Dritte Liga | Peter H. Eisenhuth | 26.11.16 Selbstbewusstes Schlusslicht Die U23 des FSV Mainz 05 will am Sonntag auch gegen Zweitligaabsteiger FSV Frankfurt ihre Wettbewerbsfähigkeit beweisen - und etwas für die „Mission 2017“ tun. Selbstbewusst geht die Mainzer U23 ins Spiel gegen den FSV Frankfurt. | Eva Willwacher Mainz. Vor sechseinhalb Jahren am Bruchweg: Die 05-Amateure (so nannte man sie damals noch) schwebten in der Regionalliga in größter Abstiegsgefahr, als Peter Neustädter vier Spieltage vor Schluss zugab, ratlos zu sein. Der Verein reagierte prompt und stellte den Trainer, der nach der Saison ohnehin durch Martin Schmidt ersetzt werden sollte, frei. Es übernahm Roland Vrabec, bis dahin für die A-Junioren zuständig. Und er führte die Mannschaft mit sieben Punkten aus den restlichen Partien zum Klassenverbleib, den die Mainzer am letzten Spieltag mit einem 0:0 in Essen sicherten. Das war im Frühjahr 2010. Im Herbst 2016 droht der U23 des FSV Mainz 05 erneut der Abstieg. Mit zehn Punkten aus fünfzehn Spielen nimmt das Team den letzten Tabellenplatz in der Dritten Liga ein, liegt sieben Zähler hinter den sicheren Rängen zurück. Und wieder taucht Roland Vrabec auf. Diesmal aber nicht als Helfer, sondern als einer, dessen Aufgabe es mit sich bringt, die Lage der Mainzer eher zu verschlechtern – als Trainer des FSV Frankfurt, der am Sonntagnachmittag in Mainz gastiert (Anstoß: 14 Uhr). Keine bestimmte Punktzahl festgelegt Vergleichbar ist die Lage der Gastgeber mit der von damals allerdings nur bedingt. Zum einen ist jetzt noch nicht einmal die Hälfte der Saison absolviert, zum anderen ist Sandro Schwarz weit davon entfernt, einen ratlosen Eindruck zu erwecken. Der 05-Trainer hat einen Plan sowohl für die anstehende Begegnung als auch für die kommenden Wochen und Monate. Dabei betrachtet er die verbleibenden vier Hinrundenspiele – es geht noch nach Aalen, zu Hause gegen die Sportfreunde Lotte und zu Fortuna Köln – als Block. Jedoch nicht dergestalt, dass er und seine Mannschaft sich eine bestimmte Anzahl an Punkten zum Ziel gesetzt hätten. „Wir wollen die Voraussetzungen für eine Mission 2017 schaffen“, sagt Schwarz. Das mag nicht besonders konkret klingen und wird ohne den ein oder anderen Punkt vor Weihnachten nicht einfacher. Was der Trainer aber meint, sind Auftritte, mit denen seine Mannschaft ihre Wettbewerbsfähigkeit unterstreicht, von der er vollkommen überzeugt sei. Die jüngste Auswärtspartie gegen den Halleschen FC beispielsweise fiel trotz der 0:2-Niederlage in diese Kategorie. Ein unglückliches Tor kassiert (im Liegen), eine Rote Karte gesehen (Benjamin Trümner, der für zwei Spiele gesperrt ist, und dennoch die dominierende Mannschaft gewesen; der zweite Gegentreffer fiel in der Schlussminute und damit nicht mehr ins Gewicht. Bornheimer seit neun Spielen ungeschlagen Solche Spiele zeigten, dass seine U23 sich grundsätzlich mit sehr vielen anderen Drittligisten auf Augenhöhe bewege, sagt Schwarz. „Wir wissen, dass wir viele Dinge besser machen als andere – aber wir wissen auch, dass wir Defizite haben.“ Zu oft fange das Team noch Gegentore aus dem Nichts, die es zu verhindern gelte. Und auf der anderen Seite des Spielfeldes bedarf es einer etwas höheren Effektivität. Wenn Sandro Schwarz seine Eindrücke schildert, die er bei der Videoanalyse der jüngsten vier Spiele des FSV Frankfurt gewonnen hat, drängt sich durchaus die Frage auf, wie die Mainzer diesen Gegner schlagen wollen. Nach einem völlig verpatzten Saisoneinstieg mit längerem Aufenthalt in der Abstiegszone haben sich die aus der Zweiten Liga gekommenen Bornheimer inzwischen auf den achten Tabellenplatz vorgearbeitet; seit neun Spielen ungeschlagen, haben sie jetzt 22 Punkte. Nicht ins Bild passt die 0:5-Niederlage unter der Woche im Hessenpokal beim Regionalligisten FSV Steinbach; allerdings stand da eine B-Elf auf dem Platz (was den Ärger der Verantwortlichen nur unwesentlich minderte). Kein Wende-Spiel Sehr spielstark, sehr, sehr stabil, mit sehr guten Fußballern in der oft praktizierten Mittelfeldraute, mit dem zweitbesten Angriff der Liga (für den als Backup der ehemalige 05-Profi Ranisav Jovanovic zur Verfügung steht) und dem besten Torverhältnis – Schwarz‘ Zusammenfassung klingt wenig aufmunternd. Doch der 05-Trainer weiß, wie dem Gegner beizukommen sein kann. „Wir müssen die Zuliefererdienste abklemmen“, sagt er, sprich: die Passgeber so sehr unter Druck setzen, dass sie die Bälle nicht auf ihre Stürmer spielen können. Das könnte zumindest schon mal die Basis für einen Punkt sein. Vom Gewinnenmüssen redet Schwarz nicht. „Wir werden dieses Spiel nicht zum Wende-Spiel ausrufen“, sagt er. „Wir sind in der Außenseiterrolle, aber wir nehmen sie selbstbewusst an.“ Alle Artikel von Fußball (Amateure)