Oberliga Damen | Peter H. Eisenhuth | 03.07.26

Unterschiedliche Schuhe, gleichbleibende Ergebnisse

Eine makellose Bilanz weist Alicia Eberwein nach drei Spieltagen in der Tennis-Oberliga auf. Gegen Viktoria St. Ingbert freute sich der Neuzugang des TSC Mainz mit seinen Kolleginnen über den ersten Mannschaftserfolg in dieser Saison. Laura Shelekhova wendete mit großem Kampfgeist eine Niederlage ab.
Topverstärkung für den TSC Mainz: Alicia Eberwein.
Topverstärkung für den TSC Mainz: Alicia Eberwein. | Bernd Eßling
Fühlte sich unwohl und hatte eine starke junge Gegnerin: Costanza Traversi.
Fühlte sich unwohl und hatte eine starke junge Gegnerin: Costanza Traversi. | Bernd Eßling

Mainz. Zweimal 1:8 verloren, einmal 8:1 gewonnen – und allen drei Begegnungen, die der TSC Mainz in der Tennis-Oberliga der Damen absolviert hat, ist eines gemein: Alicia Eberwein ging nach ihren Einzeln stets als Siegerin vom Platz. Warum läuft es so gut?

„Ich glaube, das liegt an der Mannschaft“, sagt die zu dieser Saison neu an den Ebersheimer Weg gekommene Akteurin. „Ich fühle mich zu Hause und von den Mädels toll supported. Und jetzt versuche ich, so lange wie möglich im Flow zu bleiben.“

In dem machte sie beim ersten Mannschaftserfolg gegen Viktoria St. Ingbert kurzen Prozess mit Finja Kurz, indem sie nur ein Spiel abgab. Tags zuvor hatte sie zum Auftakt des wohl heißesten Doppelspieltags des Jahres deutlich länger arbeiten müssen: Beim Park TC KL-Siegelbach duellierte sie sich mit der ehemaligen TSClerin Sintya Kranig über die volle Distanz, bevor ihr Erfolg mit 7:5, 4:6, 10:7 feststand.

Keine Marotte, sondern Zufall

Wer auf Eberweins Beinarbeit achtet, dem wird auffallen, dass sie in zwei unterschiedlichen Schuhen unterwegs ist. Kein Aberglaube, keine Marotte, sondern Zufall: „Meine Mutter hat mich in den USA angerufen und gefragt, welche Schuhe ich für den Sommer haben will, meine alten waren durchgespielt“, erzählt die „Finance“-Studentin der University of North Carolina. Zwei Paar hatte Mutter Eberwein bestellt, eines wollte sie zurückschicken – „hat aber aus Versehen je einen eingepackt“.

Das fiel erst später auf, störte die Tochter aber nicht, wenngleich sich nicht nur die Farben, sondern auch die Modelle unterscheiden. „Aber es spielt sich gut damit“, sagt ist. „Es ist auch dieselbe Marke.“ Und, noch wichtiger: ein rechter und ein linker Schuh…

Bei allen Unterschieden zwischen amerikanischem Collegetennis und deutscher Medenrunde zieht die 21-Jährige doch eine Parallele: „Der gegenseitige Support ist hier genauso ausgeprägt wie in unserer Hochschulmannschaft. Das hilft mir wahnsinnig.“

Froh, in Mainz zu sein

Früher für den Wiesbadener THC und in den vergangenen beiden Jahren in Hanau aktiv, stieß Eberwein über Sabina Schmidbauer nach Mainz, Elise Barnstedt und ihre neue Mannschaftskapitänin Valentina Urelli Rinaldi kannte sie ebenfalls schon. „Und der TSC ist der einzige Verein in der Gegend der ambitioniert Tennis spielt. Ich bin froh, Hessen verlassen zu haben und nach Rheinland-Pfalz gekommen zu sein.“

Daran änderte weder die Auftaktniederlage in Speyer noch die nicht minder absehbare Klatsche bei den mit drei Rumäninnen und zwei Französinnen besetzten Siegelbacherinnen etwas. „Wir wussten, dass es kaum möglich sein würde, dort zu gewinnen“, sagt Eberwein – der Pflichtsieg gegen Mitaufsteiger Viktoria St. Ingbert soll die Wende eingeleitet und die Weichen in Richtung Klassenverbleib gestellt haben.

Barnstedt macht fast alle Punkte

Ähnlich souverän wie Alicia Eberwein setzte sich Valentina Urelli Rinaldi an dritter Position gegen Tiffany Cornelius durch. Julia Drescher durfte sich nach dem 6:2, 6:4 gegen Franca Krug über ihren ersten Sieg in der Oberliga freuen.

Unnötig schwer tat sich hingegen Elise Barnstedt gegen Claude Nosbusch. Eigentlich gab es schon keinen Grund, die Gegnerin nach 3:0 auf 4:3 herankommen zu lassen und den Satz mit 6:4 zu gewinnen. Noch mehr mühte sich die Mainzerin im zweiten Durchgang, in dem sie unter anderem ein Break zum 2:2 kassierte, weil sie die letzten beiden Ballwechsel mit einer einfachen Vorhand ins Netz und einem Doppelfehler abgab.

Das Problem: Nosbusch musste für ihre Punkte weder Kunst noch Wunder vollbringen, einfach nur den Ball im Spiel halten und auf Barnstedts Fehler warten. Die machte mit ihrer aggressiven, bisweilen zu ungestümen Spielweise mehr oder weniger alle Punkte – für sich und für die Luxemburgerin. Das bessere Ende hatte Barnstedt dennoch für sich, wenn auch erst im Tiebreak.

„Arbeiten, aktiv bleiben!“

Costanza Traversi unterlag der erst 14-jährigen Stella Kober, ebenfalls eine Spielerin aus dem Großherzogtum aus zwei Gründen: Zum einen fühlte sich die neue Italienerin des TSC unwohl, zum anderen spielte ihre auch auf internationalen Jugendturnieren tätige Kontrahentin stark auf.

Eine zweite Mainzer Niederlage wendete Laura Shelekhova dank großen Kampfgeistes ab. Die Nummer zwei der Gastgeberinnen, die am Vortag der Hitze wegen umgekippt und nicht über den ersten Satz hinausgekommen war, lag gegen Laura Palumbo mit 1:6 und 2:3 zurück. Etwa zu diesem Zeitpunkt setzte sich Trainer Babak Momeni auf die Bank außerhalb ihres Platzes und erfreute sich der Wende, die seine Spielerin herbeiführte.

Shelekhova gab im zweiten Durchgang kein Spiel mehr ab, ging im Matchtiebreak mit 7:5 in Führung und befolgte die Anweisung des Coaches: „arbeiten, aktiv bleiben!“. Beim 9:5 grüßten die beiden einander mit erhobener Faust, um den Matchball musste Shelekhova sich nicht mehr kümmern: Den erledigte ihre Gegnerin per Doppelfehler.

 

Zu ihrem nächsten Spiel empfangen die TSC-Frauen am Sonntag (10 Uhr) den HTC Bad Neuenahr.

Bewies ein großes Kämpferherz: Laura Shelekhova.
Bewies ein großes Kämpferherz: Laura Shelekhova. | Bernd Eßling
Tat sich unnötig schwer: Elise Barnstedt.
Tat sich unnötig schwer: Elise Barnstedt. | Bernd Eßling
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Freute sich über ihren ersten Oberligasieg: Julia Drescher.
Freute sich über ihren ersten Oberligasieg: Julia Drescher. | Bernd Eßling
Souverän zum Zweisatzsieg:
Souverän zum Zweisatzsieg: | Valentina Urelli Rinaldi
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