Bundesliga | Oliver Nieder | 04.08.26

Mit Maske im Gesicht und Pfeil im Kopf die Bayern ärgern

NEUES AUS DEM BRIXENTAL (17) | Bayern ärgern findet er gut, im Spiel trägt er eine Maske, er läuft für die peruanische Nationalmannschaft auf und bezeichnet sich als eher ruhigen Typen. Fabio Gruber, Neuzugang des FSV Mainz 05, zeigt viele Facetten. Zeit, ihn näher kennenzulernen.
Entspannt ins erste Pressegespräch als 05er: Fabio Gruber im Mainzer Mannschaftshotel in Hopfgarten.
Entspannt ins erste Pressegespräch als 05er: Fabio Gruber im Mainzer Mannschaftshotel in Hopfgarten. | Oliver Nieder

Aus dem Trainingslager des FSV Mainz 05 berichten

Peter H. Eisenhuth und Oliver Nieder. 

 

Hopfgarten. Die Beine übereinandergeschlagen, wartet Fabio Gruber entspannt die erste Journalistenfrage ab. Von der Seite kommt Phillip Tietz angeschlendert und flachst seinen neuen Kollegen an. Es wird gelacht, ein Spruch hier, ein Spruch dort. Gruber bleibt gelassen, spielt mit, bis Konzentration eingekehrt ist.

Die Szene zeigt: Fabio Gruber ist schnell angekommen in der Mannschaft. Mit wem so gewitzelt wird innerhalb eines solchen Settings, zu dem kann man Vertrauen haben. „Ein Trainingslager ist ja perfekt dafür“, sagt Gruber. „Für die Arbeit auf dem Platz und am Teamspirit.“

Dabei spricht der 23-Jährige, als verfügte er bereits über die Erfahrungen von zig Stationen. Tatsächlich ist Mainz erst seine dritte im Profifußball, aber grundsätzlich gehe es in allen Kabinen ähnlich zu: „Alle haben ja irgendwie, wenn man das so sagen darf, einen Pfeil im Kopf.“

Kapitän in Verl und Nürnberg

Einen Pfeil im Kopf? Die Google-Suche zur Existenz dieser Redensart bleibt erfolglos, regt aber zur Fantasie an. „Und deshalb findet sich das eigentlich relativ schnell“, lautet Grubers Fazit zur Eingewöhnungszeit in Mainz.

Zu seiner problemlosen Akklimatisierung im neuen Kader passt, dass er schon in jungen Jahren als Mannschaftskapitän Verantwortung übernahm. Zunächst beim SC Verl in der Dritten Liga, später beim Zweitligisten 1. FC Nürnberg. Und das nur kurz nachdem er Anfang 2025 zu den Franken gestoßen war.

Ist Fabio Gruber also einer, der den Mund aufmacht, laut werden kann, in der Kabine, auf dem Platz? Eher nicht. Das mit dem Kapitänsamt, das ihm seine jeweiligen Trainer übertrugen, darunter Ex-Nationalspieler Miroslav Klose, „hat sich so entwickelt, ohne großartig was dafür gemacht zu haben.“

Noch mehr kommunizieren

05-Coach Urs Fischer weist im Trainingslager darauf hin, dass er sich noch ein bisschen mehr Kommunikation von seinem neuen Innenverteidiger wünscht. Gruber kann den Wunsch verstehen. „Ja, ich bin grundsätzlich ein ruhiger Typ, ich brauche ein bisschen Anlaufzeit, um wirklich aus mir herauszukommen.“

Zunächst aber gelte es, die Trainer, die Mannschaft und die Spielidee zu verstehen. Das ist seine Reihenfolge. „Und wenn ich dann sicherer bin, werde ich auch kommunikativer.“

Auf diese Weiterentwicklung darf man gespannt sein, denn der Neuzugang erweckt den Eindruck, etwas zu sagen zu haben. Das Trainingslager empfindet er auf höherem Niveau und mit anderer Intensität als in früheren Zeiten. „Aber es macht Spaß.“

Riskante Spielweise…

Die unter Fischer praktizierte Dreierkette kennt er aus Nürnberger Zeiten. Aber egal, ob Dreier- oder Viererkette – für ihn ist das alles eine Frage der Anpassung. „Wenn man jeden Tag das System trainiert, dann gewöhnt man sich an die Abläufe und dann kommt man auch in diesen Flow.“

Fabio Gruber sucht diesen Flow, auch wenn der mit Risiken behaftet ist. So dürften Besucher des Testspiels gegen Holstein Kiel (3:0) gestaunt haben, wie Gruber in der dritten Minute zu einem Flugkopfball knapp über der Grasnarbe und einem gegnerischen Fuß ansetzte.

…erfordert die Maske

Damit beantwortete er schon die noch nicht gestellte Frage, warum er in Spieler (und in Übungsformen, in denen es körperlich zur Sache geht) eine Maske trägt. Im Pressegespräch in Hopfgarten berichtet er in aller Seelenruhe, wie er sich vor zwei Jahren mehrere Frakturen im Gesicht zugezogen hat.

„War jetzt nicht so schön und will ich auch ungern wieder haben.“ Zugleich aber mag er nicht von seinem Spielstil lassen. Also: Maske auf.

Derart gerüstet, will Fabio Gruber ganz die Mainz-05-DNA aufnehmen. Zu der zählt, das hat er schon im Vorfeld gehört: „Die Bayern ärgern.“ Für einen geborenen Augsburger ist dies bereits ein Wert an sich.

Mathenia warb für Mainz

Dass der Verein in seiner Wahrnehmung „sehr ruhig und sehr fokussiert wirkt“, hat daneben ebenso eine Rolle gespielt wie die werbenden Worte des Ex-05ers und heutigen Nürnberger Torwarts Christian Mathenia. „Der ist ja ein Mainzer Junge, er hat sich riesig für mich gefreut und mir gesagt, dass es der richtige Schritt ist.“

Ganz nebenbei haben sich die Mainzer mit Gruber einen weiteren Nationalspieler eingefangen. Im November vergangenen Jahres debütierte er in der peruanischen Nationalmannschaft und absolvierte seither drei Länderspiele. Die Beziehungen zum Heimatland seiner Mutter sind eng, ein Teil der Verwandtschaft lebt dort.

Peru als Herzensangelegenheit

Die Nationalmannschaft – wieder so eine Geschichte: „Die Peruaner sind wirklich fußballverrückt“, holt Gruber aus. Irgendwann sei er dort in den sozialen Medien erwähnt worden, ohne dass er bereits im Profifußball Fuß gefasst hatte. Doch die Dinge nahmen ihren Lauf.

Der Verband wurde auf ihn aufmerksam, und plötzlich stand Gruber für Peru auf dem Zettel. Für ihn selbst sei es eine Herzensangelegenheit. Die Emotionen, wenn er seine Mutter sehe, die seien Wahnsinn. „Es ist einfach schön zu wissen, wenn sie dann vorm Fernseher sitzt, dass man jemanden glücklich macht.“

Im Training zeigt Fabio Gruber meist sein Gesicht...
Im Training zeigt Fabio Gruber meist sein Gesicht... | Eva Willwacher
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...in Spielen schützt er es mit einer Maske, um seinen Spielstil nicht verändern zu müssen.
...in Spielen schützt er es mit einer Maske, um seinen Spielstil nicht verändern zu müssen. | Eva Willwacher
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