Bundesliga | Peter H. Eisenhuth | 09.08.14

„Lieber mal den langen Schlag“

Der Ex-05er Christian Mathenia über seinen Aufstieg zum Zweitligatorwart bei Darmstadt 98.
In den Aufstiegsspielen zur Dritten Liga stand Christian Mathenia zwar nicht mehr im Kader der Mainzer U23. Seiner Freude über den Erfolg tat das aber kaum Abbruch.
In den Aufstiegsspielen zur Dritten Liga stand Christian Mathenia zwar nicht mehr im Kader der Mainzer U23. Seiner Freude über den Erfolg tat das aber kaum Abbruch. | Eva Willwacher

Darmstadt. Acht Jahre lang stand Christian Mathenia beim FSV Mainz 05 im Tor, in der Jugend und bei den Amateuren. Nach 51 Regionalligaspielen wechselte der 22-Jährigen im Sommer zum Zweitligaaufsteiger SV Darmstadt 98 und absolviert dort am vorigen Wochenende sein erstes Meisterschaftsspiel als Profi.

Mathenia wohnt inzwischen in Breuberg im Odenwald („Hier habe ich Ruhe. Und wenn ich im Garten liege, gucke ich auf die Burg“), hat den Kontakt zu seinem alten Klub aber nicht abreißen lassen. Mit SPORTAUSMAINZ.de sprach er über sein neues Team und die bis vor kurzem kuriose Konkurrenzsituation am Böllenfalltor.

Hallo, Herr Mathenia, wie fühlen Sie sich nach Ihrem ersten Zweitligaspiel?

Sehr gut, sehr, sehr gut. Das ging ja viel schneller als gedacht. Von der vierten Liga zum ersten Spiel in der Zweiten Liga war es jetzt schon ein rasanter Aufstieg.

Ihr Trainer hatte in der Vorbereitung gesagt, die Torwartfrage sei offen. Dieser Satz ist auch in Mainz oft gefallen, aber meistens war es nur ein Spruch – in Darmstadt war es tatsächlich so?

Ich habe immer daran geglaubt, dass ich eine echte Chance habe, am ersten Spieltag Nummer eins zu sein. Aber wir haben nicht weiter darüber geredet. Was ich tun konnte, war, im Training eine Leistung zu bringen. Und ich habe es ja auch geschafft.

Bei Ihrem Vertragsabschluss in Darmstadt waren die 98er noch Drittligist und Sie deren einziger Torwart für die neue Saison. War damals schon absehbar, dass Sie plötzlich mit Christian Wetklo konkurrieren würden?

Nee, das war damals noch nicht klar. Aber als Wetti in Darmstadt ein Thema wurde…

…hat Sie das frustriert, weil ein gestandener Erstligatorwart die besseren Karten haben würde?

Im Gegenteil. Ich habe gemerkt, dass mich das motiviert.

War Ihnen diese Konstellation lieber, als einen Mann vor die Nase gesetzt zu bekommen, den Sie nicht kennen?

Das war schon eine komische Situation. Ich kenne Wetti seit acht Jahren, wir haben und immer gut verstanden, es gab nie Probleme. Aber auf einmal war es anders – wir waren jetzt Konkurrenten. Und ich wollte ihm zeigen, dass ich Zweite Liga spielen will. Und dass ich es kann.

Wetklos Ausstieg kam für die Öffentlichkeit völlig überraschend. Intern auch?

Auf dieses Thema haben mich schon viele Leute angesprochen, aber eigentlich kann ich dazu nicht viel sagen. Ich weiß nicht, was hinter verschlossenen Türen zwischen Wetti und dem Trainer oder Wetti und dem Verein beredet worden ist.

Wenn man von Mainz 05 zu Darmstadt 98 wechselt: Ist das, als käme man aus einer Wohlfühloase ins Dschungelcamp?

(lacht) Die Unterschiede sind schon sehr groß, dessen muss man sich bewusst sein, wenn man aus Mainz hierher wechselt. Mir war das bewusst, als ich meinen Vertrag unterschrieben habe. Und ich bin erst 22 Jahre alt, ich kann damit umgehen, dass sich die Infrastruktur schon stark unterscheidet. Kabinen, Duschen, Physioräume – das ist hier alles etwas altmodisch. Aber, wie gesagt, es stört mich nicht.

