Bundesliga | Gert Adolphi | 12.03.14

Unter Brüdern

Er war Deutscher Meister mit der Mannschaft und ist amtierender Titelträger in der 96-Kilo-Freistilklasse. Doch in der kommenden Saison wird William Harth nicht mehr das Trikot der 88er tragen.
Festhalten nutzt nichts: William Harth verlässt den ASV Mainz 88 und ringt künftig für Germania Weingarten.
Festhalten nutzt nichts: William Harth verlässt den ASV Mainz 88 und ringt künftig für Germania Weingarten. | Eva Willwacher
Am Dienstagabend wurde William Harth bei der Mainzer Sportlerehrung noch von Bürgermeister Günter Beck für die DM-Titel im Einzel und mit der Mannschaft ausgezeichnet. Das wird im nächsten Jahr sicher nicht geschehen.
Am Dienstagabend wurde William Harth bei der Mainzer Sportlerehrung noch von Bürgermeister Günter Beck für die DM-Titel im Einzel und mit der Mannschaft ausgezeichnet. Das wird im nächsten Jahr sicher nicht geschehen. | Eva Willwacher

Mainz. Als Gerücht waberte es seit Wochen durch die Ringer-Foren im Internet. Jetzt ist es amtlich: William Harth wechselt vom ASV Mainz 88 zum SV Germania Weingarten. „Der Name William Harth stand schon länger bei uns auf der Wunschliste“, wird SV-Trainer Frank Heinzelbecker in der regionalen Presse zitiert.

Die Gründe für Harths Unterschrift in Weingarten sind leicht nachzuvollziehen. Zum einen ist er bei den Germanen wieder mit seinem Bruder Georg vereint, mit dem er schon beim TKSV Bonn-Duisdorf in einer Mannschaft rang. Vor zwei Jahren dann kam William Harth, der Freistilspezialist für die beiden schweren Klassen, zu den 88ern, vorige Saison wechselte Georg nach Weingarten. In der kommenden Saison sind die Brüder wieder vereint. Zweiter Grund für William Harths Wechsel: Er wohnt bislang zwar in der Mainzer Neustadt, leistet aber bei der Sportförderkompanie in Speyer seinen Wehrdienst ab. Von Speyer – oder Mainz – ist es nicht weit nach Weingarten. Geld, davon kann man ausgehen, ist auch im Spiel.

Ein absoluter Leistungsträger

Harth war bei den 88ern in der abgelaufenen Runde ein absoluter Leistungsträger. In der regulären Runde blieb er ungeschlagen. Im Halbschwergewicht bestritt er alle Kämpfe, im Schwergewicht in der Rückrunde vier von acht. Insgesamt holte er 40:2 Punkte für die Mannschaft. Am spektakulärsten war sein Sieg im Rückkampf gegen die RWG Mömbris/Königshofen. Gegen den hoch gehandelten Taimuraz Tigiev lag Harth schon 0:6 zurück, spielte dann aber seine überragende Kondition aus und gewann noch technisch überlegen mit 17:6 – vier Punkte fürs Team.

Im Play-off-Viertelfinale gegen den SV Triberg glänzte der Mainzer erneut. Im Hinkampf feierte er im Halbschwergewicht einen Schultersieg, im Rückkampf in Mainz setzte er sich im Schwergewicht technisch überlegen durch. Nur als es im Halbfinale gegen den ASV Nendingen allerdings darauf ankam, blieb Harth hinter den Erwartungen zurück. Die 1:2-Punktniederlage gegen Nicolai Ceban in der Schwenninger Helios-Arena war schon ärgerlich.

Im Halbfinalrückkampf chancenlos

Für den Rückkampf in Mombach hatte Harth sich Wiedergutmachung vorgenommen. Im Matchplan der 88er war ein 3:1-Sieg des wendigen Kraftpakets vorgesehen. Doch diesmal war Harth gegen Ceban völlig chancenlos, verlor mit 2:12 Wertungspunkten und schrammte so nur hauchdünn an einer technisch überhöhten Niederlage vorbei. Die 88er büßten damit frühzeitig alle Chancen auf das Erreichen des Finales ein.

Harth ist amtierender Deutscher Meister in der 96-Kilo-Klasse und Mitglied des Bundeskaders. Er wird Anfang April bei der Europameisterschaft in Finnland auch für Deutschland antreten.

Die Vereinsführung des ASV Mainz 88 bleibt ihrer Linie treu, vor Ende der Wechselfrist keine Kommentare zu Zu- oder Abgängen abzugeben.

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