Oberliga | Guido Steinacker | 09.03.14 Wieder sind die Saulheimer mental klar unterlegen Zum zweiten Mal in dieser Saison überließ Handball-Oberligist SG Saulheim dem Nachbarn und ewigen Rivalen TV Nieder-Olm im Derby die Punkte. Beim 27:33 (15:15) waren die Gäste sichtbar das engagiertere Team und gewannen hochverdient. Das war nix für Kai Reisinger (l.) und seine SG Saulheim: Auch im zweiten Derby gegen den TV Nieder-Olm (r. Timo Borsch) zogen sie den Kürzeren. | Foto: Bernd Eßling Christoph Acker war mit zehn Treffern der einzige gefährliche Schütze im Saulheimer Rückraum | Foto: Bernd Eßling Über weite Phasen des Spiels kam die 6-0-Deckung der Nieder-Olmer, wie hier Tino Stumps, mit den Anläufen der Saulheimer (im Bild Christopher Theuer) gut zurecht. | Foto: Bernd Eßling Saulheim. Da nutzten den Gastgebern ihre neun Ränge und neun Punkte Vorsprung auf den Gegner gar nichts: Ein deutlich schlechter platzierter, aber hoch motivierter TV Nieder-Olm hat der SG Saulheim nach dem Hinspielerfolg im eigenen Haus nun auch im Rückspiel des Handball-Oberligaderbys in der Ritter-Hundt-Halle die Punkte entführt. Lediglich in den letzten zehn Minuten der ersten Halbzeit waren die Saulheimer beim 27:33 (15:15) Dominator im eigenen Haus, belohnt dadurch, dass Torsten Schmitt durch seinen Treffer zum Halbzeitstand pünktlich zum Abpfiff der ersten Hälfte einen zwischenzeitlichen 4:10-Rückstand (13.) wettmachte. Es sollte der einzige Ausgleich der Partie nach dem 3:3 (7.) bleiben. Die SG vermochte den psychologischen Vorteil, den lange führenden Gästen den Vorsprung in letzter Sekunden vor dem Gang in die Kabinen aus den Händen gerissen zu haben, erstaunlicherweise nicht in einen stärker motivierten Auftritt nach dem Seitenwechsel umsetzen. „Die Stimmung in der Kabine war ziemlich angespannt“, berichtete nicht etwa SG-Trainer Markus Herberg, sondern sein Nieder-Olmer Kollege Udo Henß. „Man hätte glauben können, wir liegen fünf Tore hinten.“ Phasenweise genauso hilflos Die Nieder-Olmer hatten durchaus Gründe, sich über ihre Leistung zu ärgern, denn die im kühnen Anfangssturm eroberten sechs Treffer Vorsprung gingen danach im schleichenden Verlust komplett wieder verloren. Dazu kommt, dass die Saulheimer bei ihrem Ausgleichstreffer in Unterzahl waren. Phasenweise wirkten die Nieder-Olmer nach der ersten Viertelstunde vor der 6-0-Deckung der SG genauso hilflos, wie sich die Saulheimer in der Anfangsphase bei ihren Angriffen präsentiert hatten. Der Bruch im Spiel hatte allerdings seine Gründe. Henß und Trainerpartner Michael Rink entschlossen sich trotz des Mitte der ersten Halbzeit leichten Abwärtstrends die beabsichtigten Wechsel zur Kraftschonung durchzuziehen, nahmen sogar Motor Tino Stumps auf die Bank. „Da mussten wir uns in der Halbzeit ganz schön was anhören von der Mannschaft“, sagte Henß. Schwer zu sagen freilich, ob das Durchwechseln sich in der zweiten Halbzeit bezahlt machte oder ob die Kraft bei der Stammsechs der Feldspieler auch so gereicht hätte. Jedenfalls zogen die Nieder-Olmer gleich nach dem Wechsel wieder davon, in der 40. Minute standen wieder fünf Tore Differenz zu Buche (18:23). „Ihr habt von unseren Fehlern profitiert und sie genutzt“, erklärte Markus Herberg dem Kollegen Henß das ganze Geheimnis der zweiten Halbzeit aus seiner Sicht. Zeitspielgefahr bei der Aufholjagd Auf insgesamt 41 Fehlaktionen, davon 25 Fehlwürfe, kamen die Saulheimer Statistiker bei ihrem Team an diesem Abend. Aber viel auffälliger war bei der SG ein gewisses Phlegma bei der Umsetzung der Aufgabe, den Rückstand aufzuholen. Bezeichnend eine Sequenz aus der 51. Minute: Beim Stand von 24:28 nahm Herberg eine Auszeit. Ergebnis der letzten Motivationsansprache: Den folgenden Angriff zogen die Saulheimer bis zum Rande des Zeitspiels durch, ehe Kai Reisinger sich ein Herz nahm und den Ball aus zentraler Position und ohne bedrängt worden zu sein über das Tor pfefferte. Kampf um die letzte Chance sieht irgendwie anders aus. Der SG fehlte schlicht der Antreiber und Motivator in kritischen Situationen. Eigentlich wäre das, solange Benjamin Venter fehlt, vor allem die Rolle der Routiniers Leo Vuletic oder Reisinger, „von den beiden habe ich heute aber leider nichts gesehen“, sagte Herberg. Nur in der Viertelstunde vor der Pause sah er zudem die vorgesehenen Konzepte durch seine Spieler umgesetzt, „und da hat man ja gesehen, dass wir uns dann auch durchsetzen können“. Die Mannschaft sei im Training durchaus heiß gewesen auf das Derby, berichtete Kotrainer Thomas Schaaf. Dass dann beispielsweise Rechtsaußen Schmidt gegen TVN-Torwart Felix Kaltenthaler die frechen Heber versuchte statt wie abgesprochen cool die langen, flachen Aufsetzer reinzuzirkeln, musste der Kotrainer nicht verstehen. Durch drei, vier abgefischte oder abgewehrte Bälle konnte Kaltenthaler in der zweiten Halbzeit somit wie schon im Hinspiel eine wichtige Rolle beim Verteidigen des Vorsprungs spielen. Die Situation früh angenommen Nicht zu vergessen bei der Suche nach den Gründen für die unterschiedlichen Motivationslagen der Teams ist die Tabellensituation, da der TVN auf dem ersten Abstiegsplatz 13 stehend zum Derby anreiste. Henß ist überzeugt, dass seine Spieler die Lage verinnerlicht haben und in jeder Partie genau wissen, worum es geht. „Wir haben uns frühzeitig in der Saison damit beschäftigt, dass wir hinten stehen könnten, andere Mannschaften, die unten stehen, fangen damit jetzt erst an“, erklärt er sich die zwei Erfolge in Serie gegen deutlich besser positionierte Vereine. Alle Artikel von Handball