Verbandsliga | Peter H. Eisenhuth | 16.05.14 „Das soll ein schönes Highlight werden“ „Interview der Woche“: Die Verbandsligatrainer Thomas Eberhardt (Fortuna Mombach) und Ali Kayhan Cakici (TSV Schott Mainz) über die zu Ende gehende Saison, ihre Arbeit, den möglichen Doppelaufstieg und das Nachbarschaftsduell am Sonntag. Das kommt dabei heraus, wenn man Thomas Eberhardt (l.) und Ali Kayhan Cakici auffordert, einander ernst anzuschauen. | Eva Willwacher So schaut Trainer Thomas Eberhardt schon mal drein, wenn seine Mannschaft zwar führt, aber nicht zu seiner Zufriedenheit spielt. | Eva Willwacher Kaum zu glauben, dass die Mannschaft dieses Mannes zwei Spieltage vor Schluss mit zwölf Punkten Vorsprung die Verbandsligatabelle anführt. Ist aber so! | Eva Willwacher Mainz. Erstmals begegnet sind sich Thomas Eberhardt und Ali Kayhan Cakici am 27. Oktober vorigen Jahres, beim Verbandsliga-Hinrundenspiel zwischen Fortuna Mombach und dem TSV Schott Mainz. „Ich hatte den Eindruck, dass er ein ziemlich guter Typ ist“, sagt Eberhardt über den Kollegen, der im Sommer als Trainer bei der Werkself eingestiegen war. Vor der Rückrundenbegegnung am Sonntag – Schott steht als Meister, Fortuna Mombach als Zweiter und damit als Teilnehmer an der Aufstiegsrunde fest – trafen sich die beiden Trainer auf Einladung von SPORTAUSMAINZ.de zum Doppelinterview. Es entwickelte sich ein munteres Gespräch über Trainingsarbeit, Ziele, das Derby… Und, wie schon Marius Müller-Westernhagen sang: „Und es wurde viel gelacht“. Herr Cakici, Herr Eberhardt, aus gegebenem Anlass die Frage vorweg: Werden Sie am Montag noch Trainer beim TSV Schott beziehungsweise bei Fortuna Mombach sein? Cakici: Sagen wir mal so: Ich bin froh, dass mein Anteil am Erfolg meiner Mannschaft immer kleiner wird. Spaß beiseite: Ich kann Mainz 05 gut leiden, Heidel und Co., und diesen Trainer auch, weil er viel getan hat. Ich weiß auch, dass ein Verein wie Mainz 05, der so mit seinen Trainern umgeht, nicht nochmal existiert. Wer hier so groß rauskommt wie Kloppo oder Thomas Tuchel, hat dem Verein unheimlich viel zu verdanken, weil auch bei Niederlagenserien immer Ruhe herrschte und die Trainer nicht infrage gestellt wurden. Gleichzeitig haben die Trainer viel für den Verein geleistet – deshalb sollte es doch möglich sein, sich irgendwie friedlich zu einigen. Eberhardt: Ich war sehr überrascht, als ich gehört habe, dass Thomas Tuchel aufhört. Wie Ali schon gesagt hat: Der Verein und der Trainer haben voneinander profitiert. Man sieht mal wieder, dass im Fußball nichts unmöglich ist. Aber ich kenne keine Interna, deshalb will ich mich dazu nicht groß äußern. Gut, dann gehen wir in die Verbandsliga. Hätten Sie vor Saisonbeginn damit gerechnet, sich heute hier als Tabellenführer und Tabellenzweiter gegenüberzusitzen? Eberhardt: Ich will es mal so formulieren: Dass ich hier als Tabellenzweiter sitze, habe ich ganz sicher nicht gedacht – dass Schott Erster wird, damit habe ich schon gerechnet. Das war für mich keine Riesensensation. Aber dass wir in dieser Konstellation hier sitzen, darüber freue ich mich riesig. Einmal für Schott und Ali und natürlich für meine Mannschaft und mich. Darüber, dass wir noch die Möglichkeit haben, über die Aufstiegsrunde nachzuziehen. Cakici: Ich hatte vor der