Bundesliga | gert adolphi | 29.10.17

„Da spürt man die Blicke“

Ali Can Cakici geht erstmals in der Bundesliga auf die Matte.
In der Rolle des Zuschauers war diesmal nur Vater Kayhan Cakici (M.). Ali Can Cakici (rechts davor) gab gegen die RKG Freiburg sein Bundesligadebüt.
In der Rolle des Zuschauers war diesmal nur Vater Kayhan Cakici (M.). Ali Can Cakici (rechts davor) gab gegen die RKG Freiburg sein Bundesligadebüt. | Archiv/Willwacher

Nackenheim. Ali Can Cakici hat mit seinem Vater gleichgezogen – zumindest, was die Auftritte als Ringer betrifft. Der 19-Jährige bestritt am Samstagabend für den SV Alemannia Nackenheim gegen die RKG Freiburg seinen ersten Bundesligakampf. Dass er gegen den zweimaligen Deutschen Meister Kevin Henkel keine Chance hatte und technisch überhöht verlor – geschenkt.

„Das war trotzdem mit Abstand der spaßigste Kampf, den ich je hatte“, sagte er hinterher. „Ich gehe nicht in der Bundesliga auf die Matte, um zu gewinnen, daran verschwende ich keinen Gedanken. ich will lernen. Und mein Gegner war super gut.“

Was er gegen einen Mann wie Henkel ausrichten kann? „Solange wie möglich durchhalten, alles auskämpfen, was geht“, sagte Cakici, „vielleicht auch mal selbst einen Angriff starten.“ Dazu aber habe ihm bei seinem Bundesligadebüt noch der Mut. „Einmal habe ich es versucht, aber da war nichts Halbes und nichts Ganzes. In anderen Situationen habe ich mich nicht getraut, ich war eher darauf fixiert zu verteidigen.“ Immerhin: Aus zwei, drei gefährlichen Situationen habe er sich befreit.

Der Fußballzweig der Ringerfamilie

Auch Kayhan Cakici war bei seinen raren Einsätzen in der höchsten Klasse ohne Sieg geblieben. Doch die beiden schlagen ja ohnehin ein wenig aus der familiären Art: Während Kayhan Cakicis Brüder und deren Söhne sich ausschließlich – und sehr erfolgreich – dem Ringen verschrieben haben, sind Ali Can und sein Vater in erster Linie Fußballer.

Kayhan Cakici schaffte es in seiner aktiven Zeit bis in die Oberliga, die damals noch die dritthöchste deutsche Spielklasse war; auch ein DFB-Pokalspiel steht in seiner Vita. Unter Thomas Oral war er Kotrainer beim FSV Frankfurt, RB Leipzig und beim Zweitligisten FC Ingolstadt. Seine erfolgreichste Cheftrainerstation war der TSV Schott Mainz, den er von der Verbands- in die Oberliga sowie ins Verbandspokalfinale führte; parallel dazu bewahrte er die Schott-Frauen vor einem drohenden Zweitligaabstieg. Derzeit trainiert Cakici die TuS Marienborn, mit der er in seiner ersten Saison in die Landesliga zurückgekehrt, wo der Aufsteiger derzeit an der Spitze steht. Zum Kader gehört auch Ali Can.

Der Onkel entscheidet

Natürlich ließ sich Kayhan Cakici die Bundesligapremiere seines Sohnes auf der Matte nicht entgehen. „In dieser Saison hat er Bock zu ringen“, sagte er. „Er macht seine Sache hervorragend, er ist immer im Training. In ein, zwei Jahren ist er so weit, dass er auch Kämpfe gewinnen kann.“

Das kann Ali Can auch jetzt schon, allerdings nicht in der Bundesliga. In der Zweiten Mannschaft der Nackenheimer hat er in der Verbandsliga sieben von neun Duellen für sich entschieden, der Einsatz am Samstagabend war die Belohnung dafür. Und das war etwas ganz Besonderes für ihn. „Vor 300 Zuschauern auf die Matte zu gehen – da spürt man die Blicke.“

Ob es noch mehr Kämpfe in der Ersten Liga werden? Ali Can Cakici weiß es nicht. „Das wird der Trainer entscheiden. Also, mein Onkel.“

 

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