Bundesliga | Peter H. Eisenhuth | 21.07.2014

„No pass – no watch“

Nicht jeder darf den Mainzern im St. George's Park bei der Arbeit zuschauen. Und auf die Grünfläche schon gar nicht.
Da geht man als Profi gleich eingeschüchtert aufs Feld. Kein Wunder, dass die englische Nationalmannschaft sich so früh aus Brasilien verabschiedet hat.
Da geht man als Profi gleich eingeschüchtert aufs Feld. Kein Wunder, dass die englische Nationalmannschaft sich so früh aus Brasilien verabschiedet hat. | Peter H. Eisenhuth

Es ist nicht ausgeschlossen, dass Kasper Hjulmand in den nächsten Tagen hin und wieder einen Suchtrupp aussenden muss. Spieler einsammeln.

Nein, keine Neuzugänge (die wird im Zweifelsfall Christian Heidel auf den rechten Weg führen), sondern Akteure aus dem bestehenden Kader des FSV Mainz 05, die sich auf dem Gelände des St. George’s Park verlaufen haben. Das Areal der englischen Football Association nämlich ist mit dem Adjektiv „weitläufig“ nur unzureichend beschrieben. Man könnte auch sagen: Wüste Gobi, nur in Grün.

Greenkeeper kann auch Türsteher

Über zwölf Rasenplätze, benannt nach einstigen Heroen des englischen Fußballs wie Gary Lineker und David Beckham, verfügt die Anlage. Nicht einfach nur Rasen. Feinster englischer Rasen. Handgeschnitten und hochsensibel. „Grass grows in inches. Feet kill it. Please keep off the pitch“,  mahnen Schilder den Gast zu Besonnenheit – der Rasen wächst millimeterweise, wer ihn betritt, tötet ihn. Und wer sich nicht an die schriftliche Warnung hält, dem könnte der stämmige Herr mit dem Dreizack auf den Pelz rücken, der zwar offiziell den Beruf des Greenkeepers ausübt, aber durchaus den Eindruck zu vermitteln weiß, auch als Türsteher keinen allzu schlechten Job zu machen.

Rund 125 Millionen Euro hat der Bau des im Oktober vorigen Jahres eröffneten Trainings- und Ausbildungszentrums des englischen Fußballverbands gekostet. Im Preis inbegriffen ist unter anderem eine fußballfeldgroße Halle mit einem Kunstrasenplatz, selbstredend alles, was mit Athletik- und Reha-Training zu tun hat und ein Hilton-Hotel.

Journalisten werden hier kritisch beäugt, Fans scheinen eine unbekannte Spezies zu sein. Wer die Trainingseinheiten der 05er verfolgen will, benötigt eine Akkreditierung. Wer keinen entsprechenden Ausweis vor der Brust baumeln hat, muss gehen (und zwar nicht über den Rasen). Immerhin: Am ersten Tag kann Pressesprecherin Silke Bannick den gestrengen Steward erweichen, zwei an der Arbeit des Bundesligisten interessierte Briten nicht gleich zu vertreiben. Doch fortan gilt die Parole: „No pass – no watch“.

Irgendwann einmal soll all dies dazu beitragen, dass die englische Nationalmannschaft mal wieder die Vorrunde eine Fußball-Weltmeisterschaft übersteht.

 

Mehr zum Trainigslager der 05er: Englische Woche.

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