Peter H. Eisenhuth | 01.05.2014

„Ich bin nicht so der Ballfanatiker“

Minigolfer Manuel Szablikowski vom 1.MGC Mainz im „Interview der Woche“ über seinen Einstieg in die Sportart, Schlagtechnik und seinen mit 100 Bällen verhältnismäßig kleinen Koffer.
Hat schon reichlich nationale und internationale Titel gesammelt: Manuel Szablikowski.
Hat schon reichlich nationale und internationale Titel gesammelt: Manuel Szablikowski. | Eva Willwacher

Mainz. Manuel Szablikowski ist das größte Talent in den Reihen des 1. MGC Mainz. Seit 2007 spielt der 16-Jährige Minigolf auf Leistungsniveau. Seither wurde er unter anderem zweimal Deutscher Schülermeister im Einzel (2009 und 2012). Seinen bislang größten Erfolg feierte er im vorigen Jahr, als er mit der deutschen Mannschaft Junioren-Europameister wurde. Mit SPORTAUSMAINZ.de sprach Manuel Szablikowski am Rande des Jugend-Länderpokals, bei dem er sich auf der heimischen Anlage im Mainzer Hartenberg den Einzelsieg sicherte.

Herr Szablikowski, Minigolf gehört nicht zu den Sportarten, die in der Öffentlichkeit stehen.

Das stimmt.

Wie sind Sie dazu gekommen? Bei dem Nachnamen vermutlich familiär bedingt?

Genau. Vor allem durch meinen Vater und meinen älteren Bruder.

Das sind welche Szablikowskis aus der Minigolf-Dynastie?

Mein Vater Axel und mein Bruder Tobias Szablikowski. So richtig angefangen hat es bei mir 2007, da fand hier im Hartenbergpark eine Deutsche Jugendmeisterschaft statt. Damals ist ein Spieler des Mainzer Teams ausgefallen, ich bin für ihn eingesprungen, und seitdem spiele ich aktiv.

Vorher waren Sie reiner Hobbyspieler?

Ich hatte im Verein schon mal bei zwei oder drei Turnieren mitgespielt, aber ansonsten war Minigolf bis damals für mich ein reines Hobby. Mein erster ernsthafter Wettkampf waren diese Deutsche Meisterschaften.

Mit welchem Erfolg?

Wir sind mit der Mannschaft Deutscher Meister geworden…

…eigentlich ein idealer Zeitpunkt, um die Karriere zu beenden. Besser konnte es ja kaum noch werden.

Ja, stimmt eigentlich. Aber der Sieg damals war eher auf die anderen Spieler im Team zurückzuführen als auf mich.

Es wurde ja auch noch besser, oder?

Auf jeden Fall. Damals war es ein Mannschaftstitel, zu dem ich nicht ganz so viel beigetragen habe, in den vergangenen Jahren habe ich dann aber auch im Einzel erfolgreich gespielt.

Wir oft müssen Sie dafür trainieren?

Ein- bis zweimal die Woche.

Nicht öfter?

Und davon wird man so gut?

Ja. Vor großen Turnieren wie dem Jugend-Länderpokal sind wir meistens sechs Tage vorher schon auf der Anlage und trainieren täglich. International, zum Beispiel bei einer Europameisterschaft, sind es zehn Tage. Aber ansonsten reichen ein bis zwei Tage in der Woche, um das Niveau zu halten. Was allerdings sehr wichtig ist: Bei den großen Turnieren muss man über einen langen Zeitraum körperlich und geistig fit sein, da dauert ein Turniertag schon mal zehn, zwölf Stunden.

Was trainieren Sie genau? Einfach präzise schlagen?

Man kann zum Beispiel Hindernistraining machen, also an Bahnen, auf denen der Ball durch ein kleines Tor muss. Oder man kann Bandentraining machen – da stellt man sich dann so hin, dass man immer einen bestimmten Punkt an der Bande trifft. Oder Schnitttraining, das ist für Bahnen, auf denen man Effet braucht, damit der Ball von der Bande anders abprallt als bei einem normalen Schlag.

Sie peilen beim Abschlag das Loch auch nicht auf direktem Weg an…

…nee, das geht eigentlich immer über Bande. Deshalb ist es wichtig, diese Schläge zu üben.

Der Freizeitspieler, der hier auf der Anlage eine Runde spielen möchte, bekommt einen Schläger und einen Ball in die Hand gedrückt. Damit wäre in euren Sphären vermutlich nicht viel auszurichten.

Auf keinen Fall. Wir haben alle unsere eigenen Schläger. Die unterscheiden sich vom Freizeitschläger durch die Gummierung auf der Schlagfläche. Dadurch sind sie deutlich schnittempfindlicher, das heißt, man kann den Ball damit auch wirklich präzise schneiden und präzise abschlagen. Die  Laienschläger, die man vorne am Kassenhäuschen bekommt, sind aus Metall. Damit lässt sich nicht so viel variieren. Und die Bälle sind auch nicht turniertauglich.

Das heißt, wenn man als Hobbyspieler auf einer solchen Bahn 50 Schläge braucht, muss man sich nicht ärgern, sondern steht eigentlich ganz gut da?

Ja, ganz sicher. Alleine durch die Bälle lässt sich da schon einiges rausholen, und wir haben ja für jede Bahn einen anderen Ball. Wenn ich Ihnen zeigen würde, wie man das spielen muss, wie man sich richtig stellt, und wohin man schlagen muss, wären Sie auf Anhieb bestimmt sieben bis acht Schläge besser.

Wie viele Bälle haben Sie in Ihrem Koffer?

Ich habe nicht viele. Insgesamt sind es um die 100.

Das sind nicht viele?

Nee, ich bin auch nicht so der Ballfanatiker. Da gibt es andere Spieler, bei denen geht es ins Vierstellige.

Und diese Bälle braucht man für unterschiedliche Beläge?

Es ist nicht so, dass man mit bestimmten Bällen nur auf Eternitbahnen und mit anderen nur auf Beton spielen kann. Die Bälle haben unterschiedliche Oberflächen, manche haben eine glatte, manche eine raue Beschichtung. Ein Rohling ist beispielsweise viel schnittempfindlicher als ein Glattlack, damit sollte man sich schon ein bisschen auskennen.

Das ist eine Wissenschaft für sich?

Jaaa, eigentlich schon. Das ist schon eine kleine Wissenschaft. Aber wenn man es einmal durchblickt hat, ist es leicht zu verstehen.

Wenn Sie im Freundes- oder Bekanntenkreis erzählen, dass Sie in der Minigolf-Bundesliga spielen: Wie fallen dann die Reaktionen aus?

Ehrlich gesagt: Meistens etwas spöttelnd. So nach dem Motto: „Das ist ja eigentlich kein richtiger Sport.“ Darüber kann man sich natürlich streiten. Aber wenn ich dann sage: Europameister und so, fallen die Reaktionen schon etwas anders aus. Im engeren Freundeskreis gilt es aber nicht als Unding, Minigolf zu spielen.

Wenn man in Ihrem Alter schon so erfolgreich ist, welche Ziele bleiben dann noch?

Langfristige Ziele habe ich nicht, aber in diesem Jahr möchte ich mich für die WM qualifizieren. Und ansonsten bei den nationalen und internationalen Turnieren möglichst gut abschneiden und vielleicht auch noch paar Titel sammeln.

Das Gespräch führte Peter H. Eisenhuth.

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