Oberliga | Guido Steinacker | 16.03.14 Erstaunlich leichtes Spiel für die Sportfreunde Das hatten sich die rund 300 Zuschauer des Handball-Oberligaderbys der Männer in Nieder-Olm spannender vorgestellt: Der TVN lief den Sportfreuden Budenheim von Anfang an hinterher und kam mit dem 33:35 (14:20) am Ende noch gut weg. Die kurze Deckung gegen Spielmacher Tino Stumps (Mitte) gefiel den Nieder-Olmern ganz und gar nicht. | Foto: Bernd Eßling Dafür war es das Spiel des Lukas Nagel: Der Sportfreund verteidigte stark und traf vorne vor allem in der ersten Halbzeit fast nach Belieben. | Foto: Bernd Eßling Nieder-Olm. Auf einen harten Kampf um die Punkte freuten sich die Zuschauer in der Nieder-Olmer Sporthalle am Sonntagmorgen vor dem letzten Derby des TV Nieder-Olm in der Handball-Oberliga der Männer in dieser Saison. Doch so sehr das Endergebnis diesen engen Fight um Prestige und Punkte auch nahe legt, dieses 33:35 (14:20) war eine recht klare Angelegenheit für die Sportfreunde Budenheim, die den Gastgebern damit den Triumph verdarben, alle vier Duelle mit den beiden Nachbarklubs für sich zu entscheiden. Die Sportfreunde dürfen damit allmählich die Planungen für eine weitere Oberligaspielzeit vertiefen, die Zukunft der Nieder-Olmer ist nach dieser Heimpleite längst nicht so absehbar. Mit einer fast unterkühlt wirkenden Konsequenz stachen die Budenheimer in die wunden Punkte im Defensivverhalten ihrer Gastgeber. Ein Kreisanspiel war immer drin in der ersten Halbzeit, also kam er immer wieder, dieser schnelle Ableger auf Tobias Hahn oder Volker Schuster. Fast egal, wer da gerade stand, es ging immer etwas über diese Station. Schon nach sieben Minuten (2:5) griff TVN-Trainer Udo Henß erstmals zur Grünen Karte. Eine fruchtlose Ansprache, auch die nächsten beiden Gästetore kamen über den Kreis. Sport am Samstagmorgen „Das hat viel damit zu tun, wie sich ein Spieler auf so ein Spiel vorbereitet", sagte Henß, dem schnell schwante, dass die mentale Unterlegenheit seines Teams entscheidender Faktor in der Partie werden könnte. Wie sah es mit der Vorbereitung des Gegners aus? Die Sportfreunde wurden am Samstagvormittag bei einer Trainingseinheit beobachtet, „mal sehen, wie es sich morgens um 9.30 Uhr Handball spielt", schilderte SFB-Trainer Axel Schneider. So untergruben die Budenheimer den nicht zu verachtenden Vorteil der ungewöhnlichen Anwurfzeit (11 Uhr) in Nieder-Olm am Sonntagmorgen. Auch konzeptionell war das, was auf dem Feld dann zu sehen war, von den Budenheimern überzeugender als der Nieder-Olmer Auftritt. Die kurze Deckung gegen TVN-Spielmacher Tino Stumps war keine Erfindung der Gäste, die vorgezogene Fünferdeckung dahinter, die sich teilweise auf der Neunmeterlinie postierte, wirkte riskant und war dies auch. „Die Manndeckung gegen Tino wollten wir am Anfang eigentlich nur mal ausprobieren um zu sehen, wie die Nieder-Olmer reagieren", schilderte SFB-Mittespieler Chris Roll. „Weil es so gut geklappt hat, haben wir es dann beibehalten." Die Budenheimer kalkulierten richtig, den Nieder-Olmern fehlte die Bereitschaft, diese offensive Deckung durch mannschaftliches Zusammenspiel zu hinterlaufen und auszuspielen. Statt dessen Einzelkönnertum, bei dem es dann allerdings mit dem Könnertum im Eins-gegen-Eins nicht so weit her war. Alleine Stumps ragte da auf