Bundesliga | Peter H. Eisenhuth | 27.08.17 Jetzt schon genervt Zum zweiten Mal wird der FSV Mainz 05 durch den Videobeweis benachteiligt. Wer es nicht vorher ahnte, kann es jetzt wissen: Die neue Technik verhindert nicht, dass weiterhin Schiedsrichterentscheidungen im Grenzbereich zwischen Auslegung und Willkür getroffen werden. Nur eben nicht mehr im lauten Stadion, sondern im stillen Kämmerlein. Sollte René Adler besser kopflos spielen? | Eva Willwacher Stuttgart/Mainz. René Adler, am Samstagabend zu Gast im „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF, sprach aus, was beim FSV Mainz 05 nach nur zwei Spieltagen dieser Bundesligasaison einhellige Meinung sein dürfte. „Ich bin jetzt schon genervt“, sagte der Torhüter und meinte damit nicht die Tatsache, mit seiner neuen Mannschaft zweimal mit 0:1 verloren zu haben – sondern den Videobeweis. Die neue Technik, die für mehr Gerechtigkeit in den Fußballstadien sorgen soll, rief zum zweiten Mal den Unmut der Mainzer hervor. Vor einer Woche bei der Heimniederlage gegen Hannover 96 war Yoshinori Muto um einen Foulelfmeter gebracht worden, weil das System ausgefallen war. Wobei man nach der Erfahrung aus dem Spiel beim VfB Stuttgart besser sagten sollte: „…war Yoshinori Muto womöglich um einen Foulelfmeter gebracht worden“. Denn wer es vorher nicht ahnte, weiß nach den beiden Entscheidungen des Videoassistenten: Solche Entscheidungen bleiben, zurückhaltend formuliert, Auslegungssache, sie werden nur auf eine andere Ebene verlagert. Letztlich wird das Ganze dadurch noch ärgerlicher. Dem Schiedsrichter muss man bei allen Fehlern immer zugestehen, womöglich einen ungünstigen Blickwinkel gehabt zu haben, vielleicht auch in hektischen Spielen kurz den Überblick verloren zu haben. Das ist hart für die benachteiligten Mannschaften, aber nachvollziehbar. Verhältnismäßigkeit nicht gewahrt Anders verhält es sich bei einem Videoassistenten, der fernab des Geschehens in seiner Kammer sitzt, keinerlei äußeren Einflüssen ausgesetzt ist, und sich strittige Szene immer wieder aus mehreren Kameraperspektiven anschauen kann. Das erste Problem ist, dass es nach wie vor Situationen geben wird, die sich nicht restlos aufklären lassen. Beim Spiel der 05er in Stuttgart war dies in der 78. Minute der Fall, als VfB-Stürmer Simin Terodde nach einem Dreikampf mit René Adler und Giulio Donati zu Boden ging. Donati hatte den Angreifer attackiert, aber nicht gefoult, Adler war abgetaucht und spielte den Ball mit einer Hand. Zum Verhängnis wurde ihm, dass sein Kopf Teroddes Bein touchierte. „Soll ich den Kopf vorher abmachen?“, fragte der Keeper verständnislos. „Das ist eine 50:50-Entscheidung, und es wird auf Elfmeter entschieden“, sagte 05-Sportvorstand Rouven Schröder – so etwas ist bei Fifty-fifty-Szenen an sich nicht verwerflich. Solange die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleibt, und das war am Samstag nicht der Fall. In der siebten Minute nämlich war der Mainzer Robin Quaison im Stuttgarter Strafraum von Marcin Kaminski rasiert worden, auch hier hatte Schiri Benjamin Brand kein Foul gesehen, auch hier kam Videotechniker Tobias Stieler zum Einsatz. „Und man muss sich schon die Frage stellen, wie man die Szene mit Videoassistent als Nichtelfmeter bewerten kann“, haderte Schröder. Offenbar hatte Stieler dem Mainzer Angreifer nachteilig ausgelegt, dass dieser schon vor Kaminskis Eingreifen ins Stolpern geraten war. Nur: Zu Boden gegangen war Quaison erst nach dem Foul; ihm einen Strafstoß zu verweigern, bewegte sich im Grenzbereich zwischen Auslegungssache und Willkür. Nur mal angenommen, die Mainzer hätten einen Elfmeter bekommen und verwandelt – „dann“, meinte Schröder, „wäre das Spiel bei den hohen Temperaturen definitiv anders verlaufen.“ Mehr aktuellen Sport aus Mainz lesen Sie hier. Alle Artikel von Fußball (Bundesliga)