Nils Gniza | 13.03.26 „Mehr als Wettkampf und Rekorde“ Aus 16 Vereinen kommen die mehr als 100 Athletinnen und Athleten bei der 66. Sportlerehrung der Stadt Mainz. Das Altersspektrum reicht von 11 bis 85 Jahre. Der Abschluss jeder Sportlerehrung: das Gruppenbild mit allen ausgezeichneten Athletinnen und Athleten. | Eva Willwacher Schlagkräftig und schlagfertig: Baseballerin Mona Brauch, Deutsche Meisterin mit den A's und U-12-Nationalspielerin. | Eva Willwacher Lerchenberg. Bruno Moravetz rief es bei den Olympischen Winterspielen 1980 auf der Suche nach der deutschen Langlaufhoffnung ins ZDF-Mikrofon: „Wo ist Behle?“ Leicht abgewandelt tauchte die Frage in den vergangenen beiden Jahren bei den Sportlerehrungen der Stadt Mainz auf: „Wo ist Stehle?“ Der Duathlet des TCEC Mainz, eigentlich festes Ensemblemitglied der ausgezeichneten Athletinnen und Athleten, war wie vom Erdboden verschluckt, hatte keine Wettkämpfe bestritten, damit keine Titel oder andere Topplatzierungen eingeheimst – und keine Einladungen mehr für die traditionsreiche Gratulationscour der Stadt erhalten. Jetzt war er wieder da. Mehrere Verletzungen, darunter ein Schlüsselbeinbruch und ein Fersensporn, hatten ihn lange aus dem Rennen genommen – 2025 aber kehrte er wie Phönix aus der Asche zurück: als Weltmeister in der Altersklasse 70. Die ersten zehn Laufkilometer bewältigte er 45:36 Minuten, die 60 Kilometer auf dem Rad in 1:26:41 Stunde und die zweite Hälfte der Laufstrecke, auf die er am zweiter Stelle liegend gegangen war, in 46:23 Minuten. Im Ziel blieb die Uhr für ihn bei 3:14:36 Stunden stehen. „Wenn Sie antreten, tritt auch Mainz an. Und wenn Sie jubeln, jubelt die ganze Stadt“ Im Bürgerhaus Lerchenberg, in das die Veranstaltung für ihre 66. Auflage aus Finthen umgezogen ist, würdigten Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) und der neue Bürgermeister, Sport- und Finanzdezernent, die Leistungen und die Strahlkraft der Geehrten. Thorsten Mühl (Rheinhessen-Sparkasse) und Uwe Abel (Volksbank Darmstadt-Mainz) fungierten als Paten; ihre Häuser sind seit vielen Jahren Sponsoren der Veranstaltung. „Viele von Ihnen tragen mit Stolz das Mainzer Doppelrad auf der Brust in ihren Vereinswappen und auf ihren Trikots“, sagte Haase, an die Sportlerinnen und Sportler gerichtet. „Wenn Sie antreten, dann tritt auch Mainz an. Und wenn Sie jubeln, dann jubelt die ganze Stadt. Deren Name wird national und international publiziert und weitergetragen. Deswegen ist Sichtbarkeit das Mindeste, was wir Ihnen bieten können.“ „Sport ist mehr als nur Wettkampf und Rekorde“, betonte Köbler, „er verkörpert Fitness, Respekt und Teamgeist und ist wichtig für den Zusammenhalt der Gesellschaft.“ Köblers Highlight im vorigen Jahr: Die Landesspiele der Special Olympics, ein Event für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung, die im Mai erstmals in Mainz stattfanden. Botschafter der Special Olympics „Das war ein herausragendes Ereignis für unsere Stadt“, sagte der Bürgermeister. „Ein Sportfest der Begegnung mit einem tollen Rahmenprogramm und unglaublichen Leistungen der Sportler, Trainer und vielen engagierten Ehrenamtlichen, die etwas ganz Besonderes geschaffen haben.“ Zwei Botschafter des Ereignisses erzählten von ihren Erfahrungen als Fackelträger, die das Special-Olympics-Feuer entzünden durften, und als Teilnehmer: der Schwimmer Fabian Warsinsky und Johanna Stenner, die stolz von der mit ihrer Fußballmannschaft gewonnenen Goldmedaille berichtete. Stress habe ihnen die Doppelrolle während der Tage im Mai nicht bereitet, im Gegenteil, die beiden konnten das genießen: „Die Stimmung während der Wettkampftage war sehr schön.