Verbandsliga | Peter H. Eisenhuth | 16.06.26 Trümmerbruch nach Matchtiebreak In einem Verbandsligaspiel mit Oberligacharakter gelingt dem TSV Schott 2 der für den Klassenverbleib wichtige Sieg gegen den BASF TC Ludwigshafen 3. Beim Mainzer 6:3-Erfolg ragen das Duell zweier Altmeister und Elias Peters Match gegen Rheinland-Pfalz-Meister Alexander Haage heraus. Feliciano Saulino setzte sich mit einer überzeugenden Performance an Position vier durch. | Bernd Eßling Mainz. Dem, um den es an diesem Spieltag hauptsächlich ging, blieb genau deshalb ausnahmsweise nur die Zuschauerrolle. Tom Meinert ist die Nummer eins unter den Jugendlichen, die sie beim TSV Schott ans Herrentennis auf höherem Niveau heranführen wollen. „Das liegt uns am Herzen, und dafür brauchen wir die Verbandsliga“, sagt Jörg Daum, Cheftrainer und Sportlicher Leiter des Klubs. Aus diesem Grund – und weil die für den Klassenverbleib als wesentlich eingestufte Begegnung mit dem TV Alzey überraschend schiefgelaufen war – griff er für die Partie seiner Zweiten Mannschaft gegen den BASF TC Ludwigshafen 3 zu einem ungewöhnlichen Mittel: Auf dem Bogen standen in Kapitän Adrian Kraus, Feliciano Saulino und dem routinierten Fabian Guzik lediglich zwei Stammkräfte des Teams. Alle anderen kamen von oben. „Das hatte schon etwas Oberligacharakter“, sagte Daum – dem sich die Gäste nicht verweigerten, indem sie beispielsweise den frisch gekürten Rheinland-Pfalz-Meister Alexander Haage und Altmeister Dennis Gremelmayr aufboten. „Die einzige Chance, unseren Jugendlichen eine Plattform zu geben“ „Wir mussten tun, was wir alle nicht wollen“, kommentierte Daum seine Aufstellung nach dem 6:3-Erfolg. „Da mögen andere jetzt über uns schimpfen, aber das ist die einzige Chance, unseren Jugendlichen eine Plattform zu geben.“ Die Rheinhessenliga ist zumindest für einen Tom Meinert inzwischen witzlos, in der Oberliga aber kann Daum den 14-Jährigen noch nicht bringen. „Dafür ist dort jedes Spiel zu wichtig, und dafür werden dort zu viele ausländische Spieler eingesetzt“, sagte der Trainer. Die Schottler hatten verbandsintern wie nahezu alle Klubs dafür plädiert, maximal zwei Exportspieler einsetzen zu dürfen – eine Regelung, die der in den vergangenen Jahren so gut wie ohne eigenes Personal angetretene TC Weiler torpedierte. „Und so lange in der Oberliga jede Mannschaft beliebig viele Ausländer aufstellen kann, können wir die Klasse nicht zur Talentförderung nutzen“, betont Daum. „Das ist im Übrigen ein Grund dafür, dass Rheinland-Pfalz im Ranking der Bundesländer weit hinten steht.“ Bella vs. Gremelmayr Gegen die Ludwigshafener Dritte griff der TSV daher nicht nur auf die nächste Woche in die Oberliga einsteigenden Elias Peter und Lukas Hamacher zurück, sondern ließ auch Marco Bella einfliegen. Der 38 Jahre alte Italiener, ein Schott-Urgestein mit vielen Regional- und Obersaisons auf dem Rücken, war sich für die klassentiefere Aufgabe nicht zu schade. Zwar unterlag er in einem herausragenden Match zweier Veteranen dem sechs Jahre älteren und um Nuancen cleverer agierenden Dennis Gremelmayr, der ebenfalls sein Saisondebüt gab, mit 6:7, 4:6. „Aber ohne Marco an Position zwei rutschen alle anderen eins hoch, und dann sieht es anders aus“, sagte Daum. „Deshalb war es sehr wichtig, ihn im Team zu haben.“ Dahinter ging Lukas Hamacher mit breiter Brust in das Duell gegen Amir Albeg. Den Israeli hatte er unlängst in einem US-College-Match mit 6:3 und 6:1 bezwungen, jetzt verpasste er ihm – ungewöhnlich für ein Verbandsligamatch an Position drei – eine Doppelnull. Kraus unterliegt, Guzik überrascht (den Trainer) Diesen Mannschaftspunkt hatte Jörg Daum ebenso eingeplant wie den von Feliciano Saulino („Er hat sehr gut performt“) gegen Bijan Bakhschai. Und auch mit einem Sieg von Adrian Kraus gegen Valentin Lösch hatte der Trainer mehr als nur etwas geliebäugelt. Danach sah es bis zum Stand von 6:2 und 4:2 auch aus. „Aber dann begann sein Gegner, besser zu spielen, und Adrian hat etwas nachgelassen. Damit bekam das Match eine andere Dynamik.