Christian Karn / Peter H. Eisenhuth | 11.05.2020

Zehn Jahre zu früh geboren

Das 05-Kalenderblatt* für den 11. Mai.
Konnte auch grätschen: Mittelfeldtechniker Fabrizio Hayer.
Konnte auch grätschen: Mittelfeldtechniker Fabrizio Hayer. | Bernd Eßling

Mainz. Die 05-Kalenderblätter* waren ein fester Bestandteil der „nullfünf-Mixed-Zone“, die von August 2014 bis Oktober 2017 über den Mainzer Bundesligisten berichtete. Sie griffen Jubiläen, Besonderheiten und Ergebnisse an den jeweiligen Tagen auf. Heute geht es unter anderem um  einen kleinen Techniker, einen furchtlosen Stürmer und ein Spiel, in dem sich Jürgen Klopp verzockte.

 

11. Mai

Am Montag stehen einige Geburtstage an. Der Älteste der Jubilare ist Heinrich Emrich; der Angreifer, der 1949 und 1951/52 in acht Spielen für die 05er ein Tor schoss, wurde vor 95 Jahren geboren.  Sieben Jahre später kam Heinrich Schaum zur Welt. Der Offensivmann wechselte 1959 von den Offenbacher Kickers zu den 05ern und schoss als Halbrechter in 25 Spielen fünf Tore. Bereits 1960 verließ er die Mainzer wieder.

 

51 Jahre alt wird Fabrizio Hayer. Der Mittelfeldtechniker spielte bereits als Zehnjähriger für die 05er, wurde in Kaiserslautern, Karlsruhe und Essen Profi und kam nach dem Mainzer Zweitligaaufstieg 1990 an den Bruchweg zurück. Von 1994 bis 1997 spielte Hayer für Waldhof Mannheim, danach zwei weitere Jahre für die 05er – immer mit dem Handicap, zehn Jahre zu früh geboren worden zu sein: Von der Anlage war Hayer ein Spielmacher, der außer Kopfbällen, dafür war er zu klein, alles konnte. Hayer war wendig, technisch perfekt, ein Tempodribbler mit gutem Passspiel, aus dem Spiel heraus und mit Freistößen torgefährlich.

Im 4-4-2 der 90er Jahre war er als zentraler Mittelfeldspieler, dessen Stärken in den Halbräumen lagen, zu weit vom Tor entfernt. Im 4-2-3-1 der jüngeren Vergangenheit und Gegenwart hätte er mit dem richtigen Verein weit mehr als seine zwei Bundesligapartien für den KSC absolvieren können.

Mit 434 Profispielen in Erster, Zweiter und Regionalliga sowie im DFB-Pokal, davon 182 für die 05er, und 62 Toren kann Hayer aber auch so auf eine sehr ordentliche Karriere zurückblicken. In den vergangenen Jahren betrieb er mit seiner Frau ein Hotel und Restaurant in Heidesheim, seit geraumer Zeit betätigt er sich auch als Hobbyjournalist bei der Bild-„Zeitung“.

 

Daniel Buballa wird 30 Jahre alt. Der Linksverteidiger kam im Winter 2010/11 vom Oberligisten SG Roßbach/Verscheid zu den 05-Amateuren, wurde unerwartet schnell zum Stammspieler und absolvierte in eineinhalb Jahren 43 Regionalligapartien. Danach wechselte er zum Zweitligaaufsteiger VfR Aalen, wo er unter Ralph Hasenhüttl ebenfalls von Beginn an Stammkraft war. Seit 2014 spielt Buballa für den FC St. Pauli; insgesamt kommt er inzwischen auf 207 Zweitligaspiele.

Nebenbei bemerkt: Seine erste Torvorbereitung für die Mainzer Zweite gelang ihm bei einem 1:0-Sieg beim 1.FC Kaiserslautern II; mit einer scharfen Hereingabe provozierte Buballa ein Eigentor. Seinen ersten Treffer in der Zweiten Liga gelang ihm für die Aalener gegen: den FCK.

