Bundesliga | Peter H. Eisenhuth | 22.07.17

Der Mann, in dessen Karriereplan Mainz perfekt hineinpasst

AUS DEM TRAININGSLAGER (VIII): Abdou Diallo geht einen Schritt zurück, um sich für höhere Aufgaben zu empfehlen. Für die 05er hat er sich nicht zuletzt wegen Sandro Schwarz' Engagement entschieden.
Macht einen Schritt zurück, um zwei nach vorne zu machen: Abdou Diallo.
Macht einen Schritt zurück, um zwei nach vorne zu machen: Abdou Diallo. | René Vigneron

Grassau. Ein Wechsel vom AS Monaco zum FSV Mainz 05 dürfte in Fußballerkreisen eher als Karriereknick betrachtet werden. Abdou Diallo sieht das anders. „Von den Namen der Klubs her ist das ein Schritt zurück“, räumt der Franzose im Pressegespräch während des Trainingslagers in Grassau ein. „Aber ich bin hergekommen, um mehr Einsatzzeiten zu erhalten, mich weiterzuentwickeln und mich dadurch für größere Verein anzubieten.“

Er habe einen klaren Plan, wie seine Karriere verlaufen solle, sagt Diallo. Und in diesem Plan passt der rheinhessische Bundesligist offenbar perfekt als Sprungbrett für höhere Aufgaben.

Dass sich der 21-Jährige, dem auch andere, finanziell vermutlich attraktivere Angebote vorlagen, für die 05er entschieden hat, lag nicht zuletzt am Engagement seines neuen Trainers. Sandro Schwarz nämlich hatte sich, als es in die entscheidende Phase der Verhandlungen ging, am Mittwoch voriger Woche kurzerhand gemeinsam mit Rouven Schröder ins Flugzeug nach Monaco gesetzt, um persönlich mit dem Innenverteidiger zu reden. Das, sagt dieser, habe er zuvor noch nicht erlebt. „Es war das erste Mal, dass auch ein Trainer zu mir kam. Sonst habe ich immer nur mit den Sportdirektoren gesprochen.“ Schwarz‘ Auftauchen hat Eindruck hinterlassen, „und ich habe das Vertrauen direkt gespürt“.

Nationaltrainer riet ihm zu

Auch Pierre Mankowski, der Trainer der französischen U-21-Nationalmannschaft, deren Kapitän Diallo ist, habe ihm den Schritt nach Mainz empfohlen. „Wir hatten im Sommer noch eine Zusammenkunft mit unserem Team, da hat er mir gesagt, dass es etwas Gutes sein müsse, ,wenn die mit Sportdirektor und Trainer zu dir kommen. Das ist ein Zeichen, dass sie dich unbedingt haben wollen‘.“

Nur Gutes hatte Diallo auch von Jean-Philippe Gbamin und Gaetan Bussmann, seinen beiden Landsleuten im Mainzer Kader gehört. Sowohl über den Verein als auch über die Liga. Und das auch schon lange bevor ein Wechsel nach Deutschland für ihn zum Thema wurde. Vor rund einem Jahr war er bei seiner Nationalelf Zimmerkollege des damals gerade zu den 05ern gestoßenen Gbamin, „und er hat mir nur Positives berichtet“.

Franzosen werden in Deutschland besser

Ohnehin sei Deutschland, sei die Bundesliga in den vergangenen Jahren zu einem begehrteren Ziel für junge französische Spieler geworden. „Je mehr von uns nach Deutschland gingen, umso größer wurde das Interesse“, sagt Diallo. „Weil man irgendwann gemerkt hat, dass die meisten, die diesen Schritt machen, besser werden. Und da hat man sich gefragt: Warum ist das so?“ Das will jetzt auch der in Tours geborene junge Mann mit senegalesischen Wurzeln herausfinden.

Ein neues Land, eine neue Liga, eine neue Sprache, eine neue Spielweise, all das sieht Abdou Diallo nicht als Problem an. Im Gegenteil: „Es ist für meine Entwicklung auch als Mensch sehr wichtig, auch mal andere Sachen kennenzulernen, in ein anderes Land zu gehen“, sagt er. „Ich werde probieren, mich schnellstmöglich zu integrieren.“ Dass ihm seine neuen Mitspieler dabei helfen werden, diesen Eindruck hat er schon in den wenigen Tagen des Trainingslagers gewonnen.

Obwohl, oder vielleicht auch weil die beiden anderen Franzosen am Bruchweg geblieben sind. „Auf der einen Seite ist es schade, dass Jean-Philippe und Gaetan nicht dabei sind, aber es hat den Vorteil, dass ich dadurch automatisch mehr auf die anderen Spieler zugehe und sie schneller und besser kennenlerne.“ Sein Englisch sei ganz gut, mit den allermeisten Kollegen könne er sich deshalb verständigen, und notfalls ist ja noch der Schweizer Fabian Frei da, der bei Diallos Interviewmarathon am Freitag als perfekter Dolmetscher fungierte.

Kapsel nur leicht lädiert

Als bevorzugte Position nennt Linksfuß Diallo die Innenverteidigung, er könne aber auch als linker Abwehrspieler oder Sechser auflaufen. Seine Stärken? „Für einen Verteidiger bin ich technisch ganz gut, kann gut hinten rausspielen, und ich habe eine gute Mentalität.“ Seine Schwächen? „Ab und zu merkt man noch, dass mir die Erfahrung fehlt, da bin ich ein bisschen übermütig.“ Ob er sich deshalb so gut mit Gbamin versteht? Diallo lacht. „Ich glaube, wir sind ganz unterschiedliche Typen.“

Dass der Neuzugang sowohl im Spielaufbau als auch im Kopfballspiel stark ist, war bei seinen Testspieleinsätzen nur kurz zu erkennen. Gegen den FC Tokyo wirkte in den letzten 25 Minuten mit, gegen die SpVgg Greuther Fürth musste er nach einer halben Stunde ausgewechselt werden. Doch die Handverletzung, die er sich „als Sandwich zwischen René Adler und einem gegnerischen Stürmer“ zugezogen hatte, erwies sich als nicht gravierend. Zwar trägt Diallo an der rechten Hand einen Verband, aber der dient nur dem Schutz der lädierten Daumenkapsel. „Es ist nichts kaputt“, sagt er, „das ist das Wichtigste. Und es tut auch nicht besonders weh.“

 

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