Bundesliga | Peter H. Eisenhuth | 04.08.26 Jetzt geht's um Spritzigkeit und Standards NEUES AUS DEM BRIXENTAL (18) | Urs Fischers Fazit nach zehn Tagen mit dem FSV Mainz 05 in Tirol fällt rundum positiv aus. Der Konkurrenzkampf gefällt dem Trainer ebenso wie die Intensität, mit der seine Leute zur Sache gehen. Wenn OB Nino Haase vorbeischaut, steht Trainer Urs Fischer im Schatten. | Peter H. Eisenhuth Aus dem Trainingslager des FSV Mainz 05 berichten Peter H. Eisenhuth und Oliver Nieder. Wörgl. Der letzte Trainingstag des FSV Mainz 05 im Brixental hielt eine Überraschung bereit: Nino Haase schaute vorbei. Der Mainzer Oberbürgermeister nutzte die räumliche Nähe von seinem Urlaubsort im Zillertal, um der Mannschaft einen Besuch abzustatten. Sehr zur Freude von Urs Fischer – der Trainer und der Politiker hatten sich vor einiger Zeit auf dem Budenheimer Golfplatz kennengelernt. Nach dem kurzen Tête-à-Tête war Zeit für ein etwas längeres Trainingslagerfazit des Chefcoaches, und das fiel nicht minder erfreut aus. „Gut, sehr gut“, sagte er, „die Jungs haben toll mitgezogen, Intensität und Leistung waren gut.“ In den beiden Testspielen gegen Shabab al-Ahli (1:0) und Udinese Calcio (3:3) aus vollem Training heraus, habe er ebenfalls ansatzweise sehr gute Dinge gesehen. „Auch weniger gute, aber das gehört dazu.“ Martel hat Glück im Unglück Die Verletzung, die sich Eric Martel zu Beginn der Partie gegen den Klub aus Dubai zugezogen hat, trübt die Freude ein wenig, die schlimmsten Befürchtungen hätten sich jedoch nicht bewahrheitet, sagte Sportdirektor Niko Bungert. „Wir sind natürlich nicht happy, dass wir einen Spieler verletzt mit nach Hause nehmen. Aber es war Glück im Unglück, dass es kein Totalschaden im Knie, sondern eine kleine Innenbandverletzung ist. Nach dem Schock war Eric fast zufrieden mit dieser Diagnose.“ Derzeit werde der Neuzugang fürs Mittelfeld behandelt und halte per Wassergymnastik seine Muskeln und Gelenke mit reduziertem Körpergewicht in Bewegung. „Ein paar Wochen Ausfallzeit werde die Verletzung nach sich ziehen, konkreter lasse sich das nicht prognostizieren. „Wir hoffen, dass wir ihn im Laufe des Septembers wieder auf den Platz bringen. Je nach Heilungsverlauf wird es etwas früher oder später.“ Zwei Szenarien, beide gut Der Kader in seiner derzeitigen Besetzung wird diesen Ausfall auffangen können, bestätigt Urs Fischer – mit der Betonung auf „so, wie er j e t z t besetzt ist“. So lange Kaishu Sano nicht abwandert, halten sich die Sorgen der Mainzer Verantwortlichen um die Besetzung des Mittelfelds in engen Grenzen. Was den Japaner angeht, sind zwei Szenarien denkbar – beide sind Niko Bungert recht. Entweder Sano, dessen Vertrag bis Sommer 2028 läuft, bleibt noch eine Saison am Bruchweg, „dann haben wir einen Weltklassespieler im Kader“. Oder er verlässt den Verein, dann wird viel Geld aufs Konto kommen. „Momentan haben wir zwölf zentrale Mittelfeldspieler für drei Positionen“, rechnet Urs Fischer vor. Dass der 19-jährige Daniel Imafidon, gerade in die U23 aufgerückt, diesem Dutzend angehört, macht den Konkurrenzkampf nicht kleiner. „Konkurrenzkampf, wie er sein soll“ Für die Innenverteidigung stehen mit den erfahrenen Stefan Bell, Dominik Kohr, Danny da Costa und Andreas Hanche-Olsen sowie den jungen Fabio Gruber und Kacper Potulski sechs Akteure zur Verfügung, die, wie der Trainer einräumt, alle Ansprüche auf einen Stammplatz anmelden können. Stefan Posch, in der vorigen Rückrunde auf Leihbasis aus Como geholt, könnte noch dazustoßen. Sportvorstand Christian Heidel hat das Interesse an einer dauerhaften Verpflichtung bestätigt, Posch selbst wolle den Transfer ebenfalls. „Das ist ein Konkurrenzkampf, wie er sein soll“, sagt Fischer. Sein Anspruch ans Personal: „Die Jungs müssen es hinbekommen, dass der Trainer sich schwertut, Entscheidungen zu treffen. Da sind wir auf dem richtigen Weg.