Rheinhessenliga | Guido Steinacker | 31.03.14

Der TV Bodenheim erreicht auch sein zweitliebstes Saisonziel

Eine Woche nachdem der Oberligaaufstieg perfekt war, machte der TV Bodenheim auch die Meisterschaft in der Handball-Rheinhessenliga der Männer klar. Wer beim unmittelbaren Konkurrenten gewinnt, wie der TVB am Sonntag bei Verfolger SG Sauheim II, der hat sich den Titel zweifellos verdient.
Für die SG Bretzenheim (Mitte: Marco Müller) endet die Saison nach den 26:36 beim HC Gonsenheim (v.l. Florian Bieker, Adrian Wolter und Dawid Bernet)  definitiv auf dem letzten Tabellenplatz. Was das für den Klassenverbleib bedeutet , ist noch unklar.
Für die SG Bretzenheim (Mitte: Marco Müller) endet die Saison nach den 26:36 beim HC Gonsenheim (v.l. Florian Bieker, Adrian Wolter und Dawid Bernet) definitiv auf dem letzten Tabellenplatz. Was das für den Klassenverbleib bedeutet , ist noch unklar. | Eva Willwacher
Martin Reuter musste gegen die Bretzenheimer nicht allzu viel korrigieren, ein erfrischend entspannter Abend für den HCG-Trainer.
Martin Reuter musste gegen die Bretzenheimer nicht allzu viel korrigieren, ein erfrischend entspannter Abend für den HCG-Trainer. | Eva Willwacher

Rheinhessen. Beim TV Bodenheim sammeln sie die Erfolge derzeit im Wochentakt ein. Sieben Tage nach der Sicherung des Oberligaaufstiegs hat der Handball-Rheinhessenligist nun auch Gewissheit, am Ende der Runde in zwei Wochen als Meister hochzugehen. Der Titelgewinn war dem TVB ein fast ebenso wichtiges Anliegen wie der Aufstieg, und deshalb war es der Mannschaft auch durchaus recht, ausgerechnet beim einzigen ernsthaften Widersacher in der zu Ende gehenden Runde den Doppelerfolg zu sichern. Nach dem 31:29 (13:10)-Sieg beim Zweiten SG Saulheim II, der zwar hart erkämpft war, aber doch recht sicher eingetütet wurde, war die Party bestens vorbereitet. Mit Aufstiegshemden, schrägen Gesängen und einem Ausflug der gesamten Meute in die Stammlokalität.

Okay, in den meisten Ligen ist es normal, dass ein Aufstieg und der Titelgewinn zusammenkommen. Dass die SG Saulheim II nicht aufstiegsberechtigt bleiben würde, zeichnete sich nach Rundenbeginn früh ab, weil die Oberligamannschaft die leisen Hoffnungen, im Titelrennen mitzumischen, nicht erfüllen konnte. Dennoch arbeiteten Trainer Jürgen Kleinjung und seine Mannen fast besessen an der Idee, der Liga dennoch zu zeigen, dass die Mannschaft zum Spitzenteam der Liga gereift ist. Und war bis vor einer Woche, als die Niederlage bei der TG Osthofen passierte, gut dabei.

SG hielt lange den ersten Platz

Als die Bodenheimer am sechsten Spieltag beim HSV Sobernheim bei einem bis heute nicht restlos erklärbaren Auftritt erstmals Federn ließen, ein paar Wochen später auch bei der HSG Worms nur einen Zähler mitnahmen, da griffen die Saulheimer zu und eroberten für lange Zeit Platz eins – wenn auch nur dank eines mehr absolvierten Spiels, das die Bodenheimer erst am kommenden Wochenende aufholen.

Die Saulheimer hatten nachgerechnet und festgestellt, dass es am Sonntag genau 400 Tage her war, dass ihr Team letztmals eine Heimniederlage kassierte – gegen eben jenen TVB. Ein schönes Jubiläum zum Ausbauen, dachten sich die Saulheimer. Eine runde Sache, die damit aber auch zu Ende gehen darf, könnten die Bodenheimer sich gedacht haben. Besser ins Spiel kamen die Gastgeber (3:1), der TVB glich beim 4:4 erstmals aus. „Der Jürgen Kleinjung wusste genau, was wir spielen und hatte seine Mannschaft gut vorbereitet, wir dagegen waren anfangs zu statisch und in der Deckung zu passiv“, berichtete TVB-Trainer Thorsten Ohloff.