“ Gold bei den Deaflympics Das Spektrum der bei der Sportlerehrung auf die Bühne gebetenen Athletinnen und Athleten reichte von 11 bis 85 Jahre, von Dauergästen wie Alice und Roman Kobisch vom Mainzer Minigolfclub bis hin zu Newcomern wie Tobias Franz und Henrik Templin – das Duo heimste im vorigen Jahr in Tokio bei den Deaflympics, den Spielen für Gehörgeschädigte, überraschend den Titel im Beachvolleyball ein. „Diesen Erfolg konnten wir nicht erwarten“, sagte Franz, der – schwarzer Anzug und Fliege – schon rein optisch den Höhepunkt des Abends bildete. Templin und er seien reine Amateure, „und bei der Konkurrenz zum Beispiel aus der Ukraine handelte es sich um Profis“. Immerhin tue sich inzwischen etwas mehr in Sachen Sportförderung, ergänzte Henrik Templin. „Es wird jetzt besser.“ Erfolgreich an der Hantel und im Black Jack Wer im Seniorensport unterwegs ist, muss in aller Regel für die anfallenden Kosten selbst aufkommen. Das gilt für die Säbelfechter:innen des MTV 1817 Mainz, deren Weltmeisterschaften in Manama (Bahrein) stattfanden genauso wie für Horst Jooss, ein Veteran des Gewichthebens und der älteste Teilnehmer der Sportlerehrung. Voriges Jahr ging’s zur WM nach Las Vegas – Casino im Hotelfoyer inbegriffen. Worin er erfolgreicher war, wollte Moderator Peter H. Eisenhuth, Redakteur von SPORTAUSMAINZ.de, wissen. Jooss hatte die Lacher auf seiner Seite: „Im Black Jack.“ Nebenbei wurde er freilich auch Weltmeister in der AK 85. Die Gewinne am Spieltisch hätten im Übrigen nicht gereicht, um die Reise zu finanzieren. Schlagfertig und selbstkritisch Für Glücksspiel noch viel zu jung, aber alt genug für Erfolge auf dem Baseballfeld: die U12 der Mainz Athletics, ihres Zeichens Deutscher Meister. Einziges Mädchen im Team ist Mona Brauch. Wie lange sie bei den Jungs mitspielen darf? „So lange ich will“, antwortete sie schlagfertig. Die Mitspieler („Jaaa“) zeigten sich einverstanden. Aber bitte: Gemeinsam mit Artin Krischok gehörte Mona auch der deutschen U-12-Nationalmannschaft an, die den vierten Platz bei den Jugend-Europameisterschaften belegte – „weil wir nicht gut gespielt haben“, wie Artin anmerkte. Siehe: Die Fähigkeit zu Selbstkritik ist auch bei sehr jungen Sportlern vorhanden. Gleich vor von 18 Kadermitgliedern stellten die A’s im deutschen U-15-Team, das im Finale die gastgebenden Tschechen mit 12:2 bezwang. „Das war nicht abzusehen“, sagte Felipe Morales Weggeman. „Wir hatten mit einem knappen Ergebnis gerechnet.“ Vizeweltmeisterinnen nach Weltklassekür Mit gemischten Gefühlen gingen die Deutschen Meisterinnen im 4er-Kunstradfahren aus den Weltmeisterschaften heraus. Nach einer Weltklassekür mit 237,75 Punkten fehlten dem Ebersheimer Quartett am Ende 1,79 Zähler auf die Schweiz. „Im ersten Moment waren wir enttäuscht, dass es nicht für den Titel gereicht hat“, sagte Tijem Karatas. „Mit etwas Abstand sind wir aber sehr stolz darauf, so ein tolles Ergebnis erzielt und den zweiten Platz belegt zu haben.“ Im Unterhaltungsprogramm außerhalb der kurzweiligen Unterhaltungen bot der TC Rot-Weiß Casino Mainz einen Einblick in sein breites Spektrum: die Solo-Formation des Nachwuchses, die Stepptanzgruppe „Step by Step“ sowie die Standard-Turniertänzer Sarah Rybka-Schmidt und Harald Rybka sorgten für viel Schwung auf der Bühne. Hier geht es zur freien Bildergalerie: → Ehre, wem Ehre gebührt. Jörg Stehle ist wieder da. Darüber freuen sich auch Bürgermeister Daniel Köbler (l.), Pate Uwe Abel (r.) und Moderator Peter H. Eisenhuth (2.v.r.). | Eva Willwacher Alle Artikel von Sonstige Sportarten