Rheinhessenliga | Guido Steinacker | 17.03.14 Ein echter Härtetest für die nächste Saison Einen Vorgeschmack auf die kommende Oberligasaison bekam Handball-Rheinhessenligist TV Bodenheim beim Heimspiel gegen die HSG Rhein-Nahe II. Die Gäste traten mit ihrer jungen Nachwuchsriege an, die weitgehend auch das Oberligateam der Binger stellt und unterlagen nur ganz knapp. Schlusslicht SG Bretzenheim landete beim HSV Sobernheim den ersten Auswärtssieg der Saison, der die Überlebenshoffnungen am Leben hält. Florian Caprano übernahm in der kritischen Phase der ersten Hälfte durch einen starken Zug zum Tor die Verantwortung. | Foto: Guido Steinacker Ein Sonderlob vom Trainer erhielt Moritz Müller, der den Bingern aus dem Rückraum viele Bälle ins Netz warf. | Foto: Guido Steinacker Ungewohnte Situation: Fast bis zur letzten Sekunde der Partie musste das Bodenheimer Trainerteam Thorsten Ohloff (l.) und Jens Kreischer seine Spieler anfeuern. | Foto: Guido Steinacker Rheinhessen. Im Nachhinein konnte es den Bodenheimern recht sein. „Das war doch ein guter Test, solche Gegner werden wir in der kommenden Runde jede Woche haben“, bewertete Thorsten Ohloff die hauchdünne Angelegenheit im Heimspiel der Handball-Rheinhessenliga der Männer gegen die HSG Rhein-Nahe II als positive Gelegenheit, die Oberligatauglichkeit des jetzigen Kaders auszutesten. Denn in der Halle am Guckenberg lief durch das spielfreie Wochenende des Binger Oberligateams die U21-Formation der HSG auf, die auch die Oberligamannschaft inzwischen zum Großteil bestückt. So durften die Bodenheimer Zuschauer sich zunächst verwundert die Augen reiben, wie da nach all den klaren Angelegenheiten der vergangenen Monate endlich einmal ein Gegner ihrem Team etwas entgegensetzt – und am Ende einen 31:30 (16:17)-Heimsieg beklatschen. „Wir waren von der Binger Formation etwas überrascht, es waren kaum noch Spieler aus der Vorrundenpartie dabei“, sagte Ohloff. Die Gäste stellten mit ihren Rückraumschützen die lange Zeit etwas zu passiv agierende Bodenheimer Defensive in den Senkel, im Angriff landeten vor allem viele Zuspielversuche in den Händen der gut zusammenarbeitenden HSG-Abwehr. „Da haben wir aber auch zu viel mit Einzelaktionen versucht“, sagte der Trainer. Team bewies bei Rückstand Charakter Zwischenzeitlich wuchs sich das Bodenheimer Problem zu einem Vier-Tore-Rückstand aus (12:16, 25.). Solch eine Situation erlebte der TVB in dieser Saison bisher nur beim Auswärtsspiel bei der TG Osthofen. „Wie die Mannschaft sich da wieder herausgearbeitet hat, beweist den guten Charakter des Teams“, betont Ohloff. Das geschah nach der Auszeit direkt zum 16:16 (29.) und setzte sich nach der Pause fort. Abschütteln ließen die Binger sich aber nicht. Gegen Ende glichen sie Zwei-Tore-Vorsprünge des TVB (27:25, 29:27) immer wieder aus. Die finalen Tore erzielten die Bodenheimer mit einer enormen Wucht gegen die HSG-Abwehr, die vom Siegeswillen zeugte. Besonders Moritz Müller war mit neun Treffern noch vor Florian Caprano (10/3) nicht nur bester Torschütze des TV aus dem Feld, sondern war in den entscheidenden Sequenzen der zweiten Halbzeit auch derjenige, der sich etwas traute. Da gab ein Sonderlob des Trainers. Die letzte Chance genutzt Den allerletzten Strohhalm ergriff die SG STG/DJK Bretzenheim im Auswärtsspiel beim HSV Sobernheim. Durch den 25:21(13:11)-Sieg zog die SG die Gastgeber wie geplant mit in den Sumpf. Die bis auf einen Heimsieg gegen den HC Gonsenheim in der Rückrunde chronisch erfolglosen en Sobernheimer sind bei fünf ausstehenden Partien nur noch drei Punkte voraus. „Ich gehe nicht davon aus, dass die Sobernheimer noch irgend einen Punkt holen“, sieht SG-Trainer Bernd Lochnit nach dem ersten Auswärtssieg der Saison nun eine realistische Chance für sein Team, dem HSV – der übrigens bis heute einziger Besieger des Tabellenzweiten TV Bodenheim ist – den Abstiegsplatz noch abzutreten. Dazu ist die Vorgabe ganz klar: Die anstehenden Partien gegen die HSG Rhein-Nahe II am kommenden Samstag (18 Uhr) und in der Woche drauf beim HC Gonsenheim müssen gewonnen werden, weil dann nur noch das Topduo auf dem Plan steht. Die Rechnung hätten die Bretzenheimer sich sparen können, wenn der Auftritt in Sobernheim nicht erfolgreich geendet hätte. Das wäre ein durchaus denkbares Ende der Partie gewesen, muss Lochnit bekennen, denn es gab wenige Minuten vor dem Ende eine Knockout-Situation für die SG, die die Gastgeber nicht zu nutzen wussten. Beim 20:21-Rückstand der SG konnte der Kreisläufer der Sobernheimer den Ball bei einem Anspiel nicht festhalten, sonst wäre das 20:22 fällig gewesen, „und dann gehen wohl die Köpfe runter“, mutmaßt Lochnit, dass dies die Entscheidung gebracht hätte. Treffer von hinter der Mittellinie So packten die Bretzenheimer das Schicksal beim Schopf und legten einen 3:0-Lauf zur 23:21-Führung hin. Mit der offenen Manndeckung der Sobernheimer gelangen schließlich zwei weitere Treffer zum nur scheinbar überlegenen Erfolg. Aber die beste Szene der Partie war alleine die Punkte wert. Von hinter der Mittellinie traf Ahmet Egilmez Sekundenbruchteile vor der Pausensirene zur 13:11-Führung der SG. Er nutzte die allgemeine Verwirrung aus, als die Schiedsrichter den ersten Anwurf der Bretzenheimer bei dieser Freiwurfsituation zurückgepfiffen hatten und führte die Wiederholung einfach schneller aus, als die HSV-Abwehr samt Torwart zu schalten vermochte. Fix dabei sein – ein Baustein zum Erfolg, auf den die Bretzenheimer besonders auch im Heimspiel gegen die HSG Rhein-Nahe II setzen sollten. Lochnit erwartet, weil das HSG-Oberligateam parallel spielt, dass die Binger eine ganz andere Mannschaft auflaufen lassen müssen als jene, die sich ein Teil der Bretzenheimer Mannschaft in Bodenheim anschaute. Aber immerhin schön, dass seine Spieler inzwischen so heiß auf den Klassenverbleib sind, dass sie selbst Gegnerstudie betreiben. Auch wenn das in diesem Fall wenig Sinn machte. Alle Artikel von Handball