Peter H. Eisenhuth | 25.06.26

Ein großer Mann mit dem gewissen Etwas

Sonnyboy, Seriensieger und Ratgeber: Ein Nachruf auf den Ringer und Trainer Ahmet Cakici.
Ahmet  Cakici war eine Saison als Trainer des SVA Nackenheim tätig.
Ahmet Cakici war eine Saison als Trainer des SVA Nackenheim tätig. | Eva Willwacher

Mainz. Er galt als Schlitzohr auf der Matte, als „Sonnyboy des deutschen Ringersports“, wie ihn der ehemalige Verbandsvizepräsident Helmuth Pauli nannte. „Und Ende der 80er Jahre war er der talentierteste Ringer, den Deutschland hatte“, sagt Kayhan Cakici über seinen Bruder Ahmet. „Irgendwann hat sogar mein Vater zu ihm gesagt: ,Du bist jetzt so gut, dass ich dir nichts mehr beibringen kann‘.“

 

                    „Unvergleichlich, was ihm als Aktivem

                           und als Trainer gelungen ist“

 

Nuri Cakici, Mitte der 60er Jahre mit seiner Familie aus dem türkischen Izmit nach Deutschland ausgewandert und über die Station Kleinostheim nach Mainz gekommen, war der Begründer einer regelrechten Ringerdynastie. Ahmet avancierte zum erfolgreichsten seiner vier Söhne. Noch in der Türkei geboren, wurde er 1983 eingebürgert und ein Jahr später erstmals Deutscher Meister im Leichtgewicht.

„Unvergleichlich, was ihm sowohl als Aktivem als auch später als Trainer gelungen ist“, sagt Kayhan Cakici. Was er meint: Ahmet wurde mit dem AC Bavaria Goldbach sechsmal hintereinander Deutscher Mannschaftsmeister. 1996 trug er zum Titelgewinn des KSV Germania Aalen bei – und von 1997 wiederholte er sein Goldbacher Kunststück als Coach der Schwaben: ein halbes Dutzend Deutsche Meisterschaften in Serie.

International wurde Cakici des Öfteren von Verletzungen ausgebremst; unter anderem musste er 1984 seine Teilnahme an den Olympischen Spielen absagen. Sein größter Erfolg gelang ihm fünf Jahre später: WM-Bronze in Martigny/Schweiz.

In der Saison 2015/16 fungierte der Mainzer als Trainer des seinerzeit aufstrebenden Zweitligisten Alemannia Nackenheim; den Job übergab er anschließend an seinen Bruder Cengiz und war selbst unter anderem in Mömbris und als Stützpunkttrainer in Aschaffenburg tätig.

 

                    „Ich hatte zwei Idole in meinem Leben:

                               meinen Vater und Ahmet“

 

„Als Athlet war er für seine Trainer nicht immer einfach“, erzählt sein Bruder Kayhan, „weil er immer seine Meinung gesagt hat. In manchen Strukturen war das schwierig.“ Als er die Seiten gewechselt hatte, pflegte Ahmet Cakici weiterhin ein offenes Wort, aber wer mit ihm zu tun hatte, erinnert sich an einen sehr angenehmen, freundlichen, viel Wärme ausstrahlenden Zeitgenossen.

Innerhalb der Familie war seine Rolle noch bedeutender. „Ich hatte zwei Idole in meinem Leben: meinen Vater und Ahmet“, sagt Kayhan Cakici. „Er hatte immer einen Rat für mich. Wenn ich ein Problem hatte, kannte er die Lösung.“

Mit seinem eigenen Leben sei sein Bruder vollkommen zufrieden gewesen. „Er war zurück in Mainz, froh mit seiner Arbeitsstelle, und mit allem, was er vielleicht mal verpasst hatte, wie Olympia, hatte er sich längst arrangiert. Da war alles im Lot.“ Zu den Dingen, die der vier Jahre jüngere am älteren Bruder bewunderte, gehörte dessen Eleganz. „Eleganz in der Bewegung, im Laufstil, im Aussehen. Ahmet hatte immer das gewisse Etwas, er konnte alles einen Tick besser als ich.“

Ahmet Cakici ist überraschend am Donnerstagmorgen gestorben. Er wurde 63 Jahre alt.

„Wie es aussieht, ist er friedlich und ohne Schmerzen vor seinem Laptop im Bett eingeschlafen“, sagt sein Bruder Kayhan. „Gott hab ihn selig, diesen großen Mann auf der Matte und großen Mann in meinem Leben.“

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