Bundesliga | Peter H. Eisenhuth | 15.04.15 „Richtig und wichtig“ Jürgen Klopp macht bei Borussia Dortmund am Saisonende Schluss, lässt die Gründe für seine Entscheidung aber weitgehend offen. Als Nachfolger gehandelt wird Thomas Tuchel. Muss demnächst noch ein „Ex“ auf seinen Pullover schreiben: Jürgen Klopp wird den BVB am Saisonende verlassen. Kotrainer Zeljko Buvac (l.) wird ihn wohl begleiten. | Eva Willwacher Dortmund. Einen Wunsch habe er noch, hat Jürgen Klopp am Mittwochmittag gesagt: Noch einmal aus gutem Grund mit dem Lastwagen um den Borsigplatz zu fahren. Den Grund werden ihm seine Spieler am 30. Mai liefern müssen – mit dem Gewinn des DFB-Pokals. Danach nämlich wird Klopp nicht mehr Trainer von Borussia Dortmund sein. „Ich glaube, dass Borussia Dortmund eine Veränderung braucht“, begründete er seinen Abschied zum Saisonende. Am Vormittag war das Gerücht von der bevorstehenden Trennung nach sieben Jahren aufgekommen, das Klopp, BVB-Chef Hans-Joachim Watzke und Manager Michael Zorc in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz bestätigten. Und ganz offensichtlich war es Klopp gewesen, der den Verantwortlichen angetragen hatte, den bis 2018 datierten Vertrag in wenigen Wochen aufzulösen. „Wir haben in den letzten Tagen auf Initiative von Jürgen einige Gespräche geführt und die gemeinsame Entscheidung getroffen, dass der Weg, den mit unglaublichem Erfolg gegangen sind, am Ende der Saison zu Ende ist“, sagte Watzke mit belegter Stimme. Weder Sabbatjahr noch neuer Klub Klopp selbst listete zwar viele Dinge auf, mit denen sein Rückzug nichts zu tun habe und betonte, dieser Verein habe es verdient, „vom 100-prozentig richtigen Trainer trainiert zu werden“ – warum er selbst nicht mehr dieser Trainer ist, erläuterte er allerdings nicht. „Es hat nichts mit der aktuellen sportlichen Situation zu tun“, sagte der 47-Jährige. Sein Verhältnis zur Mannschaft sei nach wie vor intakt, er stehe in keinem Kontakt zu einem anderen Verein, er sei nicht müde und habe nicht geplant, ein Sabbatjahr zu nehmen – „es kann natürlich sein, dass ich es machen muss“, fügte er in schönem Understatement an. Sein Abschied aus Dortmund sei nicht von langer Hand geplant und auch nicht strukturiert. „Es ist einfach nur richtig und wichtig, dass wir das heute bekanntgeben, damit sich jede darauf einstellen kann, damit der Verein planen kann.“ In den vergangenen Jahren habe die Borussia einige Male darunter gelitten, dass einige Spieler ihre Wechselentscheidungen erst spät getroffen hätten und der Klub nicht rechtzeitig reagieren konnte. „Diesen Zeitdruck wollte ich nicht aufkommen lassen.“ Diese Saison läuft nichts rund Zweimal Meister, einmal Pokalsieger, einmal Champions-League-Finalist: Was Klopp und sein Kotrainer Zeljko Buvac, der schweigsame Taktikgroßmeister, aus dem bei ihrem Amtsantritt im Mittelmaß dümpelnden BVB gemacht haben, ist überragend. In der laufenden Saison jedoch funktionierte der Kloppsche Fußball in Dortmund nicht mehr. Die vielen Verletzten, die der Klub vor allem in der Hinrunde zu beklagen hatte, nicht zuletzt aber auch der Weggang der Tormaschine Robert Lewandowski nach München, ließen es nicht zu, sich mit den Bayern oder deren Verfolgern zu messen – als Erklärung dafür, dass die Borussia gar in Abstiegsgefahr geriet, taugten sie gleichwohl nicht. Und zu sagen, dass es in der Rückrunde rundlaufe, wäre übertrieben. Ob es Abnutzungserscheinungen sind, ob es daran liegt, dass zu viele Leistungsträger zu lange ihrer Form hinterherliefen: Klopp wird die Gründe kennen. Seine Konsequenzen hat er jedenfalls gezogen. „Man kann sich nicht vorstellen, wie unglaublich schwer das ist, wenn etwas so Großartiges zu Ende geht“, sagte Klopp am Mittwoch. Aber „ich glaube, dass die Entscheidung absolut richtig ist“. 20-Millionen-Angebot für Tuchel? Über das, was kommen wird, gab es in der Pressekonferenz keine Auskünfte. Das Fachmagazin „kicker“ bringt Jürgen Klopp mal wieder mit Manchester City als Nachfolger des wackelnden Manuel Pellegrini ins Gespräch. Ganz unlogisch wäre ein Wechsel des einstigen Mainzers ins Ausland nicht – die Station Dortmund mit allen emotionalen Begleiterscheinungen innerhalb der Bundesliga zu steigern, dürfte zumindest schwierig werden. Und als Klopp-Nachfolger beim BVB wird Thomas Tuchel gehandelt. Laut „Bild“ liegt dem bis Saisonende im unbezahlten Urlaub befindlichen Noch-05er ein Vierjahresangebot über 20 Millionen vor. Nicht, dass Geld für Tuchel die entscheidende Rolle spielte – aber kann man sich als Trainer nach einem Jahr Pause dem Angebot entziehen, im Westfalenstadion zu arbeiten? In Dortmund wiederum können sie fast sicher sein, dass Tuchel das Klopp-Erbe wie schon in Mainz weiterentwickeln wird; den Umweg über Jörn Andersen ersparen sie sich aller Wahrscheinlichkeit nach. Mehr aktuellen Sport aus Mainz lesen Sie hier. Alle Artikel von Fußball (Bundesliga)