Oberliga | Peter H. Eisenhuth | 09.07.2019

Die entscheidende Rechnung geht auf

Beim 12:9 gegen den TC BW Bad Ems läuft für Tennis-Oberligist TSV Schott Mainz in den Einzeln nicht alles nach Plan. Nach den Doppeln hebt Kapitän Steffen Hillenmeier besonders seinen Schweizer Mannschaftskollegen Nico Baerlocher hervor.
Mit dem Ergebnis war Schott-Kapitän Steffen Hillenmeier zufrieden, den Spieltagsverlauf hatte er sich allerdings anders vorgestellt.
Mit dem Ergebnis war Schott-Kapitän Steffen Hillenmeier zufrieden, den Spieltagsverlauf hatte er sich allerdings anders vorgestellt. | Archiv/Eßling

Mainz. Das größte Lob heimste am Ende Nico Baerlocher ein. Dem Schweizer nämlich war ein wesentlicher Part beim Heimsieg des TSV Schott Mainz gegen den TC Blau-Weiß Bad Ems zugekommen. Nicht zuletzt sein Nebenmann Grzegorz Panfil hob den Anteil des 19-Jährigen im entscheidenden Doppel hervor. „Dass die beiden ihre Gegner so beherrschten, hätte ich niemals gedacht“, kommentierte Steffen Hillenmeier das 6:4, 6:2 gegen Julien Obry/Christof Brenner. Weil dem aber so war, setzten sich die Gastgeber mit 12:9 durch.

Unterm Strich waren die Mainzer damit zufrieden, auch wenn der Verlauf des fünften Saisonspiels nicht ganz mit ihrer Kalkulation übereinstimmte. Nicht, weil es wegen der ausgiebigen Regenfälle am Morgen erst mit deutlicher Verspätung losgehen konnte, sondern weil sie von einer Führung nach den Einzeln ausgegangen waren. „Ein 6:6 hatte ich nicht erwartet“, räumte der Kapitän ein, „ich war der Meinung, dass wir eher fünf Einzel gewinnen würden.“ Siege von Baerlocher und Mats Weber hätten auf seiner Rechnung gestanden.

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Panfil außer Form

Doch der an Position sechs spielende Schweizer musste sich Brenner mit 5:7, 6:4, 8:10 geschlagen geben. Und Mats Weber scheiterte beim 3:6, 2:6 gegen Dennis Gilberg an seiner eigenen Ungeduld. Der Luxemburger sei viel zu früh auf die Punkte gegangen und habe dabei schnelle Fehler gemacht. „Gilberg hat clever und unangenehm gespielt, dagegen hätte Mats sich vielleicht etwas passiver verhalten, den Ball sicher im Feld halten und die Punkte vernünftig aufbauen müssen“, analysierte Hillenmeier.

Bei Spitzenspieler Panfil lagen die Dinge etwas anders. Eine Niederlage gegen Julien Obry hatte Hillenmeier im Bereich des Möglichen verortet – nicht aber, dass es ein 1:6, 1:6 wurde. „Grzegorz hat sich nicht mit Ruhm bekleckert“, sagte der Kapitän, „so schnell und einfach hätte sein Match nicht weggehen dürfen.“ Es war nicht das erste Mal in dieser Saison, dass der Pole deutlich unter den Erwartungen blieb, was Hillenmeier mit dessen beruflicher Veränderung erklärt.

Panfil spielt inzwischen keine Turniere mehr, sondern arbeitet als Tennislehrer. „Er steht jeden Tag von morgens bis abends auf dem Platz, um Unterricht zu geben, er kommt kaum noch dazu, selbst zu trainieren. Und wenn er dann am Wochenende nach Mainz reist“ – üblicherweise hatte er dafür das Auto gewählt, diesmal einen Flug – „ist er nicht optimal vorbereitet.“

Sikora gelingt ein 10:0

Ein anderes Gesicht zeigte Adrian Sikora an Position zwei: Der Slovake kämpfte sich gegen Predrag Rusevski nach mit 5:7 verlorenem ersten Satz ins Match, holte sich den zweiten Durchgang mit 6:4 und gewann den Matchtiebreak mit einem selten gesehenen 10:0. Dass seinem Kontrahenten gegen Ende einige Fehler unterliefen, kam ihm entgegen – „aber den Durchgang zu gewinnen, ohne einen einzigen Punkt abzugeben, ist trotzdem heftig“, sagte Hillenmeier.

Bei Sven Königs 6:3, 6:4 gegen Yannick Floer nahmen beide Sätze einen ähnlichen Verlauf. Beide Mal lag der Mainzer klar in Führung, beide Male kam der Bad Emser etwas heran, beide Male ließ der stark aufspielende König nichts anbrennen und machte den Sack zu. Steffen Hillenmeier selbst folgte seiner eigenen Maxime, wonach er an Position vier in der Oberliga eigentlich kein Einzel (außer in Ludwigshafen) verlieren sollte, und setzte sich gegen Philipp Schehadat glatt mit 6:0, 6:2 durch.

Die Überlegung vor den Doppeln, ob man drei nominell gleich starke Paare aufstellen und gezielt auf zwei Duos setzen soll, entschieden die Schottler – wie auch die Gäste – mit der 7er-Variante, die es offenlässt, in welcher Reihenfolge die Doppel gemeldet werden. Da die Bad Emser auch in dieser Beziehung offenbar ähnliche Gedanken angestellt hatten, ergab sich die Konstellation, dass alle Akteure ihre Einzelgegner wiedersahen. Woraus Hillenmeier folgerte, dass die Entscheidung im dritten Doppel zwischen Panfil/Baerlocher und Obry/Brenner fallen müsste.

Baerlocher zieht Panfil mit

„Vorne hatte ich nie das Gefühl, dass wir verlieren können“, sagte er nach seinem Zweisatzsieg mit König gegen Floer/Schehadat. Dahinter unterlagen Sikora/Weber erwartungsgemäß Rusevski/Gilberg, allerdings bei Weitem nicht so glatt wie befürchtet und wie es der erste Satz (1:6) andeutete. „Dass sie sich den zweiten Satz geholt und den Champions-Tiebreak erzwungen haben, war schon erstaunlich“, sagte Hillenmeier.

Dass der letzte Durchgang mit 1:10 wegging, spielte fürs Mannschaftsresultat keine Rolle mehr – zu diesem Zeitpunkt standen bereits zwölf Matchpunkte auf der Mainzer Habenseite. Denn Baerlocher bestätigte den Eindruck, den er bei seinem ersten Oberligaeinsatz an der Seite seines Kapitäns hinterlassen hatte, spielte erneut ganz stark auf und zog Panfil mit.

Den zweiten Tabellenplatz, den die Schottler nach der Niederlage in Ludwigshafen eine Woche zuvor verloren hatten, haben sie mit dem vierten Saisonerfolg zurückerobert. Ob sie ihn verteidigen können, wird maßgeblich vom Ausgang der nächsten Aufgabe abhängen – am Sonntag kommt der TC Gensingen an die Erzberger Straße.

 

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