Bundesliga | Peter H. Eisenhuth | 20.07.17 Der Aus-dem-Schatten-Mann AUS DEM TRAININGSLAGER (V): Rouven Schröder ist nach einem Jahr im Amt der starke Mann beim FSV Mainz 05. Und spätestens mit dem 17-Millionen-Transfer von Jhon Cordoba hat der Sportvorstand eigene Pflöcke eingeschlagen. Mit dem 17-Millionen-Transfer von Jhon Cordoba ist Sportvorstand Rouven Schröder ein echter Coup gelungen. | Peter H. Eisenhuth Grassau. Rouven Schröder mit Christian Heidel zu vergleichen, muss nicht zwingend zielführend sein. Schröder ist seit etwas mehr als einem Jahr für die sportlichen Belange des FSV Mainz 05 zuständig, Heidel hatte das Amt des Managers ein knappes Vierteljahrhundert inne und sich im Laufe der Zeit eine Position erarbeitet, die ihn dem Allmächtigen nahekommen ließ. Zum Schaden des Vereins war dies in all den Jahren nicht. Die strukturellen Probleme offenbarten sich erst nach Heidels Abschied und mündeten nach langer, heftiger Diskussion in jene grundlegende Reform, die zuletzt den bis dahin in 05-Fan- und Mitgliederkreisen unbekannten Johannes Kaluza an die Spitze des Klubs brachte. Wie sich die Geschichte in der Führung weiterentwickeln, wie der neue Vorsitzende seine Rolle definieren wird, bleibt spannend. Auch die Frage, ob und wann der Aufsichtsrat weitere hauptamtliche Vorstände berufen wird, ist noch offen. Geklärt ist derzeit nur eines: Rouven Schröder ist der starke Mann am Bruchweg, der bisherige Sportdirektor fungiert inzwischen als Sportvorstand. „Keine One-man-Show“ „Am Tagesgeschäft hat sich nichts geändert“, sagt er in einer Journalistenrunde während des Trainingslagers in Grassau. „Schon der alte Vorstand hatte mir das Vertrauen geschenkt und mich handeln lassen. Das war nicht selbstverständlich, vielen Dank dafür.“ Mangels weiterer Hauptamtlicher im Leitungsgremium muss sich Schröder jetzt zwar auch mit Themen befassen, die über sein bisheriges Aufgabengebiet hinausgehen. Doch abgesehen von Kaluza und dem Aufsichtsrat, „der gewillt ist, den Verein mit nach vorne zu kontrollieren“ (ob gewollt oder versehentlich: eine originelle Formulierung), seien für das operative Geschäft ja auch die vier Geschäftsführer Christopher Blümlein, Dag Heydecker, Michael Kammerer und Tobias Sparwasser da. „Das ist keine One-man-Show“, betont Schröder, „die Arbeit kann nicht einer alleine schaffen. Ich bin froh, Teil des Ganzen zu sein, bin mir aber auch bewusst, dass nicht so viele über mir sind.“ Eines kann man dem früheren Zweitligaprofi in jedem Fall attestieren: Was die Transferpolitik angeht, ist Rouven Schröder nach einem Jahr mindestens mit einem Bein aus dem langen Schatten seines Vorhängers herausgetreten. War der im Januar erfolgte Verkauf von Yunus Malli an den VfL Wolfsburg im Prinzip noch alternativlos, ist dem Sportvorstand mit dem Transfer von Jhon Cordoba an den 1.FC Köln ein echter Coup gelungen. Bilanz liest sich nicht nach 17 Millionen Zwar sagt Schröder, der Kolumbianer sei ein „ganz wichtiger Spieler im Kader“ gewesen, aber einen „Transfer in dieser Größenordnung müssen wir machen.“ Dass diese Größenordnung bei 17 Millionen lag, bestätigt er nicht; ein Dementi erfolgt allerdings auch nicht. Die Beantwortung der Frage, ob ihn die Bereitschaft der Kölner überrascht habe, so viel Geld für Cordoba auf den Tisch zu legen, umgeht er. Höchstwahrscheinlich hätte auch ein für seine bemerkenswerten Transfergeschäfte bekannter Christian Heidel keinen Cent mehr aus diesem Geschäft herausgeholt. Denn so bedeutend Cordobas Rolle für das Mainzer Spiel auch war, liest sich seine Bilanz doch nicht nach einer derart hohen Ablösesumme (sofern kein englischer Verein involviert ist). In 29 Bundesligaspielen der vorigen Saison erzielte Cordoba fünf Tore, bereitete fünf weitere Treffer vor, sah eine Rote Karte (mit drei Spielen Sperre) und musste bei acht Gelben Karten ein weiteres Mal aussetzen. Und