Zweite Bundesliga Damen | Guido Steinacker | 15.03.14 Konkurrenten ziehen an 05ern vorbei: Abstiegsplatz ist erreicht Durch eine schwache Angriffsleistung verbaute sich Handball-Zweitligist FSV Mainz 05 im Heimspiel gegen den bisherigen Drittletzten SGH Rosengarten-Buchholz die Chance, sich von den Abstiegspläten abzusetzen. Mehr noch: Weil auch der Viertletzte SV Allensbach überraschend den aufstiegsambitionierten BVB Dortmund abkochte, finden die 05er sich nun auf dem Abstiegsplatz 13 wieder. Julia Löbich (r.) versucht sich auf der Außenposition gegen ihre Ex-Mannschaftskameradin Nicole Steinfurth duchzusetzen. Löbich konnte sich diesmal nicht in die Torschützenliste eintragen. | Foto: Guido Steinacker Eine der wenigen Spielerinnen der 05er, die von ihrer Außenposition wie bei Gegenstößen unerbittlich abschließt, ist Claudia Schückler. Hier bei ihrem Treffer zum 9:11-Rückstand (26.). | Foto: Guido Steinacker Christine Maric war gerade in den kritischen Phasen der Partie im Angriff entschlossener als man es sonst von ihr gewohnt ist. | Foto: Guido Steinacker Was sagen die Zahlen Mainz. Die Konkurrenten drehen auf, die 05er verharren auf zu niedrigem Niveau: Nicht nur die eigene 23:27 (11:11)-Heimniederlage gegen den direkten Konkurrenten SGH Rosengarten-Buchholz schockte am Samstagabend Mannschaft und Anhänger des Handball-Zweitligisten FSV Mainz 05. Den Rest gab das Ergebnis des zweiten, engsten Konkurrenten SV Allensbach, der gegen den BVB Dortmund einen scheinbar unerklärlichen 30:29-Triumph feierte. Nun finden die 05er sich auf dem Abstiegsplatz 13 wieder. Verloren ist damit zunächst einmal nur eine wichtige Partie. Der Rückstand auf die sicheren Plätze, so denn Position 13 am Ende überhaupt ein Abstiegsplatz bleibt, ist nicht weit. Was macht der Faktor Optimismus? Der scheint allmählich zu schwinden. Nur 23 Treffer gegen einen anderen Abstiegskandidaten – erst einmal zuvor in dieser Zweitligasaison gewann eine Mannschaft mit solch geringer Ausbeute, beim 22:20 des BVB in Neckarsulm. Die Quote der erfolgreich abgeschlossenen Angriffe war wieder einmal zu niedrig, wahrlich nicht nur, aber auch ein Quotenproblem bei den Schüssen. 05-Trainerin Karin Euler gibt zu, derzeit wenig Ansatzpunkte zu sehen, wie sich die Chancenverwertung verbessern lässt in ihrem Team. „Das ist immer schwierig, wir können nur weiter trainieren und uns klar machen, dass wir variabel schießen müssen“, sagte sie beim Trainergespräch. Einfache Gegentore aus dem Rückraum In der letztlich ausgeglichen beendeten ersten Halbzeit ärgerte mehr der große Anteil Gegentore aus dem Gästerückraum, ohne dass dafür als Vorbereitung mehr als ein paar Passstationen notwendig gewesen wären. „Das waren einfache Tore aus dem Rückraum, die wir vorne nicht gemacht haben“, sagte Euler. Auch brachten die Gäste immer wieder Gegenstoßtreffer an, die das zögerliche Rückzugsverhalten der Mainzerinnen offenlegten. Nur in den ersten Minuten (3:1, 4.) entwickelte sich die Partie wie von den 05ern erhofft. Elf Minuten später hatten die Gastgeberinnen sich ein dickes Problem einfangen (4:8, 15.). Vom letzten Mainzer Führungstreffer der Partie, dem 4:3 durch Johanna Holstein (7.), bis zum fünften 05-Tor zum 5:8 passierte rund um den Gästekreis nur noch Gemurkse, mit Fehlanspielen