“ Mit ein wenig Glück hätte Kraus auch den zweiten Satz für sich entscheiden können, stattdessen musste er in den Matchtiebreak, den er mit 8:10 abgab. Anschließend wirkte er einigermaßen geknickt, sein Coach betrieb Aufbauarbeit. „Ja“, sagte Daum, „das hätte ein Schicksalsspiel werden können. Aber dank der ungeplanten Siege bricht es uns nicht das Kreuz.“ Nicht auf der Rechnung hatte er den Ausgang der Partien an den Positionen eins und sechs gehabt. Hinten setzte sich Fabian Guzik gegen Veit Teubel mit 7:6, 6:3 durch. „Das ist ein richtig guter Mann“, sagte Daum über den Ludwigshafener, „aber Fabi hat das super gemacht, toll gefightet und sich immer wieder selbst angefeuert, obwohl er eigentlich ein ruhiger Typ ist.“ Guzik selbst gab sich hinterher gewohnt gelassen: „Wenn ich gebraucht werde, bin ich zur Stelle.“ Peter biegt 1:4 zu 10:6 um Ganz vorne endete der Matchtiebreak mit einem Trümmerbruch. Leidtragender war Alexander Haages Schläger, den sein Besitzer schon einmal zu Boden geschleudert hatte, nachdem er einen Stopp nach Elias Peters Netzangriff zwar erlaufen, den versuchten Passierball aber mit der Vorhand ins Netz gezogen hatte – aus einer 4:1- und 5:2-Führung des Pfälzers war ein 5:5 geworden. Danach gelang Haage, der eine Woche zuvor bei den Landesmeisterschaften groß aufgespielt und auch das Finale gegen Schott-Oberligaakteur Steffen Hillenmeier dominiert hatte, nur noch ein Punkt. Peter hingegen bestach unter anderem mit einer brillanten Longline-Vorhand von der Rückhandseite und beendete das Spitzenspiel mit einer erneuten Netzattacke samt perfektem Rückhandvolley. Danach musste Haages Schläger dran glauben. „Ich wusste, dass ich gut drauf bin“, kommentierte Peter, dem der erste Satz nach 4:1 und zwei leichten Vorhandfehlern entglitten war, seine Leistung. „Aber wenn du im Matchtiebreak schon 1:4 zurückliegst, gehört auch ein bisschen Glück dazu.“ Entspannt in die Doppel und den letzten Spieltag Das 4:2 nach den Einzeln ließ die Gastgeber recht entspannt in die Doppel gehen; dass sie wenigstens eines gewinnen würden, stand für Daum und seine Leute außer Frage. Erst recht, da Gremelmayr auf einen weiteren Einsatz verzichtete. Viel fehlte nicht, und der TSV wäre in der letzten Runde durchmarschiert: Hamacher/Guzik ließen im dritten Doppel ebenso wenig anbrennen wie Peter/Bella im ersten. Saulino/Kraus erarbeiteten sich nach verlorenem ersten Satz mit 7:5 einen Matchtiebreak, gaben diesen jedoch mit 4:10 ab. Mit dem zweiten Saisonsieg haben die Schottler den vorletzten Tabellenplatz an den TV Alzey abgegeben, beide sind punktgleich mit den viertplatzierten Ludwigshafenern. Die empfangen am letzten Spieltag den TVA, und Daum geht davon aus, „dass sie stark genug stellen werden, um nicht noch abzurutschen“. Um auf Nummer sicher zu gehen, müsste der TSV sein Heimspiel gegen den bereits gesicherten HTC Bad Neuenahr gewinnen – welchen Personalmix der Trainer angesichts der parallel beginnenden Oberligasaison wählt, bleibt eine spannende Frage. Schott-Urgestein Marco Bella unterlag zwar im Duell der Altmeister dem Ludwigshafener Spielertrainer Dennis Gremelmayer, ohne ihn aber wäre die Aufgabe für den TSV ungleich schwieriger geworden. | Bernd Eßling Anzeige Fightete und feuerte sich an: Fabian Guzik überraschte mit seinem Sieg an Position sechs (seinen Trainer). | Bernd Eßling Alle Artikel von Tennis