Landesliga | Guido Steinacker | 08.03.14

Mainzer Landesligisten müssen den Kampf um den Klassenverbleib schnell annehmen

Beide Mainzer Fußball-Landesligisten gehen am Wochenende mit schrillender Alarmglocke im Ohr in die verbleibenden Partien der laufenden Saison. Die halbe Liga steckt derzeit noch mehr oder weniger tief im Schlamassel, der Tabellenneunte RWO Alzey ist vom wahrscheinlichen Abstiegsplatz 15 gerade drei Zähler entfernt. Das ist aber auch die Chance für die SVW Mainz und selbst für Schlusslicht Fontana Finthen, sich schnell nach oben zu arbeiten – wenn die Teams von Beginn der Restsaison an präsent sind.
Landesligist Fontana Finthen (r. Kai Herrmann) kann sich zu Beginn der Restsaison keine lange Anlaufphase leisten, soll das Schlusslicht den Klassenverbleib noch erreichen. Die Vorbereitung verlief allerdings alles andere als optimal.
Landesligist Fontana Finthen (r. Kai Herrmann) kann sich zu Beginn der Restsaison keine lange Anlaufphase leisten, soll das Schlusslicht den Klassenverbleib noch erreichen. Die Vorbereitung verlief allerdings alles andere als optimal. | Foto: Guido Steinacker

Mainz. Los geht es, und das am Besten gleich gewaltig: Beide Mainzer Fußball-Landesligisten sollten am Sonntag (15 Uhr) gute Frühform beweisen, wenn es in die zweieinhalb Monate lange Restsaison geht. Denn ein starker Einstieg würde sich lohnen: Die halbe Liga stemmt sich im ausstehenden letzten Saisondrittel gegen den Abstieg. Da wäre selbst für den Tabellenletzten Fontana Finthen ein einstelliger Tabellenplatz bei sechs Punkten Rückstand zu Position neun noch locker drin.

Trotzdem kann ein Fehlstart aus einer latenten schnell eine akute Bedrohungssituation werden lassen. Auch die SVW Mainz steht als Tabellenzwölfter mit ihren 19 Punkten aus 18 Partien nicht wesentlich besser da als die Finther, deren 14 Punkte aus 17 Partien stammen. „Unsere augenblickliche Platzierung ist daher unerheblich, es kann schnell anders aussehen“, stellt SVW-Coach Bert Balte klar, dass er sein Team dicke drin im Abstiegskampf sieht.

Balte wird nicht richtig schlau aus Vorbereitung

Was er von seiner Mannschaft am Sonntag beim schweren Auswärtsspiel bei Wormatia Worms II erwarten darf, darüber ist sich Balte nicht im Klaren. Nicht nur, weil die Wormser in den letzten Partien vor der Winterpause zwar mächtig auftrumpften, inzwischen aber eine ganze Reihe Akteure an das kriselnde Regionalligateam abgeben mussten – das stets drohende Schicksal einer Reserveelf. Und natürlich holte sich Trainer Hans-Jürgen Boysen die Besten der Landesligamannschaft in den Kader.

Aber auch aus den eigenen Leistungen während der Vorbereitung schlau zu werden, fiel Balte etwas schwer. Die Spieler zogen mit viel Aufwand und Einsatz gut mit bei den Übungseinheiten, „die Testspielergebisse waren allerdings nicht zufriedenstellend“, berichtet der Trainer. Zusammengefasst: Die Weisenauer schossen, anders als in der ersten Saisonphase, zwar viele Tore gegen die Sparringspartner aus unterschiedlichsten Leistungsebenen, wackelten aber in der Defensive immer wieder bedenklich.