Saison überhaupt keine Ahnung, was auf mich zukommen würde. Ich kannte die Liga nicht, und man muss sich ja auch erst einmal einschätzen lernen. Ich habe sehr früh gesehen, dass wir uns in einigen Dingen stark verbessern müssen, und ich habe gesehen, dass Fortuna Mombach und Jahn Zeiskam ganz harte Konkurrenten sind. Von daher war es zwar immer unser Wunsch, ganz oben dabei zu sein, aber die Vorstellung, Meister zu werden, hatte ich nie. Das hört sich jetzt nach Floskel an, ist aber die Wahrheit: Ich habe immer nur von Spiel zu Spiel gedacht und wollte immer Schritt für Schritt vorangehen. Aber Schott ist schon als Megafavorit in die Runde gegangen… Cakici: …das war im vorigen Jahr auch nicht anders… …und diesmal hat der Verein auch gesagt, nach drei Jahren Verbandsliga solle es mal nach oben gehen. Cakici: Voriges Jahr haben sie es nicht geschafft, das sollten wir festhalten. Das hatte sicher seinen Grund. Genauso, wie es seinen Grund hat, dass wir dieses Jahr aufsteigen oder dass Mombach auf dem zweiten Platz steht. Man muss seinen Hut vor einer Mannschaft ziehen, die schon vor einem Jahr als Zweiter über die Entscheidungsspiele aufgestiegen ist und die Saison dann so durchzieht. Fakt ist: Die Mischung hat auch bei Mombach gestimmt. Ich wusste das, mir war klar, dass die Mombacher eine ganz starke Rückrunde hinlegen würden. Deswegen haben wir in der Winterpause auch durchtrainiert, damit wir uns anschließend keine Blöße geben, sondern unseren Vorsprung auf die Fortuna behaupten würden. Das war der richtige Weg. Was war aus Ihrer Sicht ausschlaggebend für den souveränen Weg zum Titel? Cakici: Ganz klar die Vorbereitung in der Pause. Wir haben im Winter nicht geschlafen, sondern 19 Trainingseinheiten, freiwillige Einheiten, mit zwei Spielen absolviert. Das war ganz, ganz wichtig, dass wir das Tempo hoch halten konnten. Wir haben sie alle totgespielt, wir haben die Auswärtsspiele bei robusten Gegnern – Dudenhofen, Morlautern, Rieschweiler, Neustadt – nicht nur durch unsere Qualität des Fußballspiels, sondern auch durch unsere Fitness souverän gewonnen. Wir haben den Regeln dieser Liga Rechnung getragen und dadurch die Fragen, die uns gestellt wurden, beantworten können. Die Ausgangslage für Fortuna Mombach war eine ganz andere, Herr Eberhardt. Sie kamen als Aufsteiger in Verbandsliga, über den Umweg Entscheidungsspiel. Eberhardt: Genau. Ziel war zunächst einmal, drinzubleiben und vielleicht etwas besser zu sein, als nur drinzubleiben. Eberhardt: Wir wollten nicht zu sehr tiefstapeln, aber wir haben auch nicht davon geredet, dass wir unter die ersten Fünf kommen oder gleich einen Durchmarsch starten wollen. Das kam wann? Eberhardt: Wenn man mal in die Liga reingeschnuppert und gegen jeden Gegner gespielt hat und dann sieht, dass nur Schott uns in Kleinigkeiten überlegen war, aber ansonsten keine Mannschaft besser Fußball gespielt hat oder robuster war als wir. Und wenn man dann nach der Hinrunde unter den ersten Drei steht und dank des Vorsprungs auf die folgenden Mannschaften ruhig auch mal ein, zwei Spiele verlieren kann und trotzdem oben dranbleibt – dann will man sich auch wirklich festsetzen. Unsere Spieler sind sehr ehrgeizig, sie haben sich den zweiten Platz mit ihrer Leistung erarbeitet. Es ist uns nichts geschenkt