Kunstradfahren | PHE | 04.12.2016

Im Finale unbezwingbar

Lisa Hattemer und die Brüder André und Benedikt Bugner gewinnen bei den Hallenrad-Weltmeisterschaften in Stuttgart die ersten Titel für Deutschland.
Wer beim Siegerfoto die Blumen ablegen muss, hat's geschafft: Lisa Hattemer (M.) ist Weltmeisterin im 1er-Kunstradfahren. Die Gau-Algesheimerin setzte sich vor Viola Brand (l.) und der Slowakin Nicole Frybortova durch.
Wer beim Siegerfoto die Blumen ablegen muss, hat's geschafft: Lisa Hattemer (M.) ist Weltmeisterin im 1er-Kunstradfahren. Die Gau-Algesheimerin setzte sich vor Viola Brand (l.) und der Slowakin Nicole Frybortova durch. | Joachim Friedsam
Beenden ein schwieriges Jahr mit dem vierten WM-Titel: André und Benedikt Bugner.
Beenden ein schwieriges Jahr mit dem vierten WM-Titel: André und Benedikt Bugner. | Joachim Friedsam

Stuttgart. Sechs Titel sind bei den 80. Hallenrad-Weltmeisterschaften in Stuttgart zu vergeben. Nach zwei Wettkampftagen zeichnet sich ab: Der erfolgreichste Verband ist – der RV Rheinhessen. Lisa Hattemer holte die Goldmedaille im Einer-Kunstradfahren nach Gau-Algesheim, und die Klein-Winternheimer André und Benedikt Bugner siegten zum vierten Mal hintereinander in der Offenen Klasse.

Hattemer setzte sich in der ausverkauften Porsche-Arena in einem äußerst spannenden Finale gegen die zweite deutsche Starterin, Viola Brand (Unterweissach), durch. Die 24 Jahre alte Rheinhessin war als Weltrekordinhaberin und Vorkampfbeste zwar als Favoritin in den Endkampf gegangen, musste hier aber eine Topleistung abrufen, nachdem Brand 178,42 Punkte vorgelegt hatte. In einem Finale, in dem keine Athletin ohne Fehler blieb, siegte Hattemer, weil sie die schwierigste Kür des Abends ebenso konsequent wie elegant über die Zeit brachte. Die neue Weltmeisterin vom RSV Gau-Algesheim kam auf 182,29 Punkte; Bronze ging an die Slowakin Nicole Frybortova durch (168,13).

Wettkampf statt Lustspiel

Ordentlich strecken mussten sich auch die Bugner-Brüder, um den obersten Platz auf dem Treppchen einzunehmen – das hatte eigentlich schon für die gesamte Saison gegolten. „In den letzten drei Jahres war es ein Lustspiel, dieses Mal war's ein Wettkampf“, formulierte Joachim Friedsam, der Pressesprecher des rheinhessischen Verbandes.

In den zurückliegenden Monaten hatten die Klein-Winternheimer einige Schwierigkeiten zu überwinden. Im Frühjahr steckte Benedikt Bugner im Abiturstress und reiste danach zur Belohnung in die USA; André trainierte stattdessen mit seiner Freundin, brach sich aber den Fuß.

Während die Bugners sich dem Saisonhöhepunkt mit erheblichem Trainingsrückstand näherten, holte die Konkurrenz auf. Jahrelang hatte sie in sehr respektvollem Abstand verharrt, nun geschah das, was die unangefochtenen Weltmeister der Jahre 2013 bis 2015 sich immer gewünscht hatten: Nicht nur die nationale Konkurrenz machte Druck, auch die Athleten anderer Nationen kamen näher. Beim Drei-Nationen-Cup, der Generalprobe für die WM, hatten die Bugners ihre erste Niederlage seit Jahren einstecken müssen.

Mit Abstand die beste Kür

Im WM-Finale aber waren sie wieder unbezwingbar. Hatten sie sich im Vorkampf noch eine Reihe von Fehlern geleistet, legten sie in den entscheidenden fünf Minuten die mit Abstand beste Kür aufs Parkett. Mit 161,24 Punkten gelang ihnen die unangefochtene Titelverteidigung vor ihren Landsleuten Max Hanselmann/Serafin Schefold (Öhringen, 145,50) und den Österreichern Schnetzer/Latzer (124,06), die wiederum die Hongkong-Chinesen Ip/Wu ganz knapp auf den vierten Platz verwiesen.

Am Sonntag streben die Finther Schwestern Julia und Nadja Thürmer ihren nächsten Titel im Frauen-2er an. Das von Bundestrainer Dieter Maute ausgegebene Ziel, alle Weltmeister zu stellen, hatte der Bund Deutscher Radfahrer schon am ersten Abend in Stiuttgart verpasst: Im 4er-Kunstfahren musste Titelverteidiger RSV Steinhöring der Schweiz den Vortritt lassen.

 

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