Zehn Gegentore in zwei Spielen

Besonders das 0:5 gegen die TSG Bretzenheim war ernüchternd. „Die einfachen Gegentore sind unser Problem, in Bretzenheim haben wir der TSG vier der fünf Dinger selbst aufgelegt“, schildert Balte. Auch gegen den Wiesbadener Verbandsligisten Türkischer SV (3:5) setzte es reichlich Gegentreffer. Doch dieses Spiel ist anders zu bewerten. „Da haben wir lange 3:2 geführt und dann durchgewechselt.“

Der Eindruck der bisherigen Saison nach lagen die Probleme der SVW eher im Angriff, eine verlässlich treffende Sturmspitze hatten die Weisenauer nicht. Vielleicht ändert sich das nun durch Keita Mihara, einen 20-jährigen Japaner, den Oberligist SV Gonsenheim aus seinem Kader abgab, nachdem er dort bis auf einen sechsminütigen Kurzeinsatz beim Heimspiel gegen den SC Hauenstein keine Einsatzzeiten bekam. Seit dem fünften Spieltag stand er gar nicht mehr im Kader. „Für die Oberliga fehlt ihm körperlich noch etwas“, sagt Balte. „In der Landesliga wird er uns im Sturm oder auf der rechten Seite helfen können.“

Schnell, trickreich und bereit für jeden Zweikampf, so beschreibt Balte den Japaner, der in der Vorbereitung vier Tore schoss und einige Vorlagen lieferte. Da auch Jonas Kleinschmitt, der sich beim Hallenturnier verletzt hatte, aber rechtzeitig wieder fit wurde, ebenfalls vor allem über seine Schnelligkeit Torgefahr bringt, dürfte die SVW-Offensive in Sachen Tempospiel nun gut aufgestellt sein. Claudius Neuser, der angesichts der neuen Konkurrenz um seinen Platz in der Startelf kämpfen müsste, ist nach einer Verletzungspause derzeit kein Thema. „Claudius lebt von seiner Fitness, die muss er sich erst wieder erarbeiten.“

Positiv entwickelt hat sich in der Vorbereitung Max Schönle, der vor allem seine Führungsrolle gut annahm und der Mannschaft nun auch in Sachen Struktur besser helfen kann.

Fontana mit dünnem Kader ins Abstiegsduell

Deutlich pessimistischer müsste eigentlich Dirk Willems in die restlichen 13 Spiele mit Fontana Finthen gehen. Nicht nur, dass er den Tabellenletzten aus dem Keller führen muss, auch die Vorbereitung war, vielleicht ein bisschen übertrieben ausgedrückt, ein kleines Fiasko. „Ich muss das akzeptieren, weil der ein oder andere Spieler länger verletzt war und die Studenten Prüfungszeit hatten – da waren doch einige nicht regelmäßig dabei“, sagt Willems.

Am Sonntag im wichtigen Heimspiel gegen den SV Horchheim, als Tabellenzehnter durchaus noch so etwas wie ein direkter Konkurrent im Abstiegskampf, wird Willems wegen einiger Urlauber und Verletzter nicht mehr als dreizehn Feldspieler aufbieten können. „Mehr geht am Sonntag nicht.“ Auch diese reduzierte Formation sei aber „in der Lage zu gewinnen“, zeigt er sich überzeugt.

Offensiver Hoffnungsträger kommt aus Spanien

Zum Abschluss der Testserie absolvierten die Finther eine Partie gegen A-Ligist Alemannia Laubenheim. Das 6:1 mag sportlich nur bedingt wertvoll sein, „das Ergebnis war mir aber wichtig, um mit einer positiven Stimmung in die Saison zu gehen“, sagt der Fontana-Trainer. Von den drei derzeit Verletzten – Patrick Willems, Nils Haller und Julius Wiebe – sind die beiden erstgenannten dem offensiven Bereich zuzuordnen. Das kann Wlllems am allerwenigsten gebrauchen, denn der Angriff seines Teams hatte in der bisherigen Runde ohnehin genügend Probleme, Landesliganiveau zu beweisen.

Da kam Willems der Zugang des Spaniers Javier Freixa gerade recht. Er lebte sich schnell in Mainz und im Team ein, traf in Laubenheim zweimal und gilt somit als Hoffnungsträger für die drittschwächste Offensive der Liga. Die Aufgabe Klassenverbleib wird trotz des engen Feldes nur möglich, wenn die Finther mindestens die Hälfte der ausstehenden Partien gewinnt, vermutet Willems. Das gestaltet sich bei 13 Spielen etwas schwierig, die Finther sollten aber auf wenigstens sechs Dreier setzen. Dann wären sie bei 32 Punkten – die hätten in der vorigen Saison zum sicheren 13. Platz gereicht.

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