Bundesliga | Peter H. Eisenhuth | 23.07.17

Der dritte Mann

AUS DEM TRAININGSLAGER (IX): Jan-Moritz Lichte ist neben Michael Falkenmayer Kotrainer von Sandro Schwarz. Der 37-Jährige verfügt über mehrere Jahre Trainererfahrung im Profifußball.
Kotrainer im Doppelpack: Michael Falkenmayer (l.) und Jan-Moritz Lichte.
Kotrainer im Doppelpack: Michael Falkenmayer (l.) und Jan-Moritz Lichte. | Peter H. Eisenhuth/Montage: Guido Steinacker

Grassau. Die richtige Balance zwischen Geduld und Ehrgeiz zu finden, hält Jan-Moritz Lichte für eine ganz wichtige Fähigkeit, die ein Trainer mitbringen muss. Der neue Assistenzcoach von Sandro Schwarz zeigt dies beispielhaft an den aktuellen spielerischen Entwicklungen im Profiteam des FSV Mainz 05 auf.

„Natürlich ist es ein schönes Gefühl, wenn man das Gesprochene und Trainierte auch in den Spielen sieht“, sagt er. „Wir dürfen aber nicht vergessen, dass wir erst seit sehr kurzer Zeit zusammen sind. Man sieht, dass die Jungs die Dinge umzusetzen versuchen, dass sie darüber aber auf dem Platz noch nachdenken müssen.“ Dadurch gerate das Spiel einen Tick langsamer, als es später mal sein werde, wenn sich die Abläufe verfestigt hätten. In dieser Situation „muss man Geduld mitbringen und trotzdem den Ehrgeiz haben, es möglichst schnell hinzukommen“.

Einfache Entscheidung

Lichte ist, abgesehen von Torwarttrainer Stefan Kuhnert, der Mann mit der meisten Profitrainererfahrung am Bruchweg. Der aus Kassel stammende 37-Jährige, dessen Bruder Henning von 2004 bis 2007 für die 05-Amateure aktiv war, arbeitete in den vergangenen Jahren unter anderem als Kotrainer von André Schubert und Michael Frontzeck in Paderborn, St. Pauli, bei Bayer Leverkusen und Hannover 96. Zuletzt leitete er 13 Monate lang das Nachwuchsleistungszentrum der Hannoveraner.

Als die 05er auf ihn zukamen und er mit Sandro Schwarz geredet hatte, habe er nicht mehr lange nachdenken müssen, ob er das Angebot annehme. „Die Entscheidung war relativ einfach, ich musste nur noch mit der Familie durchsprechen, wie wir das organisieren können“, sagt Lichte, dessen Lebensmittelpunkt seit geraumer Zeit in Paderborn liegt. „Das hat anderthalb Tage gedauert.!

„Sandro wollte gerne einen dritten Mann dazunehmen“, sagt Michael Falkenmayer, der mit Schwarz von der U23 zu den Profis aufgestiegen ist. Dass er selbst weiterhin als Kotrainer fungieren werde, sei ebenso von Anfang an kommuniziert worden wie die Tatsache, den Stab zu erweitern. „Das war auch mir wichtig, weil ich noch ganz in den Anfängen stecke“, sagt Falkenmayer. „Jan-Moritz hat schon in der ersten Liga Erfahrung gesammelt, ich habe nur die Zeit in der U23.“

„Jahrgangsbester hat nichts zu sagen“

Die Wege, auf denen die beiden Schwarz-Mitstreiter ins Trainergeschäft fanden, verliefen ganz unterschiedlich. Hier war es Planung, dort Zufall. Jan-Moritz Lichte, einst für den KSV Hessen Kassel und den SC Paderborn im Einsatz, sagt, ihm sei frühzeitig klargewesen, dass er mit Fußball sein Geld verdienen wolle – er habe aber auch gewusst, dass es als Spieler dazu nicht reichen würde. „Für jemanden, der nicht in den höchsten Ligen gespielt hat, hat es sich top entwickelt“, blickt er auf die vergangenen Jahre zurück.

Dass er 2011 den Kurs zum Fußballlehrer an der Hennes-Weisweiler-Akademie des Deutschen Fußball-Bundes als Jahrgangsbester mit 1,0 abschloss, sei ein schönes Erlebnis gewesen, weil er immer versuche, „die Dinge so gut zu machen, wie ich es kann“. Überbewerten will er die Note allerdings nicht. „Das hat nichts zu sagen. Die Note besitzt keine Aussagekraft über die Fähigkeiten als Trainer.“

Bei Michael Falkenmayer war der Einstieg ins Trainerdasein überhaupt nicht geplant. Im Sommer 2014 war er nach sieben Jahren beim SC Pfullendorf an den Bruchweg zurückgekehrt, wo er bereits von 2002 bis 2005 in Ober-, Regional- und Zweiter Liga gekickt hatte (übrigens auch noch eine Saison lang mit Henning Lichte). Der heute 35-Jährige gehörte wie Sandro Schwarz zu jenem Kader, der 2004 unter Jürgen Klopp in die Erste Bundesliga aufstieg.

Der Körper machte nicht mehr mit

U-23-Manager Manfred Lorenz überzeugte Falkenmayer nach dem Aufstieg in die Dritte Liga davon, an alter Wirkungsstätte als Führungsspieler wiedereinzusteigen. Doch schon im Herbst erlitt der routinierte Defensivmann einen Teilabriss des Adduktorenmuskels vom Knochen, eine Verletzung, von der er sich nicht mehr erholen sollte. Ein Jahr lang quälte er sich in der Reha für ein Comeback, und als er kurz davorstand, wieder spielfähig zu sein, folgte ein Rückschlag.

„Das war der Moment, in dem ich gemerkt habe, dass mein Körper auch nach den ganzen Knieverletzungen nicht mehr mitmacht“, erzählt Falkenmayer. „Nach einem Gespräch mit Sandro habe ich mich entschieden, sofort einen Cut zu machen, die Reha abzubrechen und als Kotrainer bei ihm einzusteigen.“ Damals habe dies den Frust über das ungeplante Karriereende gemildert. Dass ich im Fußball bleiben konnte und auch noch eng an der Mannschaft war, mit der ich gespielt hatte, hat es mir erleichtert.“ Nicht ahnen konnte er, dass dieser zufällige Seitenwechsel ihn zwei Jahre später in die Bundesliga führen würde. (Fortsetzung folgt)

 

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