Regionalliga | Peter H. Eisenhuth | 05.10.17 „Nicht konkurrenzfähig“ Selbst sein schwächstes Heimspiel in dieser Saison hätte der TSV Schott nicht verlieren dürfen. Beim 0:1 gegen Wormatia Worms kamen mehrere Probleme zusammen. Benjamin Maas (l.) erzielt mit diesem Freistoß, der rechts oben einschlagen wird, das einzige Tor des Abends. | Bernd Eßling Diesmal auf der Zehn: Stephane Eba Eba beteiligte sich am Auslassen bester Torchancen... | Bernd Eßling Zweiter Einsatz: Masashi Sakai ist nach langer Verletzungpause noch nicht richtig in der Regionalliga angekommen. | Bernd Eßling ...ebenso wie Janek Ripplinger. | Bernd Eßling Aus einem Meter Entfernung bekam Ilias Soultani den Ball beim Befreiungsschlag von Wormatia-Verteidiger Benjamin Maas an den Kopf geschossen, spielte aber mit Brummschädel weiter. | Bernd Eßling Der Ball ist weg, die Punkte sind es auch: Arif Güclü und der TSV Schott konnten dem Sieg in Frankfurt keinen zweiten folgen lassen. | Bernd Eßling Mombach. Sascha Meeth mochte die Leistung seiner Mannschaft nicht schönreden, und er mochte sie auch nicht schönreden lassen. Dass sein Kollege Steven Jones, der Trainer von Wormatia Worms, dem TSV Schott Mainz am Mittwochabend Komplimente machte und bescheinigte, in der Liga mithalten zu können, freue ihn zwar, „weil ich weiß, dass Steven das ernstmeint“, sagte der Coach des Aufsteigers. „Aber heute waren wir nicht konkurrenzfähig.“ Sonst wäre es vier Tage nach dem ersten Saisonsieg beim FSV Frankfurt nicht zu dieser ernüchternden 0:1 (0:1)-Niederlage im Rheinhessenderby gekommen. Die Gründe für das unnötige, weil gegen eine ebenfalls wenig überzeugende Wormatia zustande gekommene Resultat waren vielschichtig. Meeth fasste sie unter einem Leitmotiv zusammen: „Weil wir platt waren.“ Dahinter verbargen sich diverse Facetten, Meeth nahm später auch noch Differenzierungen vor – und letztlich ließ sich auch nicht alles damit erklären. Wo also lagen die Probleme der Gastgeber an diesem Abend? Da war zum einen die Personalsituation, über die in den vergangenen Wochen immer wieder geredet werden musste. Längst sehen die Verantwortlichen davon ab, über die langfristigen Ausfälle zu klagen; dass diesmal aber auch noch sowohl Innenverteidiger Nenad Simic und Sechser Manuel Schneider lediglich für den allergrößten Notfall auf der Bank saßen, rang dem Trainer hinterher einen Seufzer ab. Er sei sich sicher, dass die Sache schon anders ausgesehen hätte, wenn auch nur einer der beiden Routiniers hätte mitwirken können. Sehr wahrscheinlich hatte er Recht. Denn wäre Schneider auf seiner Position neben Necmi Gür aufgelaufen, hätte dort nicht Masashi Sakai über 90 Minuten agieren müssen. Der Japaner mühte sich redlich in seinem zweiten Meisterschaftsspiel nach langer Verletzungspause, brauchte aber noch zu viel Führung von außen, um selbst Impulse setzen zu können. Ein Einsatz Simic‘ hätte Jan Just aus dem Abwehrzentrum wieder auf die rechte Außenbahn gebracht – was insofern bedauerlich gewesen wäre, als der ungelernte Innenverteidiger der beste Mann aller Mitwirkenden beider Mannschaften war. Rechts aber tat sich eine große Baustelle auf: Außenstürmer Leon Kern war weder offensiv noch in der Arbeit gegen den Ball im Spiel, und mit den Wormser Angriffen auf dieser Bahn war Rechtsverteidiger Joshua Iten ohne die Unterstützung des Vordermannes überfordert, dabei aber noch im Glück: Seine Fehler blieben folgenlos. Kern fehlt der Rhythmus... Dass Kern noch vor der Pause Platz für Ilias Soultani machen musste, hatte ihn offensichtlich getroffen. „Er hat mich in der Halbzeit gefragt: ,Warum ich?‘“, berichtete Sascha Meeth später und hängte die explizit vorwurfsfreie Antwort gleich an: „Leon ist seit über einem Jahr ohne Spielrhythmus, er hat in dieser Saison verletzungsbedingt mehr Spiele verpasst als gemacht.“ Ihn unter diesem Umständen in die Startelf zu stellen, „da war der Wunsch der Vater des Trainergedankens“. Kern müsse langsam aufgebaut und Schritt für Schritt an die Belastung herangeführt werden, nicht von heute auf morgen. „Ich muss an der Stelle aber auch fragen, inwieweit sich unsere Vorstellung verbessert hat, als Ili Soultani oder später Edis Sinanovic auf dem Feld waren“, grantelte Meeth. ...der Offensive die Mentalität Womit wir an einem Punkt wären, der den Verantwortlichen des Aufsteigers die größten Sorgen machen muss: der Mentalität der Offensivabteilung. In der vorigen Saison waren die Schottler ihren Gegnern in der Regel mannschaftlich und individuell überlegen, gerade im Angriff ließen sich viele Dinge spielerisch lösen. Seit dem Aufstieg jedoch sind die gegnerischen Hintermannschaften von anderem Kaliber, da