Peter H. Eisenhuth | 08.11.2017

Dieses Event soll sich etablieren

Der MTV 1817 feiert seinen 200. Geburtstag mit einer Turn- und Sportgala in der Rheingoldhalle. Topact eines abwechlungsreichen und hochklassigen Programms ist Weltklasseturner Marcel Nguyen.
Werben für die erste Mainzer Turn- und Sportgala (v.l.): Bürgermeister Günter Beck, Jonathan Post und Jannik Duch aus der Herrenriege des MTV 1817 und Vereinsvorsitzender Rüdiger Ulrich.
Werben für die erste Mainzer Turn- und Sportgala (v.l.): Bürgermeister Günter Beck, Jonathan Post und Jannik Duch aus der Herrenriege des MTV 1817 und Vereinsvorsitzender Rüdiger Ulrich. | mainzplus Citymarketing GmbH

Mainz. Wer nicht nur wissen will, wie am Barren eine Felge aus dem Seitverhalten mit einer Dreivierteldrehung aussieht, sondern auch ihrem Erfinder bei der Ausführung zuschauen will, der sollte sich noch ein Ticket für die Mainzer Turn- und Sportgala sichern. Die findet anlässlich des 200-jährigen Bestehens des Mainzer Turnvereins von 1817 am übernächsten Sonntag, 19. November, ab 17 Uhr in der Rheingoldhalle statt – und aus einem vielfältigen Sport- und Unterhaltungsprogramm ragt der Auftritt von Marcel Nguyen heraus.

Der 30 Jahre alte Sportler ist seit einem Jahrzehnt einer der besten deutschen Gerätturner in der Weltklasse. 2012 gewann er in London Olympiasilber am Barren und im Mehrkampf, hinzu kommen drei Europameistertitel sowie etliche EM- und WM-Medaillen. Sein „Nguyen“ wurde vor einem Jahr als Element ins Regelwerk aufgenommen wurde.

Dass ein Gerätturner den Topact bei dieser Gala bildet, ist logisch. Die Turner stellen schließlich die mit Abstand größte Abteilung des an der Pariser Straße/Schillstraße beheimateten Klubs, wie Vorsitzender Rüdiger Ulrich erläutert. Der Gesamtverein zählt mit 1600 Mitgliedern zu den größten in Mainz, und definitiv ist der MTV der älteste rheinland-pfälzische Sportverein.

Barren durch die Stadt geschoben

In Deutschland galten die 1817er lange als zweitältester Turnverein; einige Monate früher hatte sich die Hamburger Turnerschaft von 1816 gegründet. „Es soll noch einen TSV Friedland 1814 geben“, sagt Ulrich, „aber das ist etwas umstritten.“ Der Verein aus dem einstigen sogenannten Zonenrandgebiet tauchte nach der Wiedervereinigung auf, als sich die aus der DDR stammende BSG Traktor „Max Leistner“ auf ihre Wurzeln berief und ihren Namen änderte. Aber das ist eine andere Geschichte.

Die Geschichte des MTV 1817 ist 200 Jahre alt, und diesen Geburtstag feierte und feiert der Verein über das gesamte Jahr verteilt. Unter anderem mit der Teilnahme am Rosenmontagszug („Das war gar nicht so einfach, die Zugnummer 17 zu bekommen“) und der außergewöhnlichen Idee, einen Barren durch die Stadt zu schieben und auf der Zugstrecke zu turnen. Oder auch mit dem Gaukinderturnfest, zu dem 500 Teilnehmer kamen.

Breite des Mainzer Sports zeigen

Jetzt also die Gala. Eine Veranstaltung, die den Charakter der Sportstadt Mainz unterstreiche, wie Bürgermeister und Sportdezernent Günter Beck (Grüne) sagt. Möglich gemacht habe diese die Kooperation zwischen Stadt, Verein und mainzplus-Citymarketing sowie die Unterstützung durch Sponsoren wie Lotto Rheinland-Pfalz und die Mainzer Stadtwerke. „Die Gala kommt ohne irgendeinen städtischen Zuschuss aus“, sagt Beck, „auch wenn der Finanzdezernent mir wohlgesinnt ist…“

Die Breite des Mainzer Sports solle in einer spannenden und temporeichen Choreografie gezeigt werden, kündigt der Bürgermeister an. „Auf der Bühne werden etwa 20 Gruppen und zirka 300 Teilnehmer stehen.“ Rüdiger Ulrich verspricht den Besuchern – 850 Tickets waren bis Mittwochmittag verkauft – viel Abwechslung und atemberaubende Präsentationen. Unter anderem mit den Klein-Winternheimer Kunstrad-Weltmeistern André und Benedikt Bugner, Trampolin-Weltmeistern und der Rope-Skipping-Gruppe „Burning Ropes“. „Sie werden die Seile zum Brennen bringen.“

Plädoyer für eine Sport- und Eventhalle

Die Turn- und Sportgala ist die erste ihrer Art in der Landeshauptstadt, muss aber nicht die letzte bleiben. „Wir werden das Ganze hinterher analysieren und werden dann sehen, wie es weitergeht“, sagt Günter Beck.

Rüdiger Ulrich hofft, dass sich ein solches Event in Mainz etablieren lässt. „Aus unserer Sicht ist das jetzt ein Testballon, und es wäre schön, wenn der Test erfolgreich verliefe. Ich kenne viele Beispiele von Städten, in denen so etwas läuft, und ich glaube, davon würde der gesamte Mainzer Sport profitieren.“ Das gelte im Übrigen auch für eine Sport- und Eventhalle in der Stadt, „die quer durch die Sportarten genutzt werden könne. Er wolle Bürgermeister Beck mit diesem Wunsch nicht unter Druck setzen…

…aber Beck hat damit auch gar kein Problem. Auch er wolle eine solche Halle. „Und wenn ich alt genug werde, kriege ich das auch hin.“

 

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