Oberliga | Peter H. Eisenhuth | 18.07.26 Hier eine Schneise der Verwüstung, dort ein Pfad der Misere Was vor der Oberligasaison zu erwarten war, ist eingetreten: Die gerade erst wieder zusammengeführten Wege der beiden Mainzer Vereine trennen sich. Der TSV Schott beendet die Runde unter anderem dank eines ungeschlagenen Elias Peter auf dem dritten Rang, der TSC muss als Tabellenletzter zurück in die Verbandsliga. Levy Müller und der TSC Mainz beendeten ihre frustrierende Saison mit einer 0:6-Derbyniederlage. | Bernd Eßling Mainz. Der drohende Abstieg der Damenmannschaft aus der Oberliga hat den TSC Mainz kalt erwischt. Hingegen hatte sich früh abgezeichnet, dass die Herren auf direktem Weg in die Verbandsliga zurückgeschickt werden. Ohne Daniel Kirchner fehlte ihnen ihr bester einheimischer Spieler, ob es mit ihm für den Klassenverbleib gereicht hätte, bleibt Spekulation. Fakt ist: Mit dem Kader, den die Männer vom Ebersheimer Weg aufboten, waren sie nicht konkurrenzfähig – schon gar nicht, wenn just in der als Schlüsselspiel apostrophierten Begegnung beim TC Mutterstadt in Levy Müller und Mats Weber zwei Stammkräfte fehlen. Andernfalls hätte sich zumindest diese 3:6-Niederlage, das knappste Resultat des Tabellenletzten, vielleicht abwenden lassen. TSC verliert Derby mit 0:6 Den Pfad der Misere, auf dem sie sich an den ersten fünf Spieltagen bewegt hatten, gingen sie am abschließenden Wochenende konsequent zu Ende. Angesichts des feststehenden Abstiegs verzichteten sie, wie von Trainer Babak Momeni angekündigt, auf den Einsatz ihrer spanischen Kollegen Guillem Campos Perez und Oscar Mesquida Berg. Stattdessen rückten als Oberligadebütanten der 13-Jährige Luis Herding und Jan-Erik Noll nach. Die absehbaren Folgen: Ein 0:9 beim TC Rotenbühl und ein 0:6 im Stadtderby. „Dazu muss man weiter nichts sagen“, kommentierte Jörg Daum, der Trainer des TSV Schott, den Ausgang des lokalen Duells, das eine für sein auf dem dritten Rang gelandetes Team „vom Gesamtergebnis her perfekte Saison“ abrundete. An dieser Einschätzung änderte auch die tags zuvor gegen den TC Homburg erlittene 3:6 Niederlage nichts; die Saarländer wollten auf dem Weg zur Meisterschaft kein Risiko eingehen und waren in starker Besetzung angereist. Hamacher rundet seine Saison ab Gleichwohl hätte es nach den Einzeln unentschieden stehen können, dass Sven König gegen Noel Hartzheim mit 6:7, 0:6 unterlag, musste man nicht auf der Rechnung haben. Als Hartzheim in den Jahren 2022 und 2023 für die Schottler spielte, stand er hinter König und kam hauptsächlich in den Doppeln zum Einsatz. „Damals ist er aber mehr Radgefahren, als dass er Tennis gespielt hat“, erinnerte Daum an die beachtliche Wadengröße des Saarländers. Hinzu kam jetzt, dass König, der sich in der Frankfurter Uniklinik in der Weiterbildung zum Neurochirurgen befindet, beruflich stark eingespannt ist. „Von außen merkt man ihm das nicht an, aber es macht viel aus, wenn man vom Kopf her nicht voll da sein kann und zwei, drei Prozent fehlen“, sagte der Trainer. Für die beiden gewonnenen Einzel des TSV sorgten Elias Peter und Lukas Hamacher. Letzterer rang Max Amling mit 7:5, 1:6, 10:7 nieder und rundete damit eine Saison ab, mit der er hochzufrieden sein kann; inklusive seiner Verbandsligaeinsätze schloss der Hamacher die Runde mit einer Bilanz von 7:2 ab. „An drei und vier ungeschlagen zu bleiben, musst du erst mal hinbekommen“ Besser steht nur einer da: Elias Peter, der eine Schneise der Verwüstung durch die Medenrunde geschlagen hat. Das 6:3, 6:1 gegen Henrik Albrecht war im siebten Oberligaspiel sein siebter Sieg, hinzu kam das Verbandsliga-Spitzeneinzel gegen den BASF TC Ludwigshafen 2, in dem er den Rheinland-Pfalz-Meister Alexander Haage in drei Durchgängen niederrang. „An den Positionen drei und vier ungeschlagen zu bleiben, musst du erst mal hinbekommen“, hielt Jörg Daum anerkennend fest. Gegen Albrecht habe Peter noch einmal unfassbar gut gespielt, top serviert und die Ballwechsel mit seiner Vorhand dominiert. „Sein Gegner ist durchgedreht.