsch sehr ernstnahm, indem er die Region großräumig absuchte und in Inzell fündig wurde – nur eine knappe halbe Autostunde von Grassau entfernt, dafür aber in fußläufiger Nähe seines Elternhauses. Immerhin: Seine Wegbeschreibung für die Rückfahrt brachte uns in den Genuss einer so steilen, schmalen Straße (?), dass sich die Verwunderung in Grenzen gehalten hätte, wären wir auf der Bobbahn am Königssee unterwegs gewesen.

 

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