 

28 Jahre alt wird Jaineil Hoilett. Der Mittelfeldspieler kam 2009 im Zusammenhang mit der erhofften Verpflichtung seines zwei Jahre älteren Bruders David zu den 05ern, als dieser in England keine Arbeitsgenehmigung bekommen sollte und sein Stammverein, die Blackburn Rovers, ihn hätten abgeben müssen. David Hoilett durfte letztlich doch in der Premier League spielen, Jaineil blieb in Mainz, wo er 45 A-Junioren-Spiele (8 Tore) und 43 Regionalligapartien (2 Tore) bestritt. Über die Zweite Mannschaft des FSV Frankfurt kam der jüngere Hoilett zur Saison 2015 zum FC Dallas.

 

Und 27 Jahre alt wird der Krieger aus Chocó, dem Departamento der kolumbianischen Pazifikküste: Jhon Córdoba, der furchtlose Stürmer, der in der Saison 2015/16 als einziger Nicht-Münchner einen Siegtreffer in der Allianz-Arena schoss. Dessen Wucht viele Verteidiger nur mit Fouls abfangen können.

Die 05er holten den jungen Angreifer vor knapp fünf Jahren zunächst auf Leihbasis vom Granada CF; eine Rolle spielte er in Mainz erst mal nicht. Es gab Verletzungsprobleme, gelegentliche Einwechslungen in der Hinrunde, einen ersten eindrucksvollen Startelfeinsatz zum Rückrundenauftakt in Ingolstadt, wo Córdoba mehrere Verteidiger gleichzeitig beschäftigte, was der Rest der Mannschaft allerdings nicht zu nutzen vermochte – und dann verletzte sich Yoshinori Muto. Fortan war Córdoba Stammspieler und zeigte mit fünf Rückrundentoren, dass er in der Bundesliga angekommen war.

In der Zweiten Liga aufgeblüht

Diese Quote hielt er jedoch nicht. Sieben Pflichtspieltore gelangen dem Kolumbianer in seiner zweiten Saison nur, dazu fünf Vorlagen in einer Mannschaft, die grundsätzlich offensiv stark nachgelassen hatte. Der Stürmer neigte dazu, sich zu verzetteln, reagierte nicht cool genug auf die Attacken der Gegenspieler, wirkte stattdessen frustriert und verlor sich im Kleinkrieg gegen Verteidiger und Schiedsrichter.

Nach zwei Mainzer Jahre wechselte Córdoba zum 1.FC Köln – 05-Manager Rouven Schröder sackte dafür bemerkenswerte 17 Millionen Euro ein. Mit dem FC stieg der Kolumbianer (bei 18 Einsätzen und null Treffern) als Tabellenletzter in die Zweite Bundesliga ab. Dort aber blühte er auf und trug mit 20 Toren maßgeblich zur Rückkehr in die Erste Liga bei. In der laufenden Saison war er bei 21 Einsätzen insgesamt zehnmal erfolgreich.

 

Weiterhin ist der Montag der 14. Todestag von Arno Butterweck. Der Mittelfeldspieler, Jahrgang 1941, galt in den späten 1950ern als Toptalent des FSV Mainz 05, entwickelte aber nicht den vollendeten Ehrgeiz, kam daher nicht dauerhaft im Vertragsfußball an und spielte von 1958 bis 1960 nur 13-mal in der Oberliga.

 

Schließlich liegt eines der mysteriöseren Spiele des FSV Mainz 05 genau zwölf Jahre zurück: Am 11. Mai 2008 stieg das Spitzenspiel des vorletzten Zweitliga-Spieltags: 1. FC Köln gegen Mainz 05. Jürgen Klopp setzte überraschend die Stammspieler Elkin Soto, Miroslav Karhan und Srdjan Baljak auf die Bank. Der FC gewann 2:0 und stieg in die Bundesliga auf, die 05er verpassten eine Woche später trotz eines 5:1 gegen den FC St. Pauli den direkten Wiederaufstieg und verloren dadurch ihren langjährigen Trainer, der zu Borussia Dortmund wechselte. Der Hintergrund der ungewöhnlichen Aufstellung wurde nie endgültig aufgeklärt; wahrscheinlich hat Klopp in seinem vorletzten Spiel aber einfach nur übertaktiert und sich damit verzockt.

 

*Mit freundlicher Genehmigung von Jörg Schneider (nullfünf-Mixed-Zone).

 

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