Peter H. Eisenhuth | 20.08.2021

Fast alle Mainzer kommen durch

Steffen Hillenmeier, Leonard Stolz, Luca Gelhardt und die ungewohnt offensive Livia Kraus stehen bei den SiNN Mainz Open in der zweiten Runde. Gescheitert ist hingegen Titelverteidiger René Schulte.
Zog souverän ins Achtelfinale ein: Luca Gelhardt.
Zog souverän ins Achtelfinale ein: Luca Gelhardt. | Peter H. Eisenhuth
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leo | Peter H. Eisenhuth
Steffen Hillenmeier musste nicht an seine Leistungsgrenze gehen.
Steffen Hillenmeier musste nicht an seine Leistungsgrenze gehen. | Peter H. Eisenhuth

Mainz. Drei von vier Vertretern des gastgebenden TSC, die im Hauptfeld der SiNN Mainz Open standen, haben am Freitag das Achtelfinale erreicht. Hinzu kommt als halber Mainzer der an Position fünf gesetzte Luca Gelhardt, der zwar für den Tennispark Versmold spielt, aber am Ebersheimer weg als hauptamtlicher Trainer arbeitet.

Gelhardt gewann sein Erstrundenmatch ohne Mühe gegen den Qualifikanten Michael Melnikov (Ettlingen) mit 6:0 und 6:2. Ebenfalls souverän in die nächste Runde zog Steffen Hillenmeier ein. Ohne sein bestes Tennis zu spielen, bezwang er Jan Kern (TuS Griesheim), der als Lucky Loser der Qualifikationsverlierer weitergekommen war, mit 6:2, 6:2.

Das Los meinte es allerdings nicht gut mit der Nummer eins des bisherigen TSC-Oberligateams. Hillenmeier muss sich am Samstag ab 11.30 Uhr mit der Nummer eins des Turniers, Ivan Nedelko, auseinandersetzen. Am längsten von allen Mainzer Akteuren stand Leonard Stolz auf dem Court – sein Duell mit dem Frankfurter Qualifikanten Denis Robin wurde erst im Matchtiebreak entschieden. Stolz setzte sich mit 7:6, 4:6, 10:6 durch und trifft am Samstag (11.30 Uhr) auf den an sechs gesetzten Michal Franek.

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Anfängliche Nervosität

Erwartungsgemäß, aber nach einer ausgesprochen starken Leistung kam das Aus für Daniel Kirchner. Der 15-Jährige leistete dem Berliner Patrick Fleischhauer erbitterten Widerstand, verpasste im zweiten Satz aber beim Stand von 2:1 eine große Breakchance und unterlag mit 2:6, 3:6.

Nicht mehr dabei sein wird am Samstag auch René Schulte (Singen). Der Titelverteidiger, der die Mainz Open zum dritten Mal gewinnen wollte, scheiterte am frühen Freitagabend überraschend an Aaron Williams (TC Bredeney) mit 4:6 und 0:6.

Bei den Frauen stand nach Sinja Kraus‘ Absage und den Quali-Niederlagen von Tami Lipp und Aylin Poppe nur Livia Kraus als „local player“ in der ersten Runde. Sie brauchte eine Weile, bis sie im Erstrundenmatch gegen Alicia Mall (Speyer) dominant auftrat. „Ich war so nervös, als ich auf den Platz gegangen bin“, erklärte sie später ihre Startschwierigkeiten, die sich in einem raschen 0:3-Rückstand niederschlugen.

Offensiver als gewohnt

Eigentlich sollte die 22-Jährige erfahren genug sein, um ohne zittrige Hände und wacklige Knie in ein solches Duell zweier Wildcard-Inhaberinnen zu gehen. Zumal auf ihrer Heimatanlage. Doch genau das war das Problem. „Ich hatte das Gefühl, dass ganz viele Leute hier von mir etwas erwarten.“ Damit lag sie gewiss nicht verkehrt – sie selbst erwartete von sich zumindest ein anderes Auftreten als in den ersten Spielen. „Meine Gegnerin hat gut angefangen“, erkannte Kraus an, „ich habe sie aber auch gut anfangen lassen, indem ich weder schnell noch hoch noch auf die Seiten gespielt habe, sondern immer schlecht in die Mitte. Das war zu einfach.“

Davon war die Siegerin der ersten Mainz Open von 2016 mächtig genervt. „Ich weiß ja, was ich kann“, sagte sie, „und ich habe mich selbst gepuscht, ich habe mich angefeuert, zu zeigen, was ich draufhabe.“

Das bekam ihre Kontrahentin fortan zu spüren. Kraus gab kein weiteres Spiel im ersten und nur eines im zweiten Satz ab – und das mit einer anderen Spielweise, als man aus früheren Jahren von ihr kennt. Das war nicht die defensive, aber schwer zu bezwingende, weil unfassbar viele Bälle zurückbringende Livia Kraus, sondern eine, die deutlich offensiver zu Werke ging.

Auch Kraus gegen die Nummer eins

Zwar gelang es ihr mit Aktionen im gewohnten Stil, Mall zu entnerven, notfalls streute Kraus auch mal ein halbes Dutzend Mondbälle ein, bis die Speyerin die Geduld verlor und die Kugel verballerte. Aber Kraus ergriff auch die Initiative und punktete mit einer aggressiven Vorhand. „Danke“, sagte sie, darauf angesprochen. „Ich bin froh, dass der Unterschied auffällt.“

Spektakulär verwandelte sie ihren ersten Satzball: Mit einem Stopp ans Netz gelockt, brachte sie den Ball wieder auf die andere Seite. Es folgte ein Lob, den sie an der Grundlinie erlief und gegen die Laufrichtung hoch zurückspielte. Und prompt ging’s im Vollsprint wieder zur Platzmitte, weil Hall erneut einen Stopp angesetzt hatte – und den drosch Kraus mit der Vorhand unerreichbar auf den Platz.

Im Achtelfinale am Samstag ab 10 Uhr wartet vermutlich ein Brett auf die TSC-Akteurin: die an eins gesetzte Lettin Diana Marcinkevica, die ihr Match gegen Qualifikantin Isabel Neumer (Wiesbaden) am Freitagabend mit 6:1, 6:2 gewann.

 

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