Oberliga | Peter H. Eisenhuth | 20.06.26 Der Titelverteidiger will ins Mittelfeld Noch einmal wie vor einem Jahr Meister zu werden, hält Jörg Daum für ausgeschlossen. Der Trainer des Tennis-Oberligisten TSV Schott Mainz geht dennoch optimistisch in die am Sonntag beginnende Saison. Deutlich schwieriger dürften die nächsten Wochen für den dezimierte Aufsteiger TSC Mainz werden. Cyril Vandermeersch bleibt die Nummer eins des TSV Schott. | Bernd Eßling Mainz. Als amtierender Meister geht der TSV Schott in die am Sonntag beginnende Saison der Tennis-Oberliga. „Aber ohne Ambitionen, das zu wiederholen“, sagt Jörg Daum. Der Titelgewinn vor einem Jahr – im Aufstiegsspiel zur Regionalliga scheiterte die Mannschaft mit 1:5 am TVH Rüsselsheim – sei auch dank der Konstellationen an den letzten beiden Spieltagen zustande gekommen. Zu den Eigenheiten der überschaubar großen Tennisligen gehört es, dass Mannschaften, die eben noch in höchster Abstiegsgefahr schweben, plötzlich ganz oben mitmischen können. In der neuen Runde allerdings sei der Titel schon vor dem ersten Spieltag vergeben, sagt der Trainer und Sportliche Leiter des TSV. „Homburg wird Meister, und zwar mit Ansage an alle anderen“, prognostiziert er. Vandermeersch erneut die Eins Eigentlich habe der Vizemeister der vorigen Medenrunde seine Mannschaft nach dem Abgang zweier Leistungsträger abmelden wollen. Dann aber schlossen sich in Henrik Albrecht und Max Amling zwei starke deutsche Akteure den Saarländern an, „und für vorne haben sie drei Granaten geholt“. Schon die Tatsache, dass Moritz Pfaff an sechster Position aufschlägt unterstreicht die Qualität der Mannschaft – als er vor einigen Jahren für den TSV Schott aktiv war, musste Pfaff als Nummer eins ran. „Der Homburger Etat ist doppelt so hoch wie unserer“, sagt Daum. „Das muss man dann ja auch im Kader merken.“ Das eigene Aufgebot führt erneut der Franzose Cyril Vandermeersch an, dahinter folgt als Neuzugang Neil Saxer, ein 18 Jahre alter Schweizer aus der Schule von Schott-Dauerbrenner Adrian Sikora. Der Routinier soll an einem Doppelspieltag ebenfalls zum Einsatz kommen, unter normalen Umständen statt seines Schützlings. Zum Auftakt beim TC Rotenbühl „Unser Plan ist, immer mit vier unserer eigenen Jungs anzutreten“, kündigt Daum an. Die Liste der einheimischen Akteure beginnt mit Steffen Hillenmeier, dahinter folgen Elias Peter und Lukas Hamacher als Stamm. An sechster Position sollen sich Sven König und Feliciano Saulino – ebenfalls neu, aber schon in der Verbandsliga eingesetzt – abwechseln. „Wenn wir damit im Mittelfeld landen, wäre ich zufrieden“, sagt Daum, um eine wirkliche Prognose abzugeben, beinhalte die Liga zu viele Überraschungseier. Rückkehrer TC Rotenbühl, bei dem die Schottler zum Auftakt antreten und den TC Mutterstadt könne er nicht einschätzen, der TuS Neunkirchen sei vermutlich schlagbar, und beim BASF TC Ludwigshafen 2 hängt viel davon ab, „mit welcher Besetzung der gerade antritt“. Bleiben die rheinhessischen Konkurrenten TSC Mainz und TC Gensingen. „Ich fürchte, sie werden es schwerhaben.“ Kirchner verletzt, Rizzi beim Konkurrenten Eine Einschätzung, der Babak Momeni für seine Mannschaft nicht widerspricht. „Wir haben ein ausgeglichenes Team“, sagt der Trainer des TSC. „Aber wenn die anderen Vereine mit ihren besten Leuten antreten, sind sie stärker. Deshalb wird es für uns um nichts anderes gehen, als die Klasse zu halten.“ Ein Problem des Aufsteigers vom Ebersheimer Weg: Daniel Kirchner, der Kapitän, fällt für die komplette Medenrunde aus. Unter anderem wegen eines Knorpelschadens musste er sich eine Knieoperation unterziehen, bei optimalem Verlauf kann er gegen Ende des Sommers das Training wieder aufnehmen. „Das schmerzt“, sagt Momeni, „ihn am meisten, aber auch uns als Team. Ändern können wir es allerdings nicht, jetzt müssen wir versuchen, das Beste aus der schwierigen Situation zu machen.“ Und die wird noch schwieriger, weil auch Joel Rizzi nicht zur Verfügung steht. Der langjährige Mannschaftsführer, derzeit noch mit den Herren 30 in der Bundesliga eingespannt, tritt in der Oberliga für den TC Gensingen an. Zwei Spanier an der Spitze Ein Schritt, der vereinsintern für erhebliche Verstimmung gesorgt hat. Rizzi hatte in der vorigen Verbandsligasaison an Position drei in fünf Einzeln keinen Satz abgegeben und hätte jetzt ein wichtiger Faktor im Kampf gegen den Abstieg sein sollen. Mit zwei anderen aus dem 30er-Kader rechnet Momeni hingegen: Niko Rizzi und Felix Tripp sollen nach dem Ende der Bundesligasaison die Erste Mannschaft unterstützen. Die wird nach Möglichkeit stets mit zwei Spaniern an der Spitze auflaufen. Zu Oscar Mesquida Berg, der in der vorigen Spielzeit nach sieben Jahren sein Comeback gab, gesellt sich – auf dessen Empfehlung und als neue Nummer eins – Guillem Campos Perez (19). „Levy ist mental sehr stabil“ Die dritte Position bekleidet im Regelfall Neuzugang Felipe Damke, den einen oder anderen Kennern der Szene vielleicht noch aus dem ersten Coronasommer ein Begriff; damals trug er das Schott-Trikot. „Er wird auf viele starke Gegner treffen, das wird alles andere als einfach“, sagt Momeni. „Allerdings kann er es ihnen schwermachen, weil er zwar über keine richtigen Winner verfügt, aber sehr viel läuft, kämpft und zurückbringt.“ Levy Müller an Position vier werde sich gewiss nicht vom Verlauf der Verbandsligasaison runterziehen lassen, in der die TSC-Zweite eine vorhersehbare Klatsche nach der anderen kassierten und er selbst in der Poleposition ohne Satzgewinn blieb. „Levy ist mental sehr stabil“, versichert der Trainer, „er hat sich trotz der Niederlagen gar nicht schlecht verkauft. Und die Gegner an eins in der Verbandsliga sind weitaus stärker als an vier in der Oberliga.“ Genau richtig positioniert sei Mats Weber an fünfter Stelle. Den sechsten Platz sollen mehrere Spieler der Zweiten Mannschaft – Kanida Sabokrouh, David Anthofer, Christopher Klaus – einnehmen. Für den TSC beginnt die Saison mit dem vermutlich dicksten Brocken: Am Sonntag (10 Uhr) kommt der TC BW Homburg in die Oberstadt. Oscar Mesquida Berg soll helfen, den TSC in der Oberliga zu halten. | Bernd Eßling Anzeige Oberliga Alle Artikel von Tennis