Wie erleben Sie das Umfeld der 98er?

Die Euphorie ist sehr groß, das merkt man nicht nur an der super Stimmung im Stadion. Unser 1:0 gegen den SV Sandhausen am vorigen Wochenende war ein enorm wichtiger und bedeutender Tag für Darmstadt. Das spürt man auch, wenn man durch die Stadt geht. Ich glaube aber, dass die Darmstädter Fans realistisch genug sind, um auf dem Boden zu bleiben.

Die Darmstädter haben sich in der Relegation eher überraschend gegen Arminia Bielefeld durchgesetzt und gelten in der Zweiten Liga als heißer Abstiegskandidat. Was hat die Mannschaft dem entgegenzusetzen?

Unsere große Stäke ist unser Zusammenhalt. Ich habe selten Teams mit einem engeren Mannschaftsgefüge erlebt. Das kann uns auch in der Zweiten Liga auszeichnen. Wir wissen, dass es Phasen geben wird, in denen wir ein paar Spiele nicht erfolgreich sind – aber dann wissen wir, dass wir eine Einheit sind, das kann uns wieder aus dem Loch herausholen.

Ist der Sprung von der Regionalliga in die Zweite Liga mit großen Umstellungen verbunden?

Das Spiel in der Zweiten Liga ist viel körperbetonter. Gegen Sandhausen gab es Situationen, in denen ich im Fünfmeterraum hart angegangen wurde – das wäre in der Regionalliga abgepfiffen worden, hier lief das Spiel weiter. Darauf muss ich mich einstellen.

Müssen Sie auch Ihr Torwartspiel an sich ändern?

Ganz klar. Ich darf zwar schon ziemlich viel spielen, aber ich muss sehr verantwortungsbewusst mit dem Ball umgehen. Fehler werden hier direkt bestraft. Und das sehen dann auch noch Zigtausende…

Also lieber mal den langen Schlag als den gepflegten Pass an die Außenlinie?

Genau.

Dimo Wache ist Torwarttrainer der 98er. Wie oft arbeiten Sie mit ihm?

Gezieltes Torwarttraining haben wir jeden Tag, donnerstags gehen wir eine Stunde vor der Mannschaft auf den Platz, um eine Technikeinheit einzulegen. Dimo ist ein sehr guter Torwarttrainer, er geht auch immer explizit auf Dinge ein, die er sieht und an denen wir besonders arbeiten müssen. Von ihm kann ich viel lernen.

Der Verein hat inzwischen Patrick Platins als Ersatz für Christian Wetklo verpflichtet. Platins ist 31 Jahre alt und hat bereits für Arminia Bielefeld in der Zweiten Liga gespielt. Sehen Sie sich dennoch im Vorteil?

Mein Vorteil ist sicher, dass ich seit Beginn der Vorbereitung dabei bin und auch vorige Woche gespielt habe. Aber davon kann ich mir auf Dauer nichts kaufen. Wenn ich spielen will, muss ich jede Woche, jeden Tag auf dem Trainingsplatz Gas geben und besser sein als mein Kollege. Und in den Spielen muss ich die Leistung bestätigen.

Sie waren am Mittwoch beim 3:4 der Mainzer U23 gegen den MSV Duisburg am Bruchweg. Welchen Eindruck hatten Sie von Ihrem alten Team?

Ich glaube, es wird eine Weile dauern, bis sich die Mannschaft mit den vielen Neuzugängen findet und an die Dritte Liga gewöhnt. Man hat ja auch bei uns vor zwei Jahren in der Regionalliga gesehen, dass so ein Umbruch seine Zeit braucht. Aber Fußball spielen können sie, das hat man gesehen. Und wenn auch die Neuen die nötige körperliche Fitness haben, wird die Mannschaft spätestens in der Rückrunde aufblühen. Absteigen werden die Mainzer jedenfalls nicht, da bin ich mir sicher.

Und wie fühlen S i e sich vor Ihrem zweiten Zweitligaspiel?

Wir sind am Sonntag in Ingolstadt. Das wird ein ganz anderes Brett als vorige Woche Sandhausen. Falls ich spielen sollte, werde ich sicher einiges mehr aufs Tor bekommen. Aber ich freue mich darauf.

Das Gespräch führte Peter H. Eisenhuth.

 

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