irgendwann hatten die Gegner verstanden, dass sie dem Schwerstarbeiter am besten zwei Innenverteidiger an die Seite stellen, an denen er sich aufreiben kann. Insofern: alles richtiggemacht. Jetzt müssen sich nur noch die eingekauften Spieler als die benötigten Verstärkungen erweisen. Jugendliches Ungestüm In dieser Hinsicht war die Bilanz in der vorigen Saison durchwachsen. Torwart Jonas Lössl beispielsweise erlebte schon am zweiten Spieltag mit zwei entscheidenden Patzern beim 4:4 gegen die TSG Hoffenheim einen Tiefpunkt und kam über eine durchschnittliche Runde nicht hinaus. Am Ende verlor er seinen Platz gar an Jannik Huth. Gleichwohl hat Rouven Schröder nicht ganz Unrecht, wenn er darauf verweist, Lössl sei in der öffentlichen Bewertung zu schlecht weggekommen – der Däne hatte halt auch das Pech, Nachfolger eines überragenden Loris Karius zu werden. Wäre er auf Heinz Müller oder Christian Wetklo in ihrer letzten Saison gefolgt, hätte sich die Diskrepanz weniger deutlich gezeigt. Jean-Philippe Gbamin avancierte im zentralen Mittelfeld auf Anhieb zur Stammkraft. Die mitunter leichtsinnigen Pässe und die zwei aufeinanderfolgenden unnötigen Gelb-Roten Karten am zwölften und vierzehnten Spieltag mag man dem jugendlichen Ungestüm des 21-Jährigen zuschreiben. Levin Öztunali stand in 30 Bundesliga- und fünf Europa-League-Partien auf dem Platz, erzielte fünf plus eins Tore, war damit einer der besten Mainzer Torjäger und ein echter Gewinn. Gelegentliche Leistungsschwankungen kann man einem im März 21 Jahre alt gewordenen Kicker nicht verübeln. Holtmann vor Neuanfang Der im Winter gekommene Robin Quaison wirkte oft orientierungslos, was aber auch an der ihm vom Trainer zugewiesenen Rolle zu tun haben konnte. Und Bojan, der feine katalanische Fußballer aus der Schule des FC Barcelona, fristete lange Zeit ein Bankdrückerdasein, weil Schmidt ihm zunächst das Rennen und Kämpfen beibringen wollte. Schwer zu sagen, wie die Rückrunde gelaufen wäre, hätte der Leihspieler von Anfang an rangedurft – so waren sein früher Führungstreffer beim 2:2 in München und seine Torvorbereitung beim abschließenden 4:2 gegen Eintracht Frankfurt wesentliche Bausteine des Klassenverbleibs. Kaum eine bis keine Rolle spielten Gerrit Holtmann und José Rodriguez. Letzterer ging im Winter auf Leihbasis nach Spanien, Holtmann hatte immerhin das Verdienst, als Einwechselspieler in der Nachspielzeit des Hinrundenspiels bei Werder Bremen den 2:1 Siegtreffer vorbereitet zu haben. Ansonsten wird die Saison 2017/18 für ihn wie für Rodriguez – so er denn in Mainz bleibt – ein Neuanfang. Adler weiß, wie man Bälle fängt Für eine ernsthafte Beurteilung der zu dieser Saison zum Kader gestoßenen Zugänge sind zweieinhalb Wochen Vorbereitung noch nicht ausreichend. Dass René Adler weiß, wie man Bälle fängt, hat er hinreichend bewiesen. Von Alexandru Maxim ist bekannt, dass er ein glänzender, technisch starker Kicker ist. Viktor Fischer kann als Linksaußen deutlich mehr, als er in seinem Jahr im Middlesbrough auf den Platz brachte; er könnte auf der Außenbahn dem ohnehin formschwachen Jairo den Rang ablaufen. Kenan Kodro als Cordoba-Ersatz wird wohl noch lernen müssen, die Rolle des alleinigen Stürmers so auszufüllen, wie Trainer Sandro Schwarz es erwartet – aber diese Zeit wird er bekommen (und außerdem spricht auch nichts dagegen, mal mit zwei Spitzen zu spielen). Zu Abdou Diallo lässt sich noch gar nichts sagen. Der Franzose ist erst im Trainingslager eingestiegen und hat einen 25-minütigen Kurzeinsatz gegen den FC Tokyo hinter sich. Mehr aus Grassau: Fünf Treffer bei der Hasenjagd - 05er gewinnen Test gegen FC Tokyo Ausraster nur in begründeten Ausnahmefällen - Sandro Schwarz' aktives Coaching In der Ruhe liegt die Kraft - Doppeleuropameister Levin Öztunali Glänzende Perspektiven - Auch die deutsche U21 war hier Alle Artikel von Fußball (Bundesliga)