worden. Wenn ich das letzte Spiel gegen Offenbach sehe, wie wir da noch reingefeuert haben… Das war riesig. Ich bin super stolz auf die Jungs, dass wir als Aufsteiger jetzt schon den zweiten Platz sicher haben, und das mit einem solchen Vorsprung. Das ist nicht normal. Und was noch kommt, werden wir sehen. Aus Ihren beiden Vereinen stehen jeweils zwei Spieler unter den Top-6 der Torjägerliste… Eberhardt: …Greg Szymanek ist Zweiter, Mate Malenica Vierter. Auf dem dritten beziehungsweise sechsten Platz stehen die Schott-Spieler Preston Zimmerman und Can Özer. Cakici: Ich habe bis zum Wochenende nicht gewusst, wer bei uns wie viele Tore geschossen hat. Bei uns ist es ganz klar die Gemeinschaft, die uns erfolgreich macht. Man darf auch nicht nur die Qualität als Fußballer sehen, man muss auch auf die sozialen Qualitäten achten. Für uns war die soziale Kompetenz auch ausschlaggebend. Dass wir eine Mannschaft hatten, die zusammengehalten hat – deswegen sind wir Meister geworden. Aus keinem anderen Grund. Ich nenne da als Beispiel Thorsten Kleber, unseren amtierenden Kapitän. Er hat wenige Einsätze gehabt, kam fast immer von der Bank, aber er hat Ruhe gehalten und im Hintergrund immer seine Aufgaben erledigt. Darauf bin ich stolz: dass die Jungs sich immer als Mitspieler verstanden haben, nie als Konkurrenten. Natürlich hat auch die Qualität, die wir im Training haben, dazu beigetragen, dass wir Erster sind. Unsere Trainingsspiele haben wir so gestaltet, dass sie teilweise auf höherem Niveau stattfanden als die Liga-Spiele. Training, soziale Kompetenz, der Teamgeist und die Qualität der einzelnen Spieler: Das ist die Basis für unseren Erfolg. Sie beide haben unterschiedliche Herangehensweisen, was beispielsweise die Einsatzzeiten der Spieler angeht. Wenn wir, Herr Cakici, nach einem Auswärtsspiel telefonieren, sagen Sie etwa: „Dieselbe Aufstellung wir vorige Woche, nur Kunert für Ribeiro.“ Bei Ihnen, Herr Eberhardt, ist es nicht ungewöhnlich, wenn das Team auf vier Positionen umbesetzt ist. Cakici: Ich habe für diese Liga viele Spezialisten auf dem Platz, die auch selbst meinen, sie seien die bestmögliche Besetzung – und das ist schon mal gut für einen Trainer, dass einer, der auf dem Platz steht diese Einstellung hat. Dazu kommt, dass wir fast keine Verletzten hatten, das heißt, die Trainingssteuerung muss auch gut gelaufen sein. Der Wechsel von Belastung und Regeneration hat funktioniert, dadurch hatte ich alle Leute zur Verfügung und konnte immer eine sogenannte erste Elf bringen. Und dann habe ich mal, insbesondere für Auswärtsspiele, die eine oder andere Position verändert. Ist es schwierig, die Leute, die wenig spielen, bei Laune zu halten? Cakici: Das war ein großer Faktor. Wir sitzen alle in einem Boot, ich habe die Spieler eingeladen, einzusteigen. Wichtig ist dann aber, dass die Spieler auch die nötige Wertschätzung erfahren. Wenn jemand sein Sparring erledigt hat, das habe ich hoch geschätzt, die Mannschaft hat es intern hoch geschätzt. Natürlich gab es Höhen und Tiefen, wir sind alle nur Menschen, aber insgesamt haben wir das überzeugend gelöst. Sie, Herr Eberhardt, wollen mit der Rotation den Konkurrenzkampf anheizen? Eberhardt: Ich sehe das so, dass Fußball eine Mannschaftssportart ist. Das Schott-Modell kann