Oberliga | Peter H. Eisenhuth | 15.07.2020

Viel Spaß und ein schlechtes Gewissen

Mit einer negativen Bilanz hat der TSV Schott die Saison in der Tennis-Oberliga beendet. Die trübt weder die Freude darüber, dass überhaupt eine Medenrunde stattfand, noch zieht sie einen Abstieg nach sich. Allerdings lässt sie Rückschlüsse aufs nächste Jahr zu.
Gewann fünf seiner sechs Matches: Steffen Hillenmeier war der Schottler mit der besten Einzel-Quote.
Gewann fünf seiner sechs Matches: Steffen Hillenmeier war der Schottler mit der besten Einzel-Quote. | Bernd Eßling
Mit etwas mehr Glück in den Matchtiebreaks hätten es für Sven König an Position eins auch drei Siege werden können.
Mit etwas mehr Glück in den Matchtiebreaks hätten es für Sven König an Position eins auch drei Siege werden können. | Bernd Eßling
Am letzten Spieltag gelang Promise Iwere der erste Sieg; fürs nächste Jahr verspricht der Neuzugang Wiedergutmachung.
Am letzten Spieltag gelang Promise Iwere der erste Sieg; fürs nächste Jahr verspricht der Neuzugang Wiedergutmachung. | Bernd Eßling
Im grünen Bereich: Felipe Damke schloss die Runde mit einer Bilanz von 4:3 ab.
Im grünen Bereich: Felipe Damke schloss die Runde mit einer Bilanz von 4:3 ab. | Bernd Eßling
Fünf Einzel und fünf Doppel gewonnen: Mats Weber war eifrigster Punktesammler der Mainzer.
Fünf Einzel und fünf Doppel gewonnen: Mats Weber war eifrigster Punktesammler der Mainzer. | Bernd Eßling
Setzte sich an Position sechs am ersten und am letzten Spieltag durch: Robert Kovács.
Setzte sich an Position sechs am ersten und am letzten Spieltag durch: Robert Kovács. | Bernd Eßling

Mainz. Wäre am Sonntag eine reguläre Saison zu Ende gegangen, hätte es den TSV Schott Mainz erwischt: Als Tabellensechster unter acht Mannschaften wäre das Team von der Erzberger Straße aus der Tennis-Oberliga abgestiegen. Zwei Siegen, dem 17:4 zum Auftakt gegen den TC Weiss-Rot Speyer und dem 19:2 zum Abschluss gegen den TC Schwarz-Weiss Landau, standen fünf Niederlagen gegenüber. Zu wenig, um die Klasse zu halten.

Aber, und das war von Beginn an klar, es handelte sich in diesem Jahr nicht um eine normale Medenrunde. Wegen der coronabedingten Zwangspause – der die Tennisspieler immerhin noch als erste Vereinssportler entfliehen durften – hatte der Verband für die verspätet begonnene Spielzeit Auf- und Abstieg ausgesetzt, die Teilnahme an der Runde basierte auf Freiwilligkeit. „Wir sind froh, dass wir mit Wettkampfcharakter spielen konnten“, sagt Steffen Hillenmeier. „Wir hatten viel Spaß, auch wenn ein Sieg mehr dringewesen wäre.“

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Hillenmeier latent unterfordert

Als reine Spaßveranstaltung betrachteten der Mainzer Kapitän und seine Kollegen die sieben Spieltage freilich nicht. Ungeachtet des Trainingsrückstands und erst recht der fehlenden Matchpraxis kämpfte jeder einzelne der insgesamt sieben eingesetzten Akteure immer um das bestmögliche Resultat. Eine Herangehensweise, die man nicht jedem Kontrahenten bescheinigen konnte. Die Ludwigshafener Vincent Schneider und Daniel Baumann beispielsweise gaben in Mainz in ihren Einzeln ohne ersichtlichen Grund (außer Lustlosigkeit) auf, das Team aus Landau hatte am Sonntag nach – zugegebenermaßen uneinholbarem Rückstand – kein Interesse mehr, auch die Doppel auszuspielen.

Dass keine Mannschaft in dieser Übergangssaison auf ausländische Akteure zurückgriff, die zu den Spieltagen eingeflogen wurden, war nicht anders zu erwarten und schonte die Etats aller Vereine. Ein Umstand, der dazu führte, dass einerseits Hillenmeier an Position vier latent unterfordert war – eine Ausnahme bildete das Match gegen den Bad Emser Denis Gilberg, das er im Matchtiebreak verlor –, andererseits aber die Gegner an den vorderen Positionen übermächtig wirkten.

König in zwei Matchtiebreaks im Pech

Sven König und Promise Iwere gingen sechsmal leer aus, wobei die Nummer eins Pech hatte und zweimal knapp im dritten Durchgang verlor. Neuzugang Iwere, der wegen des Saisonverzichts des Hessenligisten TEVC Kronberg kurzfristig zu den Mainzern gestoßen war haderte mit seinem Trainingsrückstand, der sich vor allem in bei den eigenen Aufschlagsspielen bemerkbar machte – gab sich aber selbst die Schuld daran.

Neben seinem Wirtschaftsingenieurstudium in Koblenz und täglich sechs Stunden, die er nach dem Ende der Corona-Zwangspause wieder als Tennistrainer auf dem Platz stand, habe er zu selten die Motivation gehabt, an den eigenen Fähigkeiten zu arbeiten, räumte der Mann aus Andernach ein. „Ich habe ja auch noch eine Freundin, um die ich mich manchmal kümmern muss…“

Angesichts seiner Bilanz von 1:6-Einzeln habe er ein schlechtes Gewissen den neuen Mannschaftskameraden gegenüber, in deren Kreis er sich sehr wohlgefühlt habe. „An Position zwei in der Oberliga spielt man nicht gegen Luschen. Aber hätte ich vor Saisonbeginn einen Monat lang vernünftig trainiert, wären zwei, drei Siege mehr möglich gewesen.“

„Gut trainiert – aber zu spät“

Zumindest an seiner Fitness hätte er auch während des Vereinssportverbots arbeiten können, sagte der 25-Jährige. Und anschließend hätte es an hochwertigen Trainingspartnern nicht gemangelt. Benjamin Hassan zum Beispiel, im vorigen Jahr unter den Top 300 der Welt, sei einer seiner besten Kumpels. „Mit ihm habe ich vorige Woche auch gut trainiert, aber das war leider ein bisschen spät.“

Iwere („Ich habe zu wenig geleistet und etwas gutzumachen“) kann sich offenbar eine weitere Saison beim TSV Schott vorstellen, gleiches gilt für den zweiten Neuzugang, den vom Frankfurter Verbandsligisten FTC Palmengarten II gekommenen Felipe Damke. Mit König und dem Luxemburger Mats Weber, der vor einem Jahr zum Studium nach Mainz kam und seither für den Oberligisten spielt, plant Hillenmeier ebenfalls, Robert Kovács stünde ebenfalls zur Verfügung.

Gleichwohl wird es im nächsten Jahr, einen regulären Wettkampfbetrieb vorausgesetzt, erforderlich sein, wieder auf Ausländer zurückzugreifen. „Andernfalls wird es kaum möglich sein, die Klasse zu halten“, sagt der Kapitän. „Wir werden in den nächsten Wochen mit dem Vorstand darüber reden, was geplant ist und welcher Etat uns zur Verfügung steht.“

 

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