Rainer Stauber | 27.05.2017

Auf Augenhöhe mit den Weltbesten

Was für ein Rennen, was für eine Dramatik: Im Halbfinale der Ruder-Europameisterschaften in Tschechien liefern sich die beiden Leichtgewichtsskuller Jason Osborne und Lucas Schäfer einen packenden Dreikampf mit Olympiasieger Frankreich und Titelverteidiger Irland. Nun geht's im Finale um die Medaillen.
Puuh, das war knapp: Jason Osborne (links) und Lucas Schäfer hielten im Duell mit Olympiasieger Frankreich und EM-Titelverteidiger Irland prächtig dagegen.
Puuh, das war knapp: Jason Osborne (links) und Lucas Schäfer hielten im Duell mit Olympiasieger Frankreich und EM-Titelverteidiger Irland prächtig dagegen. | MRV
Das neue Team scheint gut zusammenzupassen.
Das neue Team scheint gut zusammenzupassen. | MRV
Der erste der beiden Halbfinalläufe war deutlich stärker besetzt – mit dem Top-Team Rhein-Main mittendrin.
Der erste der beiden Halbfinalläufe war deutlich stärker besetzt – mit dem Top-Team Rhein-Main mittendrin. | red
Die Ruhe vor dem Sturm über das Wasser des Kanals Racice: Anspannung und volle Konzentration beim Start.
Die Ruhe vor dem Sturm über das Wasser des Kanals Racice: Anspannung und volle Konzentration beim Start. | red
Bootsspitze an Bootsspitze auf den letzten 450 Metern: das irische und das deutsche Boot.
Bootsspitze an Bootsspitze auf den letzten 450 Metern: das irische und das deutsche Boot. | red
39:37 - Osborne/Schäfer konnten die Schlagzahl kurz vor dem Ziel nochmals erhöhen.
39:37 - Osborne/Schäfer konnten die Schlagzahl kurz vor dem Ziel nochmals erhöhen. | red
Acht hundertstel Sekunden – das Fotofinish im Ziel.
Acht hundertstel Sekunden – das Fotofinish im Ziel. | red
Der Endstand verdeutlich das Duell des Mainz-Marburger Duos auf Augenhöhe mit der Weltspitze.
Der Endstand verdeutlich das Duell des Mainz-Marburger Duos auf Augenhöhe mit der Weltspitze. | red

Racice. Viel besser geht es kaum: Bei ihrem ersten gemeinsamen internationalen Auftritt haben Jason Osborne (Mainzer Ruder-Verein) und Lucas Schäfer (Steinmühle Marburg) das neue Top-Team Rhein-Main reich beschenkt und stehen nach einer starken Leistung am Sonntag im Finale der Ruder-Europameisterschaften in Tschechien. Ganz nebenbei machte der neu zusammengestellte Doppelzweier mit einem furiosen Halbfinale reichlich Werbung für das Leichtgewichts-Rudern insgesamt, Hochspannung und beste Unterhaltung garantiert.

Fakt ist: Das erste von zwei Halbfinalrennen war das deutlich härtere  – mit Osborne/Schäfer auf Bahn vier. Zur Rechten ruderte der Olympiasieger von Rio und Weltmeister von 2015: die beiden Franzosen Jeremy Azou und Pierre Houin. Zur Linken die Silbermedaillengewinner von Rio und EM-Titelverteidiger aus Irland: die Brüder Gary und Paul O’Donovan. Da kann man schon mal ehrfürchtig werden, zumal nur die ersten drei Boote ins A-Finale einzogen und die weitere Konkurrenz mit Gastgeber Tschechien, den starken Griechen sowie Spanien nicht in Gummibooten unterwegs war, sondern ebenfalls mächtig Gummi gab.

Der Mainzer Landestrainer Robert Sens hatte im Vorfeld ein brutales Rennen erwartet. Seine Prognose sollte noch übertroffen werden. Denn es war ein hammerharter Wettstreit auf allerhöchstem Niveau. Olympiasieger Frankreich galt als haushoher Favorit und setzte sich auch vom Start weg an die Spitze. Dahinter aber hielten Jason Osborne und Lucas Schäfer, ihres Zeichens 23 und 22 Jahre alt, prächtig mit und lagen bis zur 1500-Meter-Marke auf dem zweiten Rang. Das zunächst vor den flotten Griechen, ehe auf den letzten 1000 Metern die O’Donovan-Brüder ihren berüchtigten Endspurt ankurbelten. 

Spektakel auf den letzten 500 Metern

Damit war das Spektakel angerichtet, denn die letzten 500 Meter beinhalteten alles, was das Leichtgewichts-Skullen so spannend und interessant macht. Zunächst schob sich das irische Boot an der Mainz-Marburger-Kombination vorbei. Doch Osborne/Schäfer legten plötzlich wieder zu, erhöhten die Schlagzahl auf 39, während die Iren mit 37 Schlägen ins Ziel des Kanal Racice flogen. Auf der Ziellinie  – Frankreich siegte wie erwartet  – musste das Fotofinish zwischen dem deutschen Boot dem irischen Boot entscheiden. Acht Hundertstelsekunden Vorsprung hatte schließlich der Titelverteidiger. Doch was sind acht Hundertstel? Ein Wimpernschlag, ein Hauch von Nichts?  

Wie auch immer: Platz drei ging an das Duo des Top-Teams Rhein-Main, das damit am Sonntag um 11.46 Uhr in Racice das EM-Finale bestreitet. Gegner sind dort neben Frankreich und den Iren die Boote aus Italien, Großbritannien und Polen, die auf den ersten drei Rängen des zweiten Halbfinales landeten. Sind noch genug Körner im Tank, wie Robert Sens immer so schön zu sagen pflegt, dann ist eine Medaille durchaus möglich. Und das wäre beim ersten gemeinsamen internationalen Auftritt für Osborne/Schäfer eine Sensation.

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