gutgehen, wenn man keine Verletzten hat, dann kann man sich glücklich schätzen… Ihr hattet einige… Eberhardt: Richtig. Wir haben, glaube ich, auch sehr gut trainiert und dosiert. Wir hatten keine Probleme wie Zerrungen oder so, die durch falsches Training entstehen; unsere Verletzungen sind im Spiel zustande gekommen, durch Fouls. Thomas Strohmeier, als Beispiel, ist im ersten Spiel so brutal gefoult worden, dass er sich das Außenband gerissen und die komplette Hinrunde gefehlt hat. Oder Ivan Idzan, der hat sich bei der Arbeit fast die Finger abgeschnitten und ist dann sechs, acht Wochen ausgefallen. Wegen solcher Probleme mussten wir sowieso rotieren, weil wir in der Hinrunde gar nicht mit einem vollen Kader antreten konnten. Aber meine Einstellung war schon immer, dass alle Mann am Sonntag eine Chance haben, unter die ersten Elf zu kommen, wenn sie sich unter der Woche den Arsch aufreißen und Gas geben. Sie haben von Montag bis Freitag Zeit, und der Sonntag ist die Belohnung für die Trainingswoche. Aber der vorherige Sonntag fließt nicht mehr in die Bewertung ein? Eberhardt: Nein. Cakici: Bei mir schon. Eberhardt: Ich finde das cool, dass wir unterschiedliche Auffassungen haben und trotzdem beide erfolgreich sind. Cakici: Alle Wege führen nach Rom, wenn ich das als Moslem sagen darf. Eberhardt: Eben. Okay, Ali ist erfolgreicher, er ist Meister. Cakici: Wenn ich mir mal selbst eine Frage stellen darf: „Warum, Herr Cakici, sind Sie der Meinung, dass es gar keine Verletzten beim TSV Schott gab, wenn man von Nils Döring ganz am Ende absieht?“ Die Antwort? Cakici: Es ist nicht nur die Trainingssteuerung. Was für mich, ganz, ganz wichtig ist: Wir haben es geschafft, dreimal um 18.30 Uhr und einmal um 18 Uhr mit dem Training zu beginnen. Wir waren laut Plan erst für zwei Stunden später eingeteilt, aber wir haben intern geschaut, wann wir frühestens anfangen können. Wir haben dafür in Kauf genommen, dass wir das gesamte Jahr über nur auf dem halben Platz oder, in Absprache mit der A-Jugend, sogar nur auf einem viertel Platz trainiert haben. Dieses Opfer habe ich gebracht, weil ich die Bedeutung gesehen habe, dass die Spieler um 20 Uhr wieder nach Hause fahren können, um noch ein Privatleben zu haben. Man kann noch mit der Freundin essen gehen oder sein Kind ins Bett bringen. Um halb zehn, zehn ist das nicht mehr möglich. Im Normalfall. Es sei denn, du hast einen türkischen Haushalt, da sind die Kinder länger wach… Wenn der Kopf frei ist, sind die Spieler entspannt. Sie haben den Vorteil bei den Trainingszeiten, dass Schott eine eigene Anlage hat… Cakici: Nee, nee, ich musste mich mit der A1 und der A2 arrangieren. Wir haben auch noch 27 andere Mannschaften, die da mitturnen. Ich sage immer: Was nutzt dir der schönste Garten, wenn andere darin spazieren gehen. Wir haben zwar schöne Plätze, aber eben auch viele Mannschaften. Eberhardt: Bei uns ist es ähnlich. Wir haben montags und mittwochs nur einen halben Platz zur Verfügung, aber ich lege Wert darauf, dass wir freitags einen ganzen Platz nutzen können, um ein paar taktische Dinge zu üben und elf gegen elf spielen zu lassen. Auf engem Raum zu trainieren, ist eigentlich super, weil man da sieht, wer Fußball spielen kann und wer nicht. Auf dem großen Platz kann man immer mal den