Nieder-Olmer Seite wieder positiv heraus. Nicht, dass er mit seinen Aktionen immer richtig lag, „aber Tino merkt, wenn etwas nicht klappt und ändert sein Spiel. Bei den anderen sehe ich das nicht, sie hinterfragen sich nicht", kritisierte Henß. Laufen Spiele gut wie in den vorausgegangenen Partien meistens, ist das nicht weiter tragisch, gegen die Sportfreunde warteten die zunehmend ungeduldig reagierenden Fans Minute für Minute vergeblich darauf, dass es „klick" macht bei ihrem Team. Nicht der Tag des Umsturzes Die Budenheimer vermochten sich immer wieder komfortable Vorsprünge herauszuspielen, die die Nieder-Olmer zunächst immer wieder zu hoffnungsvollen Spielständen reduzierten (8:10, 15.). Doch die spielerische Leichtigkeit, mit der die Gäste sämtliche Attacken der Nieder-Olmer abblockten, deutete früh an, dass dies nicht der Tag des Umsturzes werden würde für die Hausherren. „Wir haben unsere Aufgabe ganz unaufgeregt umgesetzt, die technischen Fehler der Nieder-Olmer ausgenutzt", sah Schneider als Grundlage für den beherrschten Spielverlauf. Es war das Match des Lukas Nagel, der Stumps kurz deckte, vorne so torgefährlich agierte, dass die Nieder-Olmer ihn in der zweiten Halbzeit schließlich selbst in kurze Deckung nahmen und als Absicherung auch noch die Gegenstöße der Heimmannschaft zu unterbinden half. Als Nagel im Angriff nicht mehr so konnte, wie er wollte, weil Sven Gaubatz ihn kurz nahm, deckte Rechtsaußen Kai Diehl den Verlust durch Treffer von seiner Position im Alleingang ab und verhinderte so, dass die Nieder-Olmer ihre Defensivumstellung nutzen konnten. Fast konstant hielten die Sportfreunde nach dem Seitenwechsel ihren komfortablen Vorsrpung (20:26, 26:31, 51.) bis in die letzten Minuten hinein aufrecht. Doch plötzlich half eine Unterzahlphase den Gastgebern noch einmal beim Aufholen. „Die offenere Deckung der Nieder-Olmer hat uns schon nervös gemacht", gab Roll zu. Aber die Uhr sprach für die Sportfreunde, und das brachte den Gästen die nötige Ruhe, den wenn auch deutlich reduzierten Vorsprung ins Ziel zu retten. Und immer noch war die Fehlerquote der Nieder-Olmer zu hoch, der Endspurtversuch scheiterte an der Qualität der Aktionen. Budenheimer holen Borsch und Becker „Dass wir am Ende ganz ruhig den Abpfiff abwarten konnten, damit habe ich nicht gerechnet", war Schneider mit dem Ende einverstanden, auch wenn dies ein die Überlegenheit nicht widerspiegelndes Ergebnis ergab. Einige Spieltage vor Schluss zählt vor allem, dass die Oberligaplanungen, die bisher schon zu zwei prominenten Neuzugängen, Timo Bosch vom Gegner TVN sowie Philipp Becker, derzeit TV Groß-Umstadt, geführt haben, nun zielstrebiger fortgeführt werden können. Beim TV Nieder-Olm heißt es jetzt wieder, verstärkt um den Klassenverbleib zu zittern. Da nutzen alle jüngsten Erfolge nichts. „Es gab zwei richtig schlechte Spiele von uns in dieser Saison", sagte Henß. „Das Spiel in Bingen und das jetzige." Aber erstmals habe er das Gefühl gehabt, dass die Mannschaft die Trainer komplett im Stich lässt. „Die Sportfreunde haben uns eigentlich vor keine großen Aufgaben gestellt, aber wenn der Zug zum Tor fehlt und die Sprungrichtung die Außenlinie ist, können wir nicht erfolgreich sein." Der Kampf geht weiter, eben etwas länger als bei den Sportfreunden. Alle Artikel von Handball