Oberliga | Peter H. Eisenhuth | 30.06.26 Der „Kacktag“ hätte keiner sein müssen Nach 2:4 Einzeln schuppert der TSV Schott in der Tennis-Oberliga gegen den BASF TC Ludwigshafen noch kurz an der Sensation. Am Ende steht allerdings ein 3:6. Elias Peter gewann auch sein drittes Einzel in dieser Oberligasaison. | Bernd Eßling Mainz. Jörg Daum fasste das Ganze in einem Wort zusammen: „Kacktag“. Nicht, dass der Trainer des Tennis-Oberligisten TSV Schott Mainz vor Saisonbeginn einen Sieg am dritten Spieltag gegen den BASF TC Ludwigshafen 2 eingeplant hatte. „Aber als die Gäste ankamen, dachte ich schon, dass etwas drin sein könnte.“ Die Pfälzer schienen schwächer aufgestellt als am Vortag bei ihrem 6:0 gegen den TSC Mainz. Nicht Liam Gavrielides spielte ganz vorne, sondern der zuvor an zweiter Position aufgebotene Yannik Kelm – aber der bescherte den Gastgebern eine unangenehme Überraschung, indem er sich in zwei Sätzen gegen Cyril Vandermeersch durchsetzte. „In der ATP-Rangliste steht Kelm eine ganze Ecke hinter Cyril, aber er hat das fast fehlerfrei runtergespielt“, erkannte Daum die Überlegenheit des Ludwigshafeners an. Dabei habe Vandermeersch keinesfalls eine schwache Leistung geboten, sehr viele Spiele liefen über Einstand, und doch stand am Ende ein 3:6, 1:6. Ausgeprägtes Kommunikationsbedürfnis Steffen Hillenmeier fing im Duell zweier Herren 30 gegen Daniel Baumann gut an, gewann den ersten Satz mit 6:4 „und hätte das Match im zweiten Satz ziehen müssen“, sagte Daum. Zwei Dinge verhinderten dies. Zum einen das an diesem Tag stark ausgeprägte Kommunikationsbedürfnis des Mainzers, der sich auch in Diskussionen mit Zuschauern verwickeln ließ. „Unnötig“, befand der Trainer, „aber es war halt heiß.“ Das wäre vermutlich weniger in die Waagschale gefallen, hätten Hillenmeier seinen Stil konsequent durchgezogen, statt sich an Baumann zu orientieren. Der agierte im zweiten Durchgang sehr viel mit tiefem Slice – „und Steffen hat irgendwann leider mitgeslict“, monierte Daum. „Das kann er aber nicht so gut wie Baumann. Und der hat sehr oft die richtigen Entscheidungen getroffen, Steffen die falschen.“ Die Folge: Hillenmeier gab den zweiten Satz im Tiebreak und den Matchtiebreak mit 6:10 ab. „Schade“, sagte Daum, „diesen Punkt hätten wir gut gebrauchen können.“ Hamacher vom „Aufschlagskiller“ beeindruckt Leer gingen die Gastgeber auch an den beiden hinteren Positionen aus. Sven König war beim 2:6, 0:6 gegen Veit Teubel trotz vieler langer Ballwechsel chancenlos. In der Verbandsliga hatte Fabian Guzik den Ludwigshafener noch mit einer starken Vorstellung bezwungen, „aber diesmal sind die Stärken des einen auf die Schwächen des anderen getroffen. Teubel hat Sven einfach weggedrückt.“ Und Lukas Hamacher erging es gegen den 31 Jahre alten Vincent Schneider wie so vielen Akteuren vor ihm: Bis er sich von dessen Geschwindigkeit nicht mehr beeindrucken ließ, war es zu spät. Zwar spielt Schneider nicht mehr auf dem ganz hohen Niveau früherer Jahre, als er unter anderem 2019 rheinland-pfälzischer Meister wurde (Finalsieg gegen Baumann, im Halbfinale gegen Hillenmeier). Seinen Mörderservice aber, dessentwegen SPORTAUSMAINZ.de ihm seinerzeit die Überschrift „Der Aufschlagskiller“ widmete, hat er sich bewahrt. Die Folge: Hamacher gelang beim 2:6, 4:6 kein einziges Break. „Im zweiten Satz bekam er zwar Zugriff“, konstatierte Daum, „aber Schneider hat sein Spiel zwischen Genie und Wahnsinn stark durchgezogen.“ Sikora trotzt Hitze und Haage Ihren beiden Kollegen an den mittleren Positionen verdankten es die Schottler, wenigstens mit einem 2:4 aus den Einzeln herauszugehen. Elias Peter unterstrich seine blendende Form mit einem problemlosen 6:4, 6:0 gegen Valentin Lösch. Derweil lieferte sich Andre Sikora in einem „50:50-Match“ (Daum) mit dem amtierenden Landesmeister Alexander Haage einen sehr intensiven, langen Fight. Jörg Daum zeigte sich durchaus beeindruckt davon, wie der 37-Jährige sowohl der Hitze als auch seinem nicht mal halb so alten Kontrahenten trotzte und ihn mit 7:6, 4:6, 10:7 niederrang. Ungeachtet dessen galt die Begegnung vor den Doppeln als gelaufen – alle drei ausstehenden Matches zu gewinnen, war so gut wie ausgeschlossen. In der Tat entschieden lediglich Sikora/Peter das Einserdoppel für sich. Und doch hätte der unwahrscheinliche Fall eintreten können. „Wir haben kurz an der Sensationsluft geschnuppert“, sagte der Trainer. Jetzt sollen zwei Siege her Denn: Vandermeersch und der für König ins Team gerückte Guzik gaben den ersten Satz gegen die eingespielte Kombination Baumann/Schneider erst im Tiebreak ab. In dem arbeiteten sich die Mainzer von 1:4 auf 3:4 heran, verloren dann aber ihren Aufschlag. „Wenn sie Satz gewinnen, ist alles möglich“, sagte Daum. „Und dann steigen auch die Chancen im dritten Doppel.“ In dem ging es für Hillenmeier/Hamacher nach 6:7 und 6:1 im dritten Durchgang um nichts Entscheidendes mehr, da die Schott-Niederlage zu diesem Zeitpunkt feststand. Andernfalls hätte statt einem 8:10 auch ein 10:8 folgen können. „Schade, aber grundsätzlich mussten wir ja mit einer Niederlage rechnen“, bilanzierte der Coach. Er hofft am nächsten Wochenende auf zwei Siege, um entspannt in den letzten Doppelspieltag zu gehen: am Samstag in Gensingen und am Sonntag in Neunkirchen. Anzeige Oberliga Anzeige Alle Artikel von Tennis