ein oder anderen mitschleppen, weil er Glück hat, weil ein Ball nicht ankommt oder weil er vielleicht schneller ist als der Gegner. Jetzt kommt es am Sonntag zum Derby… Eberhardt: …stimmt, das kommt ja auch noch… …in dem es eigentlich um nichts mehr geht, außer um die Ehre. Bedauern Sie es, dass da nicht etwas mehr Brisanz drinsteckt? Cakici: Ich finde das so sehr angenehm. Natürlich ist es ein Derby, in dem man sich großes Zuschauerinteresse wünscht. Die Brisanz liegt dann schon in diesem Nachbarschaftscharakter. Paradoxerweise mögen sich Nachbarn oft nicht. Wenn ich zum Beispiel die Türkei und Griechenland sehe, die mögen sich nicht obwohl sie sich von der Kultur so ähnlich sind. Das ist verrückt, eigentlich sollten Nachbarn sich gegenseitig helfen. Aber im Fußball geht es natürlich darum, zu gewinnen. Fortuna Mombach hat nach den beiden für die Tabelle bedeutungslosen Spielen noch die zwei Aufstiegsrundenspiele vor sich. Deshalb wollen Sie die Schlagzahl hochhalten. Eberhardt: Ganz klar. Ich bin glücklich darüber, dass Schott sein Ding durchgezogen hat, und vor allem, dass wir den zweiten Platz seit voriger Woche sicherhaben. Das nimmt uns natürlich den Druck vor dem Spiel bei Schott, wo wir sicher nichts geschenkt bekommen, auch wenn der ein oder andere, mit dem ich in den letzten Wochen geredet habe, anderer Meinung war. Aber wer das glaubt, glaubt auch an den Weihnachtsmann. Aber Ali Cakici hat eben noch von Nachbarschaftshilfe geredet… Cakici: Haben wir ja auch gemacht. Wir haben alle anderen weggehauen. Eberhardt: Verdientermaßen. Ich bin froh, dass wir dem Spiel gelassen entgegensehen können, ohne den Zwang, punkten zu müssen. Den Druck gibt es wieder in der Relegation, das wissen wir aus der vorigen Saison. Wir fahren am Sonntag mit breiter Brust da hin… Ihr f a h r t? Eberhardt: Vielleicht kommen wir auch umgezogen und zu Fuß rüber. Aber mit breiter Brust. Wir versuchen, da zu punkten. Wir wollen auf keinen Fall die Power rausnehmen, man sieht ja ganz oben, was dabei herauskommt. Cakici: Beim Pep. Eberhardt: Ich sage meinen Jungs auch, dass wir noch mehr erreichen wollen. Wir sind Zweiter in der Verbandsliga, das ist sehr gut, aber jetzt wollen wir auch in die Oberliga. Das ist positiver Druck, der belastet uns nicht. Für Sonntag wünsche ich mir, dass es ein hartes, aber faires, geiles Fußballspiel wird. Blicken wir etwas voraus: Wenn alles gutgeht, gibt es in der kommenden Saison drei Mainzer Oberligisten. Ist die Stadt groß genug dafür, oder besteht die Gefahr, dass die Vereine sich um die selben Spieler prügeln? Cakici: Das ist keine Gefahr. Es wird ja nach der Saison auch ein Spieler von uns zur Fortuna wechseln. Ich empfinde es als Kompliment, wenn jemand meine Spieler anspricht. Der Spieler hat genug Persönlichkeit, um sich selbst zu entscheiden, und ich will auch nur mit Leuten arbeiten, die bei uns spielen wollen. Welcher Spieler wechselt die Straßenseite? Cakici: Ich weiß gar nicht, ob wir den Namen schon nennen dürfen. Eberhardt: Ich weiß auch nicht, ob schon alles geregelt ist zwischen den Vereinen. Cakici: Aber es ist ein hervorragender Spieler, der aus irgendwelchen Gründen bei uns seinen Stammplatz verloren hat, aber ganz sicher prima zu Mombach passt. Das ist überhaupt kein Problem. Schott hat