Oberliga Damen | Peter H. Eisenhuth | 16.07.26 „Saison der verpassten Chancen“ „Zweimal darf das nicht passieren“: Nach Niederlagen gegen den TC Weiler und beim BASF TC Ludwigshafen 2 beenden die Tennisspielerinnen des TSC Mainz die Oberligasaison mit nur einem Sieg auf dem drittletzten Tabellenplatz. Trainer Babak Momeni geht vom Abstieg in die Verbandsliga aus, nimmt aber schon höhere Ziele ins Visier. Alicia Eberwein gewann fünf ihrer sechs Einzel. Just gegen den TC Weiler riss ihre Serie. | Archiv/Eßling Mainz. „Einen Spieltag“, sagt Babak Momeni, „kann man mit 4:5 verzocken. Zweimal darf das nicht passieren.“ Genau dieser Fall aber trat am vorletzten Oberligaspieltag bei den Frauen des TSC Mainz ein. Eine Woche nach der so knappen wie selbstverschuldeten Niederlage gegen den HTC Bad Neuenahr wiederholte sich die Geschichte in leicht abgewandelter Form gegen den TC Weiler. In der avancierte Alicia Eberwein zu einer Art tragischer Heldin. Die vor der Saison neu zum Team gestoßene Wiesbadenerin hatte zuvor alle Einzel gewonnen und tat dies auch tags darauf (als einzige) bei der Niederlage in Ludwigshafen. Just gegen die bis dahin punktgleichen rheinhessischen Konkurrentinnen aber riss die Serie. Mit 6:1, 2:6, 3:10 unterlag sie Carmelle Vial. „Gegen diese Gegnerin darf Alicia nicht verlieren, das wusste sie auch – aber das hat sie eher nervös als selbstsicher gemacht.“ Mit 4:2 wäre es ein Selbstläufer geworden Eberweins Probleme begannen im zweiten Satz, als Vial die Bälle nur noch hoch und lang ins Feld spielte. Ein legitimer Ansatz, den die Französin sehr solide durchzog, derweil Eberwein die Ideen fehlten, damit umzugehen. „Alicia hat zu viel ausprobiert“, konstatierte der Trainer. „Wenn sie das Match gewonnen hätte, wäre es bei 4:2 Einzeln ein Selbstläufer geworden.“ Dann hätte dem TSC der eine Sieg im Doppel genügt, der letztlich hinzukam. So aber half es nichts, dass die erstmals in dieser Saison in der Ersten Mannschaft eingesetzte Hannah Müller sich im Matchtiebreak durchsetzte, dass Kapitänin Valentina Urelli Rinaldi ihre Bilanz mit dem dritten Erfolg ausglich und Elise Barnstedt sich gegen Hannah Smith für ihre Niederlage bei den Rheinland-Pfalz-Meisterschaften revanchierte. Die Neuauflage währte nur einen Satz, den Barnstedt im Tiebreak gewann, danach gab die Ex-TSClerin auf, „aber dieser eine Satz hat anderthalb Stunden gedauert“, hob Momeni hervor. „Volles Rohr umgesetzt“ „Elise hat toll gekämpft und stark gespielt“, sagte er und bezog das Match in Ludwigshafen ein, in dem Barnstedt gegen Mara Dammann nach verlorenem erstem Satz den zweiten dominierte. „Ich hatte ihr gesagt, was sie ändern muss, etwas höher auf die Rückhand spielen, und sie hat das volles Rohr umgesetzt.“ Den Matchtiebreak gab Barnstedt jedoch mit 4:10 ab. „In den entscheidenden Situationen muss sie noch einen Tick reifer werden“, wünscht sich der Trainer, „dafür kann ihr die nächste Collegesaison helfen.“ In seinem Resümee spricht Momeni von einer „Saison der verpassten Chancen. Wir hatten alles selbst in der Hand. Wäre nur eine der beiden engen Begegnungen mit 5:4 an uns gegangen, würden die Klasse halten. So rechne ich damit, dass wir nächstes Jahr wieder in der Verbandsliga spielen müssen.“ Stärkere Nummer eins benötigt Vor dem Abstieg bewahren könnte die Mainzerinnen nur der TC Weiss-Rot Speyer, der als Meister in die Aufstiegsspiele zur Regionalliga geht. Gelingt den Pfälzerinnen der Sprung nach oben, müssen nur zwei Klubs eine Liga runter; das wär neben dem TC Trier, der seine Mannschaft kurz vor Saisonbeginn abgemeldet hatte, der sieglos gebliebene Aufsteiger Viktoria St. Ingbert. Die Entscheidung wird am 8. August fallen. Mit einer solchen Entwicklung hatten sie am Ebersheimer Weg nicht gerechnet, der Kader schien stark genug besetzt zu sein, um einen Mittelfeldrang zu belegen. In der jetzigen Konstellation sei die Mannschaft für die Verbandsliga zu stark, und für die Oberliga zu schwach. Um dort zu bestehen, bedarf es einer stärkeren Nummer eins – „eine Eins, die nicht nur dafür sorgt, dass alle anderen nach hinten rücken, sondern die auch Spiele gewinnt“. Regionalliga als mittelfristiges Ziel Dass war Neuzugang Costanza Traversi an keinem der sechs Spieltage gelungen. „Sie ist ein super Mädchen, eine tolle Mannschaftsspielerin und war sofort ins Team integriert. Sie hatte es auch nicht immer leicht mit ihren Gegnerinnen“ – an den beiden letzten Spieltagen aber bekam sie es mit schlagbaren Kontrahentinnen zu tun. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass Hannah Müller das Spiel an eins gegen Weiler gewonnen hätte“, sagte Babak Momeni – allerdings gab es die Option nicht, die langjährige Kapitänin gegen die Litauerin Iveta Dapkute aufs Feld zu schicken. Gemäß der Meldeliste durfte sie bei dieser Besetzung nur an sechster Position spielen. In Depression versinkt der Trainer dennoch nicht. Im Gegenteil: Er blickt nicht nur voraus, sondern nach oben. Sollte die Mannschaft tatsächlich in die Verbandsliga müssen, sei der sofortige Wiederaufstieg das Ziel. Und zurück in der Oberliga, seien die noch jungen Spielerinnen gereifter, erfahrener – „und dann schauen wir, ob wir die Klasse halten wollen oder mehr anstreben: mit Verstärkung die Regionalliga ins Auge zu fassen“. Hannah Müller steuerte an sechster Position einen Punkt bei. | Archiv/Eßling Anzeige Babak Momeni kann moit dem Saisonverlauf nicht zufrieden sein. | Archiv/Eisenhuth Alle Artikel von Tennis