Rheinhessenliga | Peter H. Eisenhuth | 05.05.26

Manchmal geht's ganz schnell

Nur ein enges Match: Aufsteiger MTV 1817 Mainz bleibt am ersten Spieltag der Tennis-Rheinhessenliga gegen Bürgerweide Worms ohne Satzverlust. Die DJK TV Mainzer Sand überrascht beim 6:3 in Jugenheim damit, dass sie ihre Baustellen aus der vorigen Saison geschlossen zu haben scheint.
1817-Spitzenspieler Alvaro Munoz mutierte am ersten Spieltag zum Kurzarbeiter.
1817-Spitzenspieler Alvaro Munoz mutierte am ersten Spieltag zum Kurzarbeiter. | Bernd Eßling

Mainz. War das schon ein Hinweis auf den weiteren Saisonverlauf oder zumindest in dieser Deutlichkeit der personellen Konstellation der Gäste geschuldet? „Wir hatten nicht erwartet, dass es so glatt läuft“, sagte Darius Gutte nach dem 9:0 des MTV 1817 Mainz gegen den TC Bürgerweide Worms. Nicht einen einzigen Satz gab der Aufsteiger ab, eng wurde es lediglich in Guttes eigenem Match gegen David Ebers, das der Mainzer Kapitän in zwei Tiebreaks für sich entschied.

„Mein Gegner hat sehr gut aufgeschlagen, auf meinen Aufschlag mit einem extrem guten Slice reagiert und das Tempo geschickt variiert“, sagte er. „Sich so zu duellieren, hat Spaß gemacht. Und mir ist es lieber, auf diese Weise zwei Stunden auf dem Platz zu stehen als schon nach 45 Minuten fertig zu sein.“

Nach 90 Minuten 4:0

Auch das gab es an diesem Tag: Alvaro Munoz und Thorben Reck waren im nominellen Spitzenspiel nach einer Dreiviertelstunde durch, den Wormser beeinträchtigte eine Schulterverletzung. Und dass die 1817er nach anderthalb Stunden schon mit 4:0 führten, entsprang einer Kombination aus ihrer Qualität und der nicht in Bestbesetzung angetretenen Gäste.

„Bei Bürgerweide haben zwei Leute gefehlt“, sagte Gutte, „ich gehe davon aus, dass die Mannschaft in den nächsten Wochen stärker sein wird.“ Sein Team trat freilich ebenfalls nicht mit allen vorgesehenen Stammkräften an. Tim Schmidt, zweiter Neuzugang neben Ruben Stettler wird erst am nächsten Sonntag im Derby bei Mitaufsteiger TSG Bretzenheim 46 debütieren, der zum Auftakt bei Rot-Weiß Worms zwar mit 1:8 verlor, aber ein Einzel und zwei Doppel erst im dritten Durchgang abgab.

 

DJK rehabilitiert sich

An zwei Baustellen aus der vorigen Saison hatten Tim Hippchen und seine Mannschaftskameraden in der Vorbereitung auf die neue Medenrunde gearbeitet: den Matchtiebreaks und den Doppeln. Und siehe da: Zum Auftakt sicherten sie sich in diesen beiden Disziplinen den 6:3-Sieg beim TC Jugenheim.

Zum einen gewannen sie vier der fünf Matches, die über die volle Distanz gingen. Zum anderen entschieden sie alle drei Doppel für sich. „Ich bin beeindruckt“, sagte der Kapitän. Umso mehr, als sein Team vor einem Jahr dem gleichen Gegner nach 4:2-Führung mit 4:5 unterlegen war. „Es ist toll, dass wir das, was wir angesprochen hatten, so gut umgesetzt haben.“

In der ersten Runde der Einzel habe es nach einer halben Stunde zappenduster ausgesehen. Weil Tim Hippchen als Nummer zwei krankheitsbedingt ausfiel, mussten die dahinter gemeldeten Akteure eins aufrücken, und damit taten sie sich zunächst schwer. Maximilian Rohde, Robert Jung und Jonas Legat schienen gegen Tim Gerhold, Lucas Bingenheimer und Manuel Thielmann auf Niederlagen zuzusteuern, rissen dann aber das Ruder herum.

Spielweise umgestellt

„Sie haben ihre Spielweise während der Matches umgestellt, Max und Robert haben ihre zweiten Sätze gewonnen und den Schwung in die Matchtiebreaks mitgenommen“, berichtete Mats Hippchen. „Und in denen war vom ersten Punkt an klar, wer gewinnen würde. Die beiden waren total fokussiert und haben sich am Ende souverän durchgesetzt.“

Der nach langer Punktspielpause an sechster Position eingesprungene Legat hatte im Gegensatz zu den Kollegen den ersten Satz gewonnen und den zweiten verloren. Den entscheidenden Durchgang gab er mit 9:11 ab.

Wie Louis Reinemer hatte auch der Kapitän selbst nicht seinen besten Tag erwischt und traf in Robert Koch zudem auf einen sehr gut aufgelegten Kontrahenten. „Er hat sich an alles angepasst, was ich versucht habe“, sagte Hippchen („Ich war am Limit“) zu seiner Zweisatzniederlage. Joshua Kloß gelang der einzige glatte Sieg der Gäste.

„Riesenwerbung für den Tennissport“

Die Doppel nannte er der Mombacher Spielführer eine „Riesenwerbung für den Tennissport“, in keinem der drei Duelle schenkten die Gegner einander etwas – und schon gar nicht sah es nach einem Durchmarsch seiner Mannschaft aus. Zwar setzten sich Rohde und der für Reinemer eingestiegene Kilian Kohl gegen Tim und Nils Gerhold in zwei Sätzen durch, doch die beiden anderen Matches gingen in die Verlängerung.

Kloß/Legat sicherten ihrem Team den entscheidenden fünften Punkt, indem sie Bingenheimer/Thielmann mit 3:6, 7:5, 10:8 niederrangen. Danach konnten sich alle dem Einser-Doppel widmen, das Hippchen und Jung auf eine Weise drehten, die an die Bundesliga-Rückrunde des FSV Mainz 05 erinnerte. Mit 1:6, 1:3 lagen sie gegen Koch/Bertz zurück, gaben jedoch kein weiteres Spiel im zweiten Satz ab und zogen den Matchtiebreak mit 10:4 auf ihre Seite.

Erfahrung gibt den Ausschlag

„Ein ganz hartes Spiel, die Gegner haben uns alles abverlangt“, kommentierte Hippchen den Umschwung. „Am Ende hat wahrscheinlich unsere etwas größere Erfahrung den Ausschlag gegeben. Und dass wir in den engen Situationen nicht nachgelassen haben, ist sehr erfreulich. Vor einem Jahr war das leider noch ganz anders.“

Zwar wollte Hippchen den Tag nicht vor dem Abend loben, „das war ja erst ein Spieltag“. Aber was die Bilanz der Matchtiebreaks angeht, steht die DJK schon jetzt besser da als nach der Saison 2025: In der hatte sie lediglich zwei von zehn dritten Durchgängen für sich entschieden. „Das hing uns noch in den Köpfen. Ich bin froh, dass wir uns jetzt ein bisschen rehabilitieren konnten.“

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