“ Nakuzola mit Pflichtspielperspektive In seine allgemeine Zufriedenheit bezieht der Schweizer explizit die Nachwuchskräfte – fünf an der Zahl, was außergewöhnlich viel ist – ein. Nicht nur, dass es an ihren Leistungen in den Übungseinheiten und den Testspielen kaum etwas auszusetzen gab, hätte sie sich auch schnellstmöglich in die Mannschaft eingefügt. „Es ist wirklich erstaunlich, wie gut sie bei den gestandenen Spielern ankommen. Das spricht für sich und dafür, dass sie sich entsprechend benehmen und gewisse Regeln einhalten.“ Ihre Chancen, bis zum Ende der Vorbereitung oder darüber hinaus bei den Profis zu sein, sind unterschiedlich groß. Bei Rael Nakuzola ist nach dem derzeitigen Stand am ehesten damit zu rechnen, nicht nur in den verbleibenden Testspielen gegen Paris FC an diesem Samstag (17 Uhr, Bruchwegstadion) und eine Woche später gegen den FC Bournemouth (15.30 Uhr, Arena am Europakreisel), sondern auch bei Pflichtaufgaben auf dem Zettel zu stehen. Da Costa kann das auch Der 19 Jahre alte Linksverteidiger, von den A-Junioren von Rot-Weiß Essen für die U23 gekommen, ist für sein Alter physisch sehr stark und hat das Zutrauen, offensiv tätig zu werden. Obendrein mangelt es fürs Erste noch an voll belastbaren Schienenspielern – außer ihm trifft das nur auf Anthony Caci und Marco Richter zu; Letzterer dürfte aber ein Verkaufskandidat sein. Phillipp Mwene ist erst vor wenigen Tagen ins Training eingestiegen, Silvan Widmer wird erst in Mainz wieder zum Kader stoßen. Die Frage nach dem vierten Mann für die Position hinter dem altgedienten Trio, beantwortet Urs Fischer mit einem Lachen. „Wer das ist, dazu äußere ich mich nicht. Aber der ist sogar mehr als hier“ – Danny da Costa könne diesen Job schließlich ebenfalls übernehmen. „Ob sich eine Woche lohnt, muss jeder für sich wissen“ Zehn Tage Trainingslager – länger war nur Wolfgang Frank einst im Winter mit der Mannschaft unterwegs (drei Wochen auf Zypern) – mögen manch einem zu lang erscheinen, doch mit nur einer Woche kann sich Urs Fischer nicht anfreunden. „Zwei Tage fallen für An- und Abreise weg. Ob sich das dann noch lohnt, muss jeder für sich wissen.“ Außerdem sei es für alle Beteiligten gut, mal etwas anderes zu sehen, in einer anderen Umgebung zu arbeiten und – nicht ganz unwichtig für die Väter kleiner Kinder – „in Ruhe zu schlafen“. Am Mittwoch machen sich die Mainzer auf den Heimweg, am Donnerstag ist frei, am Freitag geht es weiter. In den dann noch etwas mehr als zwei Wochen bis zum DFB-Pokal werde es, nachdem das Fundament gelegt sei, vor allem um Schnelligkeit und Spritzigkeit gehen, kündigte Fischer an. Und sicher auch um Standards. „Die konnten wir hier ja nicht trainieren, weil ihr dabei wart.“ Die Variationen, die Kotrainer Markus Hoffmann mit der Mannschaft einstudieren wird, seien nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Immerhin ein Tor – gegen Shabab al-Ahli – habe das Team nach eine Ecke erzielt. Fischer zu den Journalisten: „Wärt ihr zu Hause geblieben, hätten wir vielleicht mehr Standardtore gemacht.“ Eric Martel hat Glück gehabt: Der befürchtete Totalschaden im Knie entpuppte sich als Innenbandverletzung. | Karl Reichwein Anzeige Anzeige Anzeige Alle Artikel von Fußball (Bundesliga)