Verbandsliga | Peter H. Eisenhuth | 08.03.14

Schon jetzt die Grundlagen für Oberligafußball legen

Am Aufstieg des TSV Schott Mainz zweifelt in der Fußball-Verbandsliga eigentlich niemand. Auch nicht der Tabellenführer selbst. Trainer Ali Kayhan Cakici arbeitet schon jetzt auch an den zwischenmenschlichen Grundlagen.

Gonsenheim. Wenn Thomas Eberhardt das Meisterschaftsrennen in der Fußball-Verbandsliga Südwest schon jetzt zugunsten des TSV Schott Mainz für entschieden erklärt, ist das kein Understatement. Nein, der Trainer des Tabellenzweiten Fortuna Mombach orientiert sich schlicht an den Fakten: Der Nachbar von der Karlsbader Straße geht morgen mit sieben Punkten Vorsprung in die Rest-Rückrunde, hat den besten, erfahrensten Kader aller Kontrahenten und im bisherigen Saisonverlauf auch den überzeugendsten Fußball gespielt.

Was also soll da noch passieren? „Ich hoffe, nicht viel“, sagt Ali Kayhan Cakici, der Schott-Trainer. „Wir gehen nicht mit der Einstellung in die nächsten Spiele, jeden Gegner wegzuhauen, sondern wir wollen versuchen, weiter unsere Philosophie zu pflegen, attraktiven Fußball zu spielen und unseren Vorsprung zu halten.“ Zweifelsohne werde seine Mannschaft hin und wieder Punkte liegen lassen, „aber das passiert anderen auch. Unterm Strich wollen wir deutlich vorne bleiben“.

Und nicht nur das. Cakici arbeitet mit seinem Trainerteam und dem Kader schon jetzt an den Grundlagen für die kommende Saison, dann, so hoffen und glauben sie auch beim TSV Schott, in der Oberliga. „Wir sind nicht blauäugig“, sagt Cakici, „wir wissen, dass wir uns nach einem Aufstieg weiterentwickeln müssen. Es geht für uns nicht nur um den Aufstieg, sondern um die Fähigkeit, Oberliga zu spielen. Die Basis dafür schaffen wir jetzt, in unserer Denkweise, in unserer Arbeit. Das macht jeder in dem Rahmen, den wir zur Verfügung stellen.“

Für Cakici, der gegen Ende des vergangenen Jahres auch mal wieder einen Abstecher auf die Ringermatte gemacht hatte, zählt im Fußball nur das Kollektiv. „Ich weiß nicht, welcher Spieler von uns wie viele Tore geschossen hat“, versichert er, „und es interessiert mich auch nicht. Worauf es mir ankommt, sind Spieler, die nicht sich selbst belohnen wollen, sondern die andere starkmachen. Zwischenmenschlich und sportlich.“

Wer bei diesem Ansatz nicht mitzieht, kann gehen. Beziehungsweise muss. Wie Mustafa Yilmaz, zu Saisonbeginn aus der A-Jugend in die Erste Mannschaft gekommen, viel gelobtes Talent des TSV Schott. „Er ist tatsächlich ein überdurchschnittlicher Fußballer“, sagt Cakici, „seine Leistung ist top, er kann auch Regionalliga spielen.“ Die anderen Kriterien hingegen hätten nicht gepasst, der 19-Jährige war offenbar zu sehr auf seine eigene Leistung fixiert. „Deshalb habe ich ihn mitten in der Vorbereitung entlassen.“

Wenn Ali Kayhan Cakici vom Kollektiv, der Familie im Verein spricht, beschränkt er dies nicht nur auf den Verbandsligakader samt Funktionsteam, sondern denkt Mannschaften übergreifend. Dass sich die Verbandsligakicker zuletzt im Training den Platz mit der A2-Jugend teilen musste, „wäre für andere vielleicht eine Not gewesen, für uns war es eine Tugend.“ Sein Kotrainer Benno Graci zum Beispiel half beim Nachwuchs aus. „Man muss sich immer wieder neu erfinden“, sagt Cakici. Das tun wir auch im Trainerteam, wir haben eine super Kommunikation. Wir leben das, was wir reden.“

Am Sonntag um 15 Uhr empfängt der TSV Schott übrigens die SG Blaubach/Diedelkopf. Es soll der erste Mosaikstein für eine vernünftig zu spielende Rückrunde sein. Es wird wohl der nächste sportliche Schritt auf dem Weg in die Oberliga werden.

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