gegenüber der Fortuna den Vorteil einer starken Jugend und einer Zweiten Mannschaft, in der sich jüngere Spieler entwickeln können. Cakici: Das ist kein klarer Vorteil. Aber ihr könnt eher auf den eigenen Nachwuchs zurückgreifen. Die Mombacher sind bei Zugängen auf externe Leute angewiesen. Cakici: Wenn jemand die zehn Meter von uns zur Fortuna geht, ist das für mich kein Externer... Eberhardt: Wir wollen uns weiterentwickeln, wir brauchen keine Leute, die den Kader nur ergänzen. Wir werden nächste Saison mehr Qualität haben als diese Saison. Das geht natürlich nur Schritt für Schritt mit einer kontinuierlichen Aufbauarbeit, nicht, indem man zehn Leute auf einmal holt. Das könnte auch kein Mensch bezahlen. Aber auch, wenn wir nur eine Verstärkung brauchen, müssen wir die natürlich von außen holen. Wenn einer gehen will: Reisende soll man nicht aufhalten. Wer bei uns spielt, muss auch zu schätzen wissen, was wir ihm bieten. Wir arbeiten unter recht professionellen Bedingungen, die Spieler bekommen alles gestellt, ihre Klamotten werden gewaschen, die müssen nur ihre Schuhe und den Kulturbeutel mitbringen. Das gibt es im Amateurbereich sicher nicht überall. Cakici: Ich kann mit dem Wort Profi nicht so viel anfangen. …er sagte „professionelle Bedingungen“. Cakici: Okay. Wenn man solche Strukturen hat, ist es klasse. Das geht wahrscheinlich nur mit entsprechenden ehrenamtlichen Helfern. Ich bin zwar der Meinung, dass jeder seine Wäsche selbst waschen kann, aber ich finde, das ist eine schöne Anerkennung für die Spieler. Eberhardt: Es ist nicht so, dass der Verein die Klamotten wäscht, sondern das kommt alles von uns, von der Familie. Cakici: Aber wir vertreten ja den Verein. Die Idee hast Du als Trainer reingebracht, und es wäre schön, wenn der Verein diese Idee weiterführt, wenn Du morgen oder übermorgen den Verein verlässt. Sie haben sich beide im Laufe der Saison häufig darüber beklagt, dass sich die Gegner nur hinten reinstellen. Übernimmt einer von Ihnen diesen Part am Sonntag, oder spielen Sie beide offensiv? Cakici: Ich denke, dass diese Rolle am Sonntag Fortuna Mombach übernimmt. Eberhardt: Ich gehe davon aus, dass sich Schott dermaßen hinten reinstellen wird, dass wir kaum in den Strafraum kommen können. Cakici: Von zwei solchen Spitzenmannschaften erwarte ich, dass sie sich abwechseln, dass jeder mal eine dominante Phase hat. Und dann schauen wir, wer dabei mehr herausholt. Getreu meinem Motto: Wenn man schon keine große Karriere hat, sollten es wenigstens ein paar starke Momente sein. Eberhardt: Hahaha. Da kann ich nicht widersprechen. Zwei Mannschaften, die so gut Fußball spielen und so offensivstark sind, sollten jede ihre Druckphase haben. Es soll ein schönes Highlight werden – und der Bessere soll gewinnen. Eine Frage noch, die Sie mit zwei Worten beantworten können: Wenn Sie sich einen Spieler des Gegner aussuchen dürften, der am Sonntag bei Ihnen spielt, wen würden Sie nehmen? Eberhardt: (grinst) Adem Kaya. Cakici: Ich würde keinen Spieler nehmen, sondern die Mombacher Mentalität. Dieses Stolz-Sein auf Leistung und die Hartnäckigkeit, mit der sich die Fortuna den zweiten Platz geholt hat. Das Gespräch führte Peter H. Eisenhuth. Mehr aktuellen Sport aus Mainz lesen Sie hier. Alle Artikel von Fußball (Amateure)