Bundesliga | Peter H. Eisenhuth | 08.11.2020

Trübsal blasen hilft nicht weiter

Bei aller Enttäuschung und trotz mancher Unzulänglichkeiten gab es beim 2:2 gegen den FC Schalke 04 auch Aspekte, die dem FSV Mainz 05 Mut machen können. Die herausgespielten Torchancen gehören ebenso dazu wie ein Auftritt, der Identifikationsdiskussionen entgegenwirkt. Und dann gibt es noch einen Präzedenzfall im Kampf gegen den Abstieg.
Wie alle 05er war auch Danny Latza nach dem 2:2 gegen den FC Schalke 04 enttäuscht. Der Mainzer Kapitän handelte sich zudem die fünfte Gelbe Karte ein.
Wie alle 05er war auch Danny Latza nach dem 2:2 gegen den FC Schalke 04 enttäuscht. Der Mainzer Kapitän handelte sich zudem die fünfte Gelbe Karte ein. | Marcel Lorenz/rscp-photo

Mainz. Die 82. Minute im Spiel des FSV Mainz 05 gegen den FC Schalke 04 war prädestiniert, um sich an die weisen Worte eines Weltmeisters von 1990 zu erinnern. ​„Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß“ lautet eines der Zitate, mit denen Andreas Brehme sozusagen in die Analen der Fußballersprüche eingegangen ist, und sollte Jeremiah St. Juste auch weder den Namen Brehme noch dessen Ausspruch jemals gehört haben: Am Samstagnachmittag dürfte der Mainzer Innenverteidiger sich genauso gefühlt haben, als sein Torwart Robin Zentner in eine knapp über der Grasnarbe fliegende Hereingabe sprang, den Ball aber nur abwehren konnte. Und zwar an St. Justes linkes Knie, von wo aus er knapp neben dem Pfosten ins Netz sprang.

Irgendwie passte das zu der Situation, in der sich die Rheinhessen befinden. Das Eigentor des Niederländers brachte sie letztlich um den möglichen Sieg, es wäre der erste in dieser Bundesligasaison gewesen. Entsprechend groß war die Enttäuschung beim Tabellenletzten nach dem 2:2. „Man spürt, dass es sich für uns wie eine Niederlage anfühlt“, gab Sportvorstand Rouven Schröder die Stimmungslage wieder.

Die war insofern nachvollziehbar, als Jean-Philippe Mateta mit der letzten Aktion der ersten Halbzeit, kurz nach seinem Elfmeter zum 2:1 (dem 29., den die 05er hintereinander verwandelt haben), den dritten Treffer hätte nachlegen müssen. Schalke-Keeper Frederik Rönnow, reagierte beim Schuss des Franzosen zwar großartig, die Fußabwehr aber hätte der Stürmer ihm gar nicht erlauben dürfen. Und sowohl Mateta als auch Jonathan Burkardt vergaben nach dem Seitenwechsel in Eins-gegen-eins-Situationen mit dem Torwart die Chancen zum 3:1.

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Burkardt nennt Unentschieden gerecht

Nichtsdestotrotz hatte Burkardt recht, der als einziger der befragten Mainzer eingestand: „Über die gesamte Spieldauer war das Unentschieden gerecht.“ Zum einen, weil zwischen dem frühen 1:0, das Daniel Brosinski ebenfalls per Strafstoß erzielt hatte, bis in die Nachspielzeit der ersten Halbzeit die Schalker das Geschehen bestimmten und ihrerseits Großchancen ausließen. Zum anderen, weil wohl nicht jeder Schiedsrichter den zweiten Elfmeter gegeben hätte.

Ozan Kabaks rechter Arm war im Laufduell mit Mateta zwar draußen – aber für den linken des Mainzers galt das ebenfalls, und dessen Hand befand sich im Gesicht des Schalkers. Verständlich, dass S04-Trainer Manuel Baum auch noch eine knappe Stunde nach Spielschluss mit Referee Patrick Ittrich haderte. Verständlich auch, dass sowohl er als auch sein Mainzer Kollege Jan-Moritz Lichte ihre Mannschaft näher am Sieg wähnten.

Angesichts ihrer Tabellensituation konnten die 05er mit dem Unentschieden so wenig zufrieden sein wie die auf dem vorletzten Rang festsitzenden Schalker. „Das Positive ist: Wir haben den ersten Punkt“, sagte Rouven Schröder. Ob das in dem Moment mehr war als das Bemühen, der allgemeinen Frustration entgegenzuwirken? „Klar, im Moment geht das alles sehr schleppend voran“, räumte der Manager ein. Aber Trübsal zu blasen beschleunigt die Dinge nicht, die Mainzer müssen sich zwangsläufig an den mutmachenden Aspekten des Spiel hochziehen, ohne die Probleme schönzureden, die ihnen in der ersten Halbzeit das Schalker Übergewicht im Mittelfeld bereitete.

Lichte erhofft sich Gnadenlosigkeit

Zu den Mutmachern gehörte der trotz mancher Unzulänglichkeiten quer durchs Team erkennbare Wille, aus dieser Partie als Sieger hervorzugehen. Das sollte zwar selbstverständlich sein, wirkte in den vergangenen Wochen aber nicht immer so. Auftritte wie der am Samstag sind zumindest geeignet, die im 05-Umfeld gerne geführte Identifikationsdiskussion verstummen zu lassen. Schröder verwies auf „überzeugende Rettungsaktionen in der Defensive“ und auf die hochkarätigen Torchancen. „Wir werden sie auch wieder reinmachen“, sagte er zuversichtlich, Trainer Lichte erhofft sich nach der Länderspielpause in solchen Situationen mehr Gnadenlosigkeit.

Freilich sieht die Tabelle aus Mainzer Sicht nach wir vor ziemlich trostlos aus. Doch es gibt einen Präzedenzfall aus der Zweiten Bundesliga, in dem einem Team, das nach sieben Spieltagen mit nur einem Punkt an letzter Stelle stand – und das mit größerem Abstand zu den Nichtabstiegsplätzen – noch der Klassenverbleib gelang. 1995/96 war das. Bei der Mannschaft handelte es sich um den FSV Mainz 05.

 

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