Peter H. Eisenhuth | 29.10.2014

„Kein Abschied in Harmonie“

Manfred Leinberger tritt nach mehr als 19 Jahren als Vorsitzender des Stadtsportverbandes zurück. Er habe den Eindruck gewonnen, den Verband nicht mehr repräsentieren zu können.
Das friedliche Nebeneinander täuscht: Manfred Leinberger (l.) und Bürgermeister Günter Beck lagen in den vergangenen Jahren meist über Kreuz. Mit dem Sportdezernenten habe sein Rücktritt allerdings nichts zu tun, sagt der scheidende Vorsitzende des Stadtsportverbandes.
Das friedliche Nebeneinander täuscht: Manfred Leinberger (l.) und Bürgermeister Günter Beck lagen in den vergangenen Jahren meist über Kreuz. Mit dem Sportdezernenten habe sein Rücktritt allerdings nichts zu tun, sagt der scheidende Vorsitzende des Stadtsportverbandes. | Eva Willwacher

Mainz. Der Stadtsportverband braucht einen neuen Vorsitzenden: Manfred Leinberger tritt nach mehr als 19 Jahren an der Spitze zurück. Am 30. November legt der Ebersheimer sein Amt offiziell nieder, die Geschäfte übernimmt bis zur Wahl eines neuen Vorsitzenden im Frühjahr 2015 der bisherige Stellvertreter Gerhard Muy.

Am Mittwoch ging ein Schreiben des Verbandes an alle Mitglieder heraus, in dem diese ohne Angabe von Gründen über die aktuelle Entwicklung informiert wurden. Leinberger selbst nahm im Gespräch mit SPORTAUSMAINZ.de Stellung, ohne bei der Begründung seines Rücktritts ins Detail gehen zu wollen. Allerdings räumte er ein: „Es ist kein Abschied in Harmonie“ – ein Vorwurf, der diesmal nicht gegen Verantwortliche der Mainzer Politik, sondern gegen (bisherige) Mitstreiter des Stadtsportverbandes gerichtet ist.

„Logische Schlussfolgerung“

Er habe sich in den vergangenen Tagen und Wochen des Öfteren die Frage gestellt, ob er dem Verband noch weiterhelfen könne, sagt Leinberger. „Ich bin zu dem Ergebnis gekommen, dass ich das offensichtlich nicht mehr kann. Deshalb ist mein Rückzug die logische Schlussfolgerung.“

Bislang hatte Leinberger als Interessenvertreter der Sportvereine häufig und anhaltend mit politisch Verantwortlichen, allen voran Bürgermeister und Sportdezernent Günter Beck über Kreuz gelegen. Zuletzt war jedoch der Eindruck entstanden, dass sich nicht mehr alle Klubs angemessen repräsentiert fühlten und Leinbergers Haltung eher als störrisch und kontraproduktiv empfanden. „Aber man kann über Manfred Leinberger sagen, was man will, und man muss auch nicht immer einer Meinung mit ihm sein“, sagte ein Vereinschef, „er hat sich immer mit ganzer Kraft für die Belange des Sports in unserer Stadt eingesetzt.“

„Man kann sich mit mir nicht mehr zeigen“

Was letztlich dazu geführt hat, dass Leinberger dies künftig nicht mehr tun wird? „Es war ein Vorgang, der öffentlich wahrnehmbar war, und den auch ich wahrgenommen habe“, formuliert der scheidende Vorsitzende kryptisch. „Ich will das in der Öffentlichkeit nicht breittreten, weil ich den Stadtsportverband als Stimme der Mainzer Sportvereine wichtig finde und ihn nicht beschädigen möchte“, sagt er. „Deshalb will ich kein Öl ins Feuer gießen.“

Hinter seinem Rücken seien Dinge geschehen, die er nicht folgenlos hinnehmen könne. „Ganz offensichtlich gibt es Leute innerhalb des Verbandes, die der Meinung sind, man könne sich mit mir nicht mehr zeigen“, sagt Leinberger. „Und wenn es wichtiger wird, sich im Glanze irgendwelcher sportlichen Ereignisse mit Politikgrößen zu sonnen, dann ist für mich der Zeitpunkt gekommen, mich zu verabschieden.“

Mit der Entscheidung der Stadt, den Stadtsportverband künftig nicht mehr mit Sitz und Stimme im Sportausschuss haben zu wollen, habe sein Entschluss nichts zu tun. „Aber ich rege mich trotzdem darüber auf“, sagt Leinberger. „Vor fünf Jahren hat Bürgermeister Beck es noch als Aufwertung des Sports verkauft, dass wir im Ausschuss Rede-, Antrags- und Stimmrecht bekamen. Jetzt setzt er uns vor die Tür. Das ist ein deutliches Signal für den Umgang mit den Vereinen.“

Sportdezernat weist Vorwurf zurück

Den Vorwurf, der Sportdezernent habe willkürlich gehandelt, weist Becks Referent Andreas Drubba allerdings zurück. „Es gab eine klare Ansage vom Rechtsamt“, erläutert er. Dass der Stadtsportverband seinerzeit als gleichberechtigtes Mitglied in den Ausschuss aufgenommen wurde, sei eine Goodwill-Aktion des Bürgermeisters gewesen. „So etwas ist in der Gemeindeordnung gar nicht vorgesehen“, sagt Drubba, „aber da sich niemand beschwert hat, war es kein Problem.“

Ein solches Problem sei allerdings nach der Kommunalwahl im Juni aufgetreten. Da die politische Landschaft im Stadtrat bunter geworden ist, seien nicht mehr alle Fraktionen im Sportausschuss vertreten. „Und in diesem Fall geht es aus juristischen Gründen nicht, dass der Stadtsportverband eine Stellung einnimmt, die nicht einmal alle Fraktionen haben. Deshalb mussten wir den bisherigen Status auf ein Gastrecht reduzieren.“

Günter Beck selbst war gestern zwischen zwei Terminen nur kurz zu erreichen, mochte aber auch keine Stellungnahme zu Leinbergers Rücktritt abgeben: „Das habe ich nicht zu kommentieren.“

 

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