Scheer setzte beim TVB die Akzente

Das dürfte auch mit den Umstellungen zu tun gehabt haben, zu denen Ohloff durch das Fehlen von Max Pauli, Moritz Müller und David Mehrfeld gezwungen war. Vor allem die Akzente, die Max Scheer in Abwehr wie Angriff des TVB zu setzen wusste, brachte die Bodenheimer dann nach und nach deutlich in Vorteil (6:11). Die SG traf hingegen nicht mehr so konsequent wie anfangs.

Die Bodenheimer verteidigten fortan immer mindestens einen Zwei-Tore-Vorsprung, die SG hoffte vergeblich darauf die Gäste durch einen Anschlusstreffer unter Druck zu setzen. Aber die frühzeitige Entscheidung vermochte der neue Meister eben auch nicht herbeizuführen. Ohloff wechselte in der zweiten Halbzeit mehrfach zwischen Stammtorwart Christoph Beickler und Altmeister Thomas Quetsch hin und her, der dann in der Schlussphase die zwei, drei Bälle hielt, auf die der Trainer gesetzt hatte um die Sache sicher abzuschließen.

Vizemeister mit dem Erreichten zufrieden

„Wir waren letztlich das konstanteste Team“, sieht Ohloff den Titelgewinn als gerechten Ausgang der Saison an, zumal die fast makellose Runde durch den nicht gerade kleinen Umbruch vor der Saison nicht so abzusehen war. Die Saulheimer fühlen sich mit ihrer Vizemeisterschaft alles andere als gescheitert. Kleinjung, der mit seinem Team in der Runde zuvor wegen einer zu dünnen Personaldecke lange gegen den Abstieg kämpfte, ist heilfroh, solch einen Leistungssprung vollbracht zu haben. Und vor allem dann, wenn kein Oberligist in die Rheinhessenliga runterkommt, darf die SG II sich schon einmal auf die Favoritenrolle in der neuen Saison einstellen.

In der Halle an Großen Sand wurde derweil der Vergleich des HC Gonsenheim mit dem Schlusslicht SG TSG/DJK Bretzenheim zum Todesstoß für die Gäste, die nach dem 36:26 (18:13) für den HCG endgültig nicht mehr vom letzten Tabellenplatz wegkommen können. Das war angesichts der letzten beiden Aufgaben bei den Topteams SG Saulheim II und TV Bodenheim sowieso nur eine theoretische Diskussion. Aber durch den überraschenden Sieg des Vorletzten HSV Sobernheim am Samstag über den TV Nieder-Olm II (29:28), geriet die Partie für die Bretzenheimer unvermittelt zum Hop- oder Top-Spiel.

Blitzstart der Gastgeber

Das ging für die SG von Beginn an nicht in die richtige Richtung. „Ich war vorher ja etwas skeptisch“, gab HCG-Kotrainer Edgar Antosch zu. Nicht nur, dass den Gastgebern Lukas Kösch und Daniel Gießmann fehlten, auch die Kampfkraft eines Teams, das um seine letzte Chance kämpft, drohte zum Faktor zu werden. Das war nach dem 7:1-Start (6.) schon kein Thema mehr. SG-Trainer  Bernd Lochnit musste nach dieser Anfangssequenz bereits seine erste Auszeit nehmen.

Die Betzenheimer hatten fortan einen gewissen Erfolg, wenn sie im Angriff mit Sperren und Absetzen arbeiteten, wie Antosch zugestand. Sein Team setzte den Bretzenheimern dafür vor allem über die Außen Alexander Schek (9 Tore) und Nikolei Filippi (7) zu, die auch bei schnellen Überlaufangriffen zum Abschluss kamen.

Auch, wenn die SG fortan besser mithielt, der verpennte Spieleinstieg hatte alles kaputtgemacht und war mit den vorhandenen Mitteln nicht zu reparieren. Für den HCG war es noch einmal ein lockerer Erfolg, von denen es in dieser Saison zu wenige gab. Mit etwas Glück geht es für die Gonsenheimer noch einen Platz höher auf die siebte Position von GW Büdesheim. Die bester aller Saisons wird es aber wahrlich nicht mehr.

Für die SG Bretzenheim ist, wie berichtet, mit dem letzten Platz noch nicht alles vorbei. Jetzt heißt es hoffen, dass kein Zugang aus der Oberliga in die Rheinhessenliga kommt und sich die Tabellenlage in der nächst tieferen Liga nicht mehr ändert. Dann hat die SG Bretzenheim die Aufstiegsrelegation gegen den Verbandsligadritten HSC Ingelheim erreicht, da der kommende Verbandsliga-Vizemeister SG Saulheim III nicht in die Liga hochgehen darf.

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