und wenig Zielgerichtetheit beim Zug auf das Tor. Für SGH-Trainer Ralf Böhme war das der Erfolg der konzeptionstreuen Spielweise seiner Mannschaft. „Wir wollten die Achse Rückraum/Kreis in Mainzer Angriff ausschalten – das ist uns gut gelungenen und dadurch haben wir die 05er zu Fehlern gezwungen“, sagte er. Dennoch wurde 05-Kreisläuferin Meike Schmelzer mit sechs Treffern wieder erfolgreichste Schützin ihres Teams – offenbar eine bei den Gegnern inzwischen einkalkulierte Quote. Mentale Stärke beim Gegner Nach dem Halbdesaster in der Vorwoche, dem Punktverlust in eigener Halle gegen Schlusslicht TSG Ober-Eschbach, war Böhme nicht ganz klar, wie die Mannschaft den verpassten Pflichtsieg verarbeitet hatte. „Wir haben heute mentale Stärke gezeigt“, durfte der Trainer zufrieden festhalten. Die Gästemannschaft, ein Team ohne Überfliegerin, ist intakt, das wird auch in den kommenden Wochen des Fernduells mit den Mainzerinnen, Allensbacherinnen und Nellingerinnen eine Rolle spielen. Die 05er haben ihre besten Phasen immer dann, wenn eine Partie endgültig wegzukippen droht. Plötzlich steigt die Konzentration bei den Aktionen, die Zögerlichkeit im Angriff wird vorübergehend abgelegt. Die letzten fünf Minuten der ersten Halbzeit gehörten ganz den 05ern, aber bevor die Führung gelingen konnte, war Pause angesagt. Das war keine gute Idee der Hallenuhr, denn nach Wiederbeginn war der Zauber schon wieder vorbei. Schleichend machten die Gäste sich davon, ihren Vier-Tore-Rückstand der ersten Halbzeit hatten sie in der 42. Minute beim 16:20 wieder aufgebaut. Dann der höchste Rückstand der Partie: das 18:23 (48.). Nun kam wieder der große Hoffnungsaspekt beim Mainzer Team zum Tragen: die Aufholjagd. Und wie schon in der ersten Halbzeit, waren es nicht zuletzt die unverdächtigen Spielerinnen, die dies mit selbstbewussten Aktionen möglich machten, vor allem Selina Adeberg und Christine Maric. Zweiter Umsturzversuch endet zu früh Die sonst arg zurückhaltende Mittespielerin verdiente sich mit den beiden Toren zum letzten Anschlusstreffer der Partie (22:23, 55.) die Auszeichnung durch den Verein als beste Mainzer Akteurin des Abends. Doch der zweite Umsturzversuch des Abends geriet zu früh ins Stocken, die Gäste fuhren den damit auch verdienen Erfolg dank konsequenterer Aktionen über die Ziellinie. „Es war eine Partie auf Augenhöhe“, fand SGH-Spielerin Sarah Lamp. „Wir hatten am Ende einfach mehr Kraft.“ Nun ja, das war noch nie und wird auch so schnell nicht das Problem der 05erinnen sein. Es fehlt an anderer Stelle, hat Euler lokalisiert. Da scheint ein Schalter zu existieren, der bei einem Großteil der Mannschaft, inklusive der Torhüterinnen, immer wieder in Zehn-Minuten-Blöcken die handballerischen Tugenden auf Standby schaltet, „da entsteht viel im Kopf“, erläutert die Trainerin. Und das ist eine Eigenschaft des Teams, der sich im Trainingsbetrieb nicht recht beikommen lässt. Zwei Wochen Zeit sich zu berappeln bleiben nun bis zum nächsten Punktspiel bei Sachsen Zwickau. Der Tabellenvierte hat sich gerade beim Letzten TSG Ober-Eschbach blamiert und 27:28 verloren. Wieder einmal also ein Gegner für die 05er, der nichts mehr zu verschenken hat. Es wird nicht einfacher in der Zielkurve einer enttäuschenden Saison. Alle Artikel von Handball