Guido Steinacker | 20.08.16 Nicht mehr die mit den Plastiktüten Viele Sportvereine lassen Flüchtlinge gerne an ihren Angeboten teilhaben. Ein Projekt der Malteser Werke sorgt dafür, dass sie eine Grundausstattung für den Trainingsalltag erhalten. Was der Fußballer so braucht: Die Mannschaft von Vorwärts Orient mit ihren kickenden Flüchtlingen und den Geschenkpaketen, die die Malteser Werke zur Verfügung stellten. | Guido Steinacker 17 Flüchtlinge nehmen derzeit regelmäßig am Trainingsbetrieb bei C-Ligist Vorwärts Orient teil. Malteser Behrouz Asadi (r.) übergibt einem von ihnen, Torwart Peyman Azizirad, sein Austattungspaket. | Guido Steinacker Der neue Vorwärts-Kapitän Sohrab Jafarpour (Mitte), einer iranischen Familie entstammend, aber in Deutschland geboren, kickt seit einem Jahr mit Flüchtlingen zusammen, viele davon auch aus dem Land seiner Vorfahren. | Guido Steinacker Mainz. Der gute Wille, Flüchtlinge bei ihrem Ankommen in der deutschen Gesellschaft zu unterstützen, ist in vielen Mainzer Sportvereinen vorhanden. „Sport und Bewegung“ ist auch nach Meinung des Malteser Hilfsdienstes ein wichtiger Bereich des alltäglichen Lebens, über den die Integration der Flüchtlinge in Deutschland gelingen kann. Gerade die Jugendlichen unter den Asylsuchenden ließen sich über eine Teilhabe im Sportgeschehen „in die gesellschaftlichen Prozesse einbinden“, betont Behrouz Asadi, Leiter des Bereichs Migration Rheinland-Pfalz/Hessen bei den Malteser Werken. Doch den jungen Menschen fehlt das Geld, um sich so mit Sportmaterialien auszustatten, wie es die angestammten Mitglieder ihrer Vereine tun können. Und die kämen auch schnell an ihre finanziellen Grenzen, wollten sie alle Flüchtlinge aus ihren Mitteln mit den entsprechenden Materialien versorgen. Ein Projekt der Malteser Werke organisiert aus Spendenmitteln Ausstattungspakete, die Asadi nun beim Training der Fußballer des Vereins Vorwärts Orient an junge Flüchtlinge übergab. Dass gerade bei diesem Verein aktuell 17 Flüchtlinge in den beiden aktiven Mannschaften mitmischen, ist nicht weiter verwunderlich, schließlich steht Vorwärts Orient seit seinen Gründungstagen 1975, obwohl seit Jahrzehnten von Spielern persischer Abstammung dominiert, für eine Nationalitätenvielfalt. Viele der heutigen Spieler mit iranischem Familienhintergrund, so auch der frisch gewählte Kapitän der ersten Mannschaft, Sohrab Jafarpour (29), sind in Deutschland geboren und sorgen dafür, dass der Integrationsgedanken der Gründergeneration fortlebt. Den Neigungen entsprechend entwickeln Die Malteser Werke haben ein „Spitzensport-Projekt“ ins Leben gerufen, bei dem sie in Kooperation mit den Verbänden einen sportlichen Rahmen schaffen wollen, „in dem vor allem Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund und Fluchterfahrungen eine faire Chance erhalten, sich ihren Neigungen entsprechend zu entwickeln“, wie Asadi erläutert. Wenn sie sich in den Mannschaften etablierten, könnten sie sich dadurch verbessern und steigern und „eventuell eine Karriere als Spitzensportler“ beginnen. Dass ein Fußballer solch hohe sportliche Ziele beim C-Ligisten Vorwärts Orient verfolgen kann, ist eher zu bezweifeln. Aber das muss auch nicht der Weg sein. Mit der Grundausstattung – das Paket enthält eine Sporttasche, einen Trainingsanzug, Handtuch und Duschgel – sind die jugendlichen Flüchtlinge bei ihrem Weg zum Training nicht mehr die mit den Plastiktaschen in der Hand. Dass Vorwärts Orient als erster Klub die Pakete an seine Flüchtlinge verteilen konnte, hat nicht zuletzt mit der guten Struktur zur Unterstützung der Flüchtlinge in diesem Verein zu tun. Morad Abdollazadeh, ein Ur-Vorwärts-Mitglied, ist offiziell benannter Beauftragter des Vereins zur Betreuung der Flüchtlinge. „Wir sind eben nicht nur ein Fußballverein“, betont er. Regelmäßig erstattet er dem Vorstand Bericht über die Aktivitäten zur Unterstützung der Flüchtlinge, die seit rund einem Jahr regelmäßig zu den Trainingseinheiten kommen. Die Malteser sind bereit, auch Flüchtlinge in anderen Vereinen über ihr Projekt zu unterstützen, natürlich auch in anderen Sportarten. Interessierte Klubs können sich an Asadi unter [email protected] wenden. Alle Artikel von Fußball (Amateure)