reichen das alte Tempo und die früheren Körpertäuschungen nicht mehr aus. Das bekommt derzeit vor allem Janek Ripplinger mit ungeahnter Wucht zu spüren – im Aufstiegsjahr Torschützenkönig der Klasse, wartet er jetzt nach elf Einsätzen noch auf seinen erste Treffer. Widerstände überwinden lernen Auch gegen die Wormatia war der Stürmer wieder in Situationen, in denen es einzig eines beherzten Abschlusses bedurft hätte und: zögerte, bis der Gegner einschritt. In anderen Aktionen mangelte es ihm in Laufduellen und Zweikämpfen an einer Überzeugung ausstrahlenden Körpersprache. „Janek war ein sehr guter Oberligastürmer“, sagt Sascha Meeth. „Dass er ein guter Regionalligastürmer ist, hat er noch nicht bewiesen.“ Um es mit den Worten des einstigen TV-Fahnders Eduard „Aktenzeichen xy“ Zimmermann zu sagen: Leider kein Einzelfall. Auch den jungen, technisch begabten Sinanovic und Soultani geht der Biss ab, Widerstände mit Gewalt zu überwinden, wenn der Akku leer ist. Stephane Eba, am Mittwoch als Zehner eingesetzt, ließ allerbeste Torchancen ungenutzt. Dagegen verdiente sich Arif Güclü fast noch die besten Noten aller Mainzer Offensivleute. Spielerisch zwar limitierter als die genannten Kollegen, kniete sich der Matchwinner vom Freitag zumindest in jeden Zweikampf hinein und gab keinen Ball einfach verloren, zumindest solange die Luft reichte, was nach spätestens einer Stunde zum Problem wurde. Just und Nebenleute zeigen, worauf es ankommt Wie man solche Spiele angehen muss, das lebte allen voran Jan Just, aber auch seine Nebenleute Marco Senftleben, Nicklas Schlosser und Vordermann Necmi Gür vor. „Unsere Defensivleute reißen sich den Arsch auf, um uns im Spiel zu halten, und vorne lassen wir es so dahinplätschern“, stellte Meeth fest. Widerspruch war nicht angebracht. „Vielleicht haben uns heute wieder die fünf Prozent gefehlt“, über die wir in den letzten Monaten schon öfter geredet haben“, sagte Necmi Gür. „Das war sicher nicht unser bestes Heimspiel, aber wir hätten es trotzdem nicht verlieren müssen.“ Beim Freistoßtreffer von Benjamin Maas in der 19. Minute gab es für Torwart Niklas Reichel nichts zu halten; auf der anderen Seite hatte Eba Eba Pech, dass der Wormser Keeper Steve Kroll seinen Freistoß aus ähnlicher Position gerade noch über die Latte lenkte (35.). Ansonsten: 13. Minute: Eba Eba zieht nach einem Antritt ein Foul vor dem Strafraum samt Gelber Karte, hätte die Vier-gegen-Drei-Überzahl aber cleverer ausspielen können. 14. Minute: Nach langem Pass von Ripplinger geht Eba Eba halblinks auf und davon, zieht in den Strafraum, bringt aber nur einen schwachen Abschluss zustande. 23. Minute: Ricky Pinheiro köpft aus knapp einem Meter Entfernung übers Mainzer Tor. 27. Minute: Eba Eba vergibt die riesige Ausgleichschance, als er nach Pass von Nicklas Schlosser aus 15 Meter freie Schussbahn hat, den Ball aber übers Tor jagt. 38. Minute: Kern vergibt die riesige Ausgleichschance, als er einen Kopfball aus fünf Metern Entfernung nicht ins Tor drückt, sondern mit der Stirn am langen Pfosten vorbeistreichelt. 43. Minute: Der Wormser Jan-Lucas Dorow schließt einen Konter mit einem Volleyschuss knapp über die Latte ab. 57. Minute: Ripplinger bekommt den Ball im Fünfmeterraum vor die Füße, schießt aber nicht. 64. Minute: Reichert hält einen Flachschuss von Pinheiro aus acht Metern. 65. Minute: Ripplinger nimmt einen Drehschuss aus neun Metern Entfernung, ein Verteidiger steht im Weg. 70. Minute: Der vielleicht schönste Schott-Angriff: Gür schickt Ripplinger, der passt von halbrechts quer durch den Strafraum zu Sinanovic, der gegen die Laufrichtung des Torwart schießen müsste, sich aber fürs kurze Eck entscheidet und deshalb nur eine Ecke herausholt. 74. Minute: Die Wormser kontern über den Ex-05er Johnny Zinram, dessen Flanke Pinheiro zu einer gefährlichen Direktabnahme nutzt. 77. Minute: Ein Sinanovic-Schrägschuss würde neben den rechten Pfosten passen, wird aber zur Ecke abgefälscht. 90. Minute: Reichel verhindert das sichere 0:2 durch Zinram. „In der zweiten Halbzeit haben wir keinen Druck mehr auf den Gegner bekommen und sehr tief gestanden“, sagte Wormatia-Trainer Steven Jones. Daraus sprach die Erleichterung, trotz der Feldüberlegenheit und der größeren Anzahl von Torchancen des TSV Schott ohne Gegentor davongekommen zu sein. Über Ähnliches durften sich schon zu viele Gegner des Aufsteigers freuen. Das müssen die Mainzer zwingend abstellen. Sonst wird das Prädikat „nicht konkurrenzfähig“ nicht mehr nur über der Leistung vom Mittwochabend, sondern über der gesamten Saison stehen. Mehr aktuellen Sport aus Mainz lesen Sie hier. Alle Artikel von Fußball (Amateure)