Verbandsliga | Gert Adolphi | 09.03.14

Wie ein Testspiel eines Bundesligisten gegen ein Amateurteam

Mit einem locker herausgespielten 6:1 (4:0)-Erfolg gegen die SG Blaubach-Diedelkopf ist der TSV Schott Mainz in die Rest-Rückrunde gestartet. Angesichts der Deutlichkeit spielte auch die mangelhafte Chancenverwertung keine Rolle.
Erzielte das 5:0, allerdings mit dem Fuß: Preston Zimmerman.
Erzielte das 5:0, allerdings mit dem Fuß: Preston Zimmerman. | Eva Willwacher

Gonsenheim. Zehn Minuten vor dem Schlusspfiff trudelte bereits das Endresultat aus der Nachbarschaft ein. Das war dann eigentlich schon wichtiger als das laufende Spiel von Spitzenreiter TSV Schott Mainz gegen die SG Blaubach-Diedelkopf. Fortuna Mombach, wenn überhaupt der noch einzige Titelkonkurrent in der Fußball-Verbandsliga, war gegen den FV Dudenhofen nicht über ein 2:2 hinausgekommen. Damit hat der TSV Schott sein Polster auf den Verfolger auf neun Punkte ausgebaut. „Wenn wir diesen Vorsprung in den nächsten vier Spielen halten, ist das ein Meilenstein“, sagte Trainer Ali Kayhan Cakici. Sein Team hatte die erste Aufgabe des Jahres Aufgabe locker gelöst – die Gäste waren mit der 1:6 (0:4)-Niederlage noch sehr gut bedient.

Spätestens nach dem 2:0 war die Begegnung zu einem Trainingsspiel mutiert. Dreimal hatten die Blaubacher in kurzer Folge auf oder kurz vor der Linie Schüsse geblockt. Dann fiel der Ball vor die Füße des aufgerückten Innenverteidigers Nenad Simic, der aus zwölf Metern die Lücke fand (24.). Was folgte, ähnelte einer Testpartie gegen einen etliche Klassen tiefer angesiedelten Gegner in der ganz frühen Vorbereitungsphase.

Befreiungsschläge kamen nicht weit

Wie beim Aufwärmen schoben sich die Mainzer in Kleingruppen den Ball zu und ließen den Gegner hinterherlaufen. Abwechselnd riss der TSV die gegnerische Abwehr mit Diagonalbällen auf und kombinierte sich über außen oder die Mitte in den Strafraum. Das Spiel fand fast ausschließlich in der Blaubacher Hälfte statt. Simic und sein Innenverteidigungspartner Nils Döring standen kurz hinter der Mittellinie und beförderten jeden Befreiungsschlag der Gäste zurück ins Getümmel, wo sich oft zehn Blaubacher im und um den eigenen Strafraum versammelten, um Schlimmeres zu verhindern.

„Wir hätten natürlich zweistellig gewinnen müssen“, sagte Cakici. „Wir haben aber heute einen solchen Gegner gebraucht, um alle Programme wieder hochzufahren. Es war wichtig, den Einstieg zu bekommen. Es war ein gutes Spiel von unserer Seite, aber nicht die optimale Vorbereitung für die Spiele gegen starke Gegner. Wir wissen, dass wir noch zulegen müssen.“ So, wie der Schott-Trainer die Partie lediglich unter der Rubrik „Vorbereitung“ ablegte, ordnete auch sein SG-Kollege die Begegnung schlicht als Trainingsspiel ein. „Für uns war das heute eine zusätzliche taktische und läuferische Einheit“, sagte Sascha Schnell. „Wir wollten ein frühes Gegentor vermeiden. Aber nach dem 0:2 war nichts mehr zu wollen.“ 

Führung mit der ersten Gelegenheit erzielt

Den Schottlern kam zugute, dass sie gleich mit ihrer ersten Chance in Führung gegangen waren. Nach einem weiten Einwurf in den Strafraum geriet der Klärungsversuch der Blaubacher zu kurz. Der Ball wurde wieder in den 16er geköpft, Andrey Ribeiro verlängerte ebenfalls mit dem Kopf, und Gästekeeper Florian Loew war zum ersten Mal geschlagen (5.). Nur danach leisteten sich die Mainzer eine kurze Phase des Leichtsinns und der Unaufmerksamkeit. Torwart Patrick Manthe sah sich einem freien SG-Spieler gegenüber, versuchte vor dem Strafraum zu klären, wurde aber ausgespielt. Die brenzlige Situation wurde geradeso noch bereinigt (7.). Dieser kurze Schreckmoment schärfte die Sinne der Gastgeber. Ab der zehnten Minute hatten sie alles im Griff und bauten Dauerdruck auf. 

Chancen für den TSV gab es in Hülle und Fülle. Bei Can Özers Schuss hatten die Zuschauer den Torschrei schon auf den Lippen, doch der Ball prallte von der Lattenunterkante an den Pfosten und von dort zurück ins Feld (30.). Markus Kreuz hatte kurz nach der Pause ein fertiges Tor auf dem Fuß, aber von der Innenseite seines Stiefels sprang der Ball über das leere Tor. Mehrfach wurden Schüsse der Mainzer im letzten Moment geblockt. In einer knapperen Begegnung wäre diese Chancenausnutzung ein Thema geworden – gestern aber fielen genügend Treffer, um über vergebene Möglichkeiten großzügig hinwegzusehen. 

Gäste bejubelten noch den Ehrentreffer

Nicklas Schlosser erzielte nach einem öffnenden Seitenwechsel mit einem satten Schrägschuss das 3:0 (31.), Kreuz ließ im Strafraum zwei Gegenspieler stehen und erhöhte noch vor der Pause. Nach dem Wechsel übertrieben die Gastgeber ab und an die Schönspielerei. Zwei Tore erzielten die Schottler trotzdem noch. Özer nutzte einen Abspielfehler in der Gäste-Abwehr und legte für Preston Zimmerman auf, der trocken vollstreckte (59.), Döring köpfte nach Kreuz-Ecke das 6:0 (78.). Es passte ins Bild, dass die Blaubacher ihren Ehrentreffer tatsächlich noch bejubelten. Viktor Luks beförderte den Ball von der rechten Außenbahn aus gut 35 Metern als Heber über Torwart Patrick Manthe hinweg ins Netz. So freuen sich Amateurmannschaften, wenn sie im Testspiel gegen einen Bundesligisten ein Tor erzielen.

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