red | 09.12.16 Menschenrechte kennen keine Grenzen Mainzer Prominente schnüren am Samstag die Fußballschuhe, um ein Zeichen für Respekt und kulturelle Offenheit zu setzen. Mainz. „Ich habe hier viele Freunde gefunden“, sagt Chady, der 21-jährige Geflüchtete aus Damaskus in Syrien. Er kam – ganz auf sich alleine gestellt – im Juli 2015 in Mainz an. Schnell erfuhr er, dass sich beim „FC Ente Bagdad“ Spieler jeder Kultur, Glaubensrichtung und vieler Sprachen regelmäßig zum Training treffen. Schon nach wenigen Wochen war Chady regelmäßiger und gern gesehener Teilnehmer der bunten Kickertruppe, die sich jeden Samstag in lockerer Runde trifft. So fand er auch ohne große Sprachkenntnisse sofort Anschluss – auf dem Fußballplatz ist jeder gleich, und die Verständigung kommt irgendwie von ganz allein. Toleranz, Respekt und das Miteinander wird bei den „Enten“ auch außerhalb des Platzes gelebt. Heute, nach mehr als einem Jahr, kann Chady schon recht gut Deutsch, engagiert sich als Kotrainer der integrativen Jugendmannschaft von Vitesse Mayence und ist sofort dabei, wenn es darum geht, bei Umzügen anderer Geflüchteter Kisten und Möbel zu schleppen. „Die Regelmäßigkeit des Trainings war für mich ganz wichtig. So hatte ich einen festen Termin, auf den ich mich freuen konnte. Ich habe bei Ente Bagdad viele Freunde gefunden, mit denen ich auch neben dem Fußballplatz viel Zeit verbringe. Alle waren sehr freundlich. Mainz ist mein neues Zuhause geworden“, sagt Chady. Bei Vorwärts Orient sind viele Sprachen zu Hause Auch David Amri, ein 30-jähriger Geflüchteter aus Afghanistan, kam vor etwa eineinhalb Jahren mit seiner Familie in Mainz an. Durch die ersten Kontakte in der Flüchtlingsunterkunft „Alte Ziegelei“ hörte er schnell von „Vorwärts Orient“, kam zusammen mit anderen Geflüchteten zum Training und fühlte sich sofort angenommen. Sich fußballerisch zu behaupten, fiel ihm nicht besonders schwer, hatte er doch schon in seinem Heimatland sehr häufig gegen den Ball getreten. Kontakt zu den Mitspielern fand er auch ziemlich schnell, denn bei Vorwärts Orient sind im Prinzip viele Sprachen zu Hause. „Dennoch ist es uns wichtig, dass die Spieler auf dem Platz und außerhalb des Feldes auch viel Deutsch sprechen“, sagt Behrouz Asadi von Vorwärts Orient. Heute kann sich David in vielen Situationen auf und neben dem Fußballplatz sehr gut in deutscher Sprache verständigen. Dazu hat auch beigetragen, dass er in der „dritten Halbzeit“ nach den Fußballspielen mit den Sportfreunden aus vielen Nationen außer über Fußball auch über ganz viele alltägliche Dinge diskutiert. Toleranz ist Bestandteil der Mainzer Lebensart „Genau darum geht es uns bei dem Fußballspiel mit Prominenten und Migranten aus Mainz am Tag der Menschenrechte: Wir wollen alle zusammen ein Zeichen setzen und zeigen, dass Toleranz, Respekt und kulturelle Offenheit ein wesentlicher Bestandteil der Mainzer Lebensart sind. Wir freuen uns besonders, dass wir in den letzten Wochen sehr viel positive Resonanz von DFB, Mainz 05, Politikern, Unternehmern, Künstlern und Medienvertretern auf unsere Idee des gemischten Prominentenfußballspiels unter dem Motto ‚Menschenrechte kennen keine Grenzen‘ bekommen haben“, sagt Uli Rüther von FC Ente Bagdad, einer der Organisatoren der Veranstaltung. Angeführt wird das Mainzer Prominententeam von dem aus Offenbach stammenden Ex-Profi Jimmy Hartwig, der heute als Integrationsbeauftragter des DFB tätig ist. Er wird die taktischen Anweisungen unter anderem für Bürgermeister Günter Beck, den Kabarettisten Lars Reichow, IHK-Chef Dr. Engelbert Günster und weitere Vertreter von Industrie und Parteien, ZDF und SWR-Moderatoren sowie einige ehemalige 05-Fußballer geben. Das Team wird durch einige Geflüchtete aus den Reihen von Vorwärts Orient ergänzt. Die Moderation übernimmt 05-Stadionsprecher Klaus Hafner, der auch Fußballschuhe von Niko Bungert versteigert. Alle Mainzer Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen, die Teams anzufeuern und mit ihnen zusammen zum Tag der Menschenrechte ein Zeichen für Respekt und kulturelle Offenheit zu setzen. Beginn der Veranstaltung ist um 16 Uhr in der Bretzenheimer „Enten-Arena“, dem Sportplatz des SV Bretzenheim 12 in der Ulrichstraße 38. FC Ente Bagdad/Vorwärts Orient sowie Glühweinausschank, Würstchenstand und Spendenkasse freuen sich auf viele Gäste. Alle Artikel von Fußball (Amateure)