Bundesliga | Peter H. Eisenhuth | 29.07.26

Der ruhige Typ kann explodieren

NEUES AUS DEM BRIXENTAL (4) | Schnelligkeit, Eins-gegen-eins-Duelle, Zielstrebigkeit und Torgefahr sind die Stärken, mit denen Neuzugang Ransford Königsdörffer sich für einen Platz im Sturm des FSV Mainz 05 bewirbt.
Ransford Königsdörffer, hier im Zweikampf mit Stefan Bell, ist einer von derzeit drei erfahrenen Akteuren für die beiden Positionen im Angriff.
Ransford Königsdörffer, hier im Zweikampf mit Stefan Bell, ist einer von derzeit drei erfahrenen Akteuren für die beiden Positionen im Angriff. | Karl Reichwein

Aus dem Trainingslager des FSV Mainz 05 berichten

Peter H. Eisenhuth und Oliver Nieder.

 

Hopfgarten. Einen potenziellen Nebenmann und Gegenüber hat Ransford Königsdörffer vor wenigen Tagen verloren: Nelson Weiper, den Mittelstürmer, den der FSV Mainz 05 für ein Jahr an den österreichischen Erstligaverein Sturm Graz verliehen hat. Mit ihm hätte der Neuzugang der Rheinhessen nicht nur im Training und den bevorstehenden Testspielen Seite an Seite agieren, sondern auch die Freizeit während des Trainingslagers im österreichischen Hopfgarten-Markt gestalten können, das die Mannschaft für zehn Tage bezogen hat.

Denn Weiper ist als passionierter und guter Schachspieler bekannt, und Königsdörffer frönt dem königlichen Spiel ebenfalls. Privat, sagt er, sei er ein ruhiger Typ – auf dem Platz kann er explodieren. Schnelligkeit, Eins-gegen-eins-Duelle, Zielstrebigkeit, Torgefahr nennt er als seine Stärken, mit denen er um einen Stammplatz kämpfen will.

Nach der Hinrunde der vorigen Saison hätte Königsdörffer es sich „wahrscheinlich nicht“ vorstellen können, vom Hamburger SV nach Rheinhessen zu wechseln. Schon gar nicht nach dem direkten Aufeinandertreffen Anfang Oktober, als die Hanseaten die Mainzer mit 4:0 abfertigten. „Wir wussten aber, dass sie die Doppelbelastung mit der Conference League zu verkraften hatten“, sagt er. Drei Tage zuvor waren die 05er in Nikosia im Einsatz gewesen.

 

                            „Mainz ist seit 18 Jahren

                                       in der Liga,

                           der HSV erst seit einem“

 

Gleichwohl erscheint der Schritt von einem der traditionsreichsten deutschen Klubs mit großem Stadion und entsprechender Anhängerschaft zu einem vergleichsweise jungen Bundesligamitglied nicht als selbstverständlich. „Was heißt hier ,jung‘?“, wendet der Spieler ein. „Mainz ist seit 18 Jahren in der Liga, der HSV erst seit einem.“

Das sei ein für seine Entscheidung wichtiger Aspekt gewesen: „Mainz hält sich immer, bei Hamburg weiß man nie, wie es ausschaut.“ Zur Rückkehr des Bundesliga-Gründungsmitglieds ins Oberhaus nach sieben zweitklassigen Jahren trug Königsdörffer maßgeblich bei. 14 Tore gelangen ihm in der vorvergangenen Spielzeit, nach dem Aufstieg waren es noch fünf – diese Quote könnte der 24-Jährige verbessern.

Grundsätzlich gelte dies für alles, was auf dem Feld gefordert werde. „Man kann an allem arbeiten“, sagt Königsdörffer auf die Frage, worin er seine Schwächen sehe, nennt aber als Schwerpunkt die Defensivbereitschaft. Nicht, dass er nicht nach hinten arbeiten wolle, „aber am Ende bin ich Offensivspieler“.

Enttäuscht über die Nichtnominierung

Dass die intensive Arbeit gegen den Ball eine Grundvoraussetzung des Mainzer Fußballs unter Urs Fischer ist, weiß der Neuzugang. Völlig ungewohnt sei dies nicht für ihn. „Auch beim HSV mussten wir sehr viel defensiv arbeiten.“

Seinen Urlaub in diesem Sommer verbrachte Königsdörffer in Japan – allerdings war dies nur Plan B. Vergebens hatte er gehofft, in den WM-Kader der ghanaischen Nationalmannschaft berufen zu werden, für die er bislang sieben Länderspiele bestritten hat. Bis zur U21 war er noch für die deutschen U-Mannschaften tätig, „ohne ein fester Bestandteil zu sein“.

Als sich dem gebürtigen Berliner anschließend die Möglichkeit eröffnete, zum Team des Heimatlands seines Vaters zu wechseln, nutzte er sie. „Mein Vater war sehr stolz, und ich war sehr zufrieden mit diesem Schritt“, sagt der Spieler, der mit vollem Namen Ransford-Yeboah Königsdörffer heißt. Seine Enttäuschung über die Nichtnominierung für die WM verhehlt er nicht, immerhin habe er in der Bundesliga 33 von 34 Partien bestritten. Abhaken mag er das Thema freilich nicht. „Wenn ich eingeladen werde, bin ich da.“

Trio kämpft um zwei Positionen

Momentan kommen drei Akteure für die beiden offensiven Positionen infrage, neben Königsdörffer handelt es sich um Phillip Tietz und Sheraldo Becker, die beiden Platzhirsche, wenn man davon nach einer halben Saison im Mainzer Trikot reden kann.

Benedikt Hollerbach ist zwar ein halbes Jahr nach seinem Achillessehnenriss mit der Mannschaft ins Trainingslager nach Hopfgarten-Markt im Tiroler Brixental gereist, befindet sich aber noch im Aufbau. Silas Katompa Mvumpa (Schien- und Wadenbeinbruch) wird noch länger brauchen.

Tietz scheint als gesetzter Zielspieler der vorigen Rückrunde und aufgrund der Anzahl seiner in der Vorbereitung erzielten Tore im Vorteil zu sein. „Aber die anderen beiden sind ebenfalls Zielspieler“, sagt Fischer, „wenn auch mit anderen Qualitäten.“ Tietz ist der Wandspieler, Becker der Sprinter, Königsdörffer der Mann für die Dribblings. Welches Duo die Nase vorne hat, sei offen, sagt der Trainer. „Da ist nichts in Stein gemeißelt.“

 

 

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