Peter H. Eisenhuth | 23.08.2021

U-14-Sieger räumt gleich doppelt ab

Lob für Organisation und Gastfreundschaft sowie große Zufriedenheit mit sportlichen Leistungen und Zuschauerzuspruch prägen die Bilanz der sechsten SiNN Mainz Open. Ein Nachwuchstitel bleibt beim TSC, die ausgefallenen Mädchenwettbewerbe aber geben den Veranstaltern zu denken.
Erstmals in Mainz, holte Diana Marcinkevica sich den Siegerinnenscheck.
Erstmals in Mainz, holte Diana Marcinkevica sich den Siegerinnenscheck. | Peter H. Eisenhuth
...Luftsprünge hatte sie schon während des Halbfinals gemacht.
...Luftsprünge hatte sie schon während des Halbfinals gemacht. | Peter H. Eisenhuth
Laurenz Kersting hatte doppelten Grund zur Freude: Der TSC-Jugendliche gewann das U-14-Turnier sowie einen der Hauptpreise in der Tombola.
Laurenz Kersting hatte doppelten Grund zur Freude: Der TSC-Jugendliche gewann das U-14-Turnier sowie einen der Hauptpreise in der Tombola. | Jörn Hildner

Mainz. Einen Wermutstropfen gab es, das räumt Urs Kern ohne Umschweife ein. Und meint damit nicht die Regentropfen, die am letzten Tag der sechsten SiNN Mainz Open dazu führten, dass die Halbfinals der Herren sowie beide Endspiele kurzzeitig unterbrochen werden mussten. „Wir hatten uns in Anbetracht der Wetterprognosen schon darauf eingestellt, nach Ingelheim in die Halle umziehen zu müssen“, sagt der Vizepräsident des TSC Mainz. „Das wäre gerade auch für die Zuschauer schade gewesen. Aber letztlich waren es nur kurze Pausen, die wir leicht verschmerzen konnten.“

Nein, der Aspekt des dreitägigen Turniers am Ebersheimer Weg, der ihn enttäusche und auch nachdenklich mache, waren die Meldungen für die beiden Mädchenkonkurrenzen. Die nämlich waren so gering ausgefallen, dass die Wettbewerbe ausfallen mussten. „Weder in der U12 noch in der U14 der weiblichen Jugend hatten wir genügend Interessentinnen“, bedauert Kern. „Das müssen wir intern beraten und überlegen, wie wir gegensteuern können.“

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Viele Zuschauer beim Jugendfinale

Über die Ursachen für das mangelnde Interesse könne er bestenfalls spekulieren. Dass die Mainz Open während der rheinland-pfälzischen Sommerferien stattfanden, scheide als Grund eigentlich auch. „Das hätten wir ja auch bei den Jungs gemerkt, und dort hatten wir zwölf- beziehungsweise vierzehnköpfige Teilnehmerfelder“, sagt er. „Und die Spieler kamen ja nicht nur aus der Region, sondern aus mehreren Bundesländern, darunter Bayern und Berlin.“

In der Qualität ihrer Matches eiferten sie den Aktiven nach. Insbesondere das U-14-Finale erwies sich als echter Hingucker – und endete zur Freude des gastgebenden Vereins mit einem Erfolg des eigenen Nachwuchses. Der an Position zwei gesetzt Laurenz Kersting setzte sich gegen den favorisierten Aschaffenburger Henry Sommer mit 2:6, 6:4, 10:7 durch. „Das war wirklich unglaubliches Duell, das die beiden sich geliefert haben“, sagte Kern.

Die Protagonisten wiederum waren nicht minder begeistert, weil sich nach und nach immer mehr Zuschauer an ihrem Platz einfanden; einige kamen vom Damenfinale auf dem Centrecourt, um die Entscheidung bei den Jungen zu verfolgen. „So etwas erleben die jungen Spieler auch nicht alle Tage, und das ist eines der Elemente, die unser Turnier so reizvoll machen“ – dass es sich sowohl um einen Damen- als auch Herrenwettkampf handelt und die Jugend ebenfalls eingebunden ist.

Nedelko nachhaltig beeindruckt

Im U-12-Endspiel stand in Oscar Sommer der Bruder des U-14-Finalisten, und auch er musste sich mit dem zweiten Platz begnügen. Mit 6:4 und 6:3 setzte sich Jannik Schrägle vom TC Boehringer Ingelheim durch. U-14-Sieger Laurenz Kersting hatte im Übrigen schon zuvor abgesahnt: Bei der Tombola wurde sein Los gezogen, als es um einen Wochenendaufenthalt in einem Viersternehotel an der Mosel ging.

Apropos: Die Aktiven kostenlos in Hotels wie Ibis, Hyatt und Favorite unterzubringen, ist bei A-3-Turnieren keine Selbstverständlichkeit. „Das kriegen sie selbst auf ihrer Profitour nicht, und das hebt uns von anderen Veranstaltungen in unserer Größenordnung ab“, sagt Kern, „und wir sind den Häusern sehr dankbar, dass sie dies möglich gemacht haben.“ Nicht von ungefähr betonten die Turniergewinner, wie gut sie sich in Mainz aufgehoben fühlen.

„Es waren tolle Turniertage, uns fehlte es hier an nichts“, sagte beispielsweise Sarah Gronert, die im Damenfinale der Lettin Diana Marcinkevica in zwei Sätzen unterlegen war. „Bei einer solchen Qualität kommen die Spielerinnen und Spieler gerne wieder.“ Das stellte auch Herrensieger Ivan Nedelko fest – dass er am Samstagabend den Spabereich auf dem Dach seines Hotels nutzen und den Blick über Mainz genießen konnte, hatte ihn nachhaltig beeindruckt.

Werbung für den Tennissport

Mit dem sportlichen Niveau konnten die Verantwortlichen ebenso hochzufrieden sein wie mit dem Zuschauerzuspruch. Bei den Männern hatte es schon in der Qualifikation und in der ersten Runde attraktive Matches gegeben, die beiden Halbfinals zwischen Nedelko und Robert Strombachs sowie Luca Gelhardt und Michal Franek waren großartige Werbung für den Tennissport (→ Unwiderstehliche Schläge). Lediglich das Endspiel verlief etwas einseitig zugunsten des Favoriten, aber Gelhardt hatte zuvor zu viel Kraft gelassen.

Insgesamt zählte der TSC an den drei Tagen rund 1200 Besucher auf der Anlage. „Am ersten Tag war überraschend viel los“, sagte Kern, „der Samstag war im normalen Rahmen. Und am Sonntag sind sehr viele Leute gekommen – ohne die schlechte Wetterprognose wären es bestimmt noch mehr geworden.“

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