“ Apropos Haage: Gegen den hatte Steffen Hillenmeier das Finale der Landesmeisterschaften im Matchtiebreak verloren, „und danach hat er sich in eine Abwärtsspirale gespielt, aus der er nicht mehr herausgefunden hat“, bedauert der Trainer. Erarbeitete Struktur erhalten Mit negativer Bilanz (3:4) aus einer Saison zu gehen, ist unüblich für Hillenmeier. „Aber er hat diesmal zwar alle Spiele gewonnen, die er gewinnen musste, allerdings leider keins darüber hinaus. Ihm und Sven hätte ich den einen oder anderen Sieg mehr gewünscht.“ Als „unglücklich“ beurteilt Daum die am ersten Spieltag entstandene Situation: Für die Begegnung beim TC Rotenbühl stand lediglich ein Ausländer zur Verfügung, und durch die 3:6-Niederlage entstand später der Druck, in Neunkirchen auf drei externe Akteure zurückgreifen zu müssen, um nicht zu riskieren, in Abstiegsgefahr zu geraten. „Wir wollen die Struktur erhalten, die wir uns jetzt mit einer Ober- und einer Verbandsligamannschaft erarbeitet haben“, erläutert der Daum in seiner Funktion als Sportlicher Leiter. „Im Abstiegsfall hätten wir das Team wahrscheinlich nicht zusammenhalten können, und perspektivisch wollen wir Talenten wie Tom Meinert die Möglichkeit geben, in der Oberliga zu spielen.“ Kader soll zusammenbleiben Gerne würde Daum den kompletten Kader zusammenhalten, inklusive aller ausländischen Verstärkungen. Das gilt auch für Neil Saxer, den jungen Schweizer, der seine erste Saison außerhalb seiner Heimat absolviert hat, für den die beiden vorderen Positionen mitunter noch zu hoch waren, der aber zwei seiner drei Einzel gewann. „Neil kann das gut einschätzen, er wird sich noch steigern und er ist trotz seiner erst 18 Jahre schon sehr reif“, sagt der Trainer. „Und er passt super ins Team.“ Von Cyril Vandermeersch, der Nummer eins, war das bereits aus den vergangenen Spielzeiten bekannt. Der 27 Jahre alte Franzose strebt zwar noch immer danach, in der Weltrangliste zu klettern, in der er momentan an 410. Stelle liegt. „Sein Traum ist es, sich für ein Grand-Slam-Turnier zu qualifizieren“, erzählt Daum. „Aber wir würden uns freuen, ihn nächste Saison wiederzusehen.“ Geheimwaffen funktionieren immer noch Und dann sind da noch die Altmeister, „unsere Geheimwaffen“, wie Jörg Daum sagt. Die 38-jährigen Marco Bella, der zuletzt erstmals gar in der Verbandsliga ausgeholfen hatte, und Adrian Sikora. „Die beiden können wir immer noch bringen, sie rücken halt mit der Zeit weiter nach hinten.“ Der Slowake zum Beispiel, einst die Nummer 275 im ATP-Ranking, der eine Tennisschule im schweizerischen Winterthur betreibt, begann beim TSV Schott zu Regionalligazeiten an zweiter Position. „Jetzt spielt er in der Oberliga an drei“, sagt Daum, „da haben wir noch ein paar Jahre Platz.“ Der Spieler der Saison des TSV Schott: Elias Peter, der alle seine Einzel gewann. | Bernd Eßling Anzeige Oberliga Alt, aber gut: Adrian Sikora soll auch im nächsten Jahr für den TSV Schott spielen. | Bernd Eßling Anzeige Alle Artikel von Tennis