Bezirksliga | Gert Adolphi | 28.03.14

Im versteckten Spitzenspiel trifft Abwehrstärke auf Sturmqualität

Eine Serie könnte reißen: In der Fußball-Bezirksliga empfängt Spitzenreiter TSG Hechtsheim am Sonntag den FSV Nieder-Olm. Beide Mannschaften sind seit Längerem ungeschlagen.

Rheinhessen. Es ist ein Spitzenspiel, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht. Die TSG Hechtsheim, Tabellenführer der Fußball-Bezirksliga, empfängt am Sonntag den FSV Nieder-Olm, den Tabellensiebten. Doch die Nieder-Olmer führen – punktgleich mit der TSG – das Rückrunden-Klassement an.

Ihre bislang letzte Niederlage kassierten die Nieder-Olmer am 3. November letzten Hinrundenspiel beim TSV Schott Mainz II . Seitdem holte der FSV aus sieben Partien 19 von 21 möglichen Punkten. „Wir haben fast die gesamte Hinrunde gebraucht, um uns einzuspielen“, sagt Trainer Wolfgang Görlich. „Die Jungs sind immer eifrig dabeigeblieben. Jetzt werden wir für all die Mühen belohnt. Das wollen wir am Sonntag fortsetzen.“

FSV: Trainervertrag wird nicht verlängert

Die Nieder-Olmer vollzogen vor der Saison einen Schnitt, nachdem sie in der vorangegangenen Runde ihre Aufstiegschance nach der Winterpause aus der Hand gegeben hatten. Legionäre wurden weggeschickt, der Kader mit Spielern aus dem eigenen Nachwuchs und der Zweiten Mannschaft aufgefüllt. Wichtige Korsettstangen wie die Stürmer Ivo Schedereit und Matthias Cygon sowie Spiellenker Tony Wenzel blieben dem Team zwar erhalten, aber drumherum strickte Görlich eine neue Formation. Es war vorherzusehen, dass die etwas Zeit brauchen würde, um sich zu finden. Doch mittlerweile läuft der Motor auch, wenn die angeblich unverzichtbaren Leistungsträger fehlen. Ihre Serie starteten die Nieder-Olmer jedenfalls ohne Wenzel, Schedereit und Cygon.

Wenzel stand seit Oktober nicht mehr in der Mannschaft. Cygon war lange Zeit gesperrt und bestritt erst am vergangenen Sonntag wieder sein erstes Spiel – und schoss gleich drei Tore. Schedereit laboriert an einer Bänderdehnung im Fuß. Für ihn kommt auch in Hechtsheim ein Einsatz noch zu früh. „Das haben die restlichen Jungs toll hinbekommen“, freut sich Görlich. „Ich hoffe, dass der Weg so weitergeht.“ Angesichts dieser Entwicklung erstaunt es um so mehr, dass der Verein seinem Trainer in der Winterpause eröffnete, dessen Vertrag werde nicht über das Saisonende hinaus verlängert.

Psychologischer Vorteil auf Nieder-Olmer Seite

Görlich sieht sein Team in Hechtsheim psychologisch im Vorteil. „Unser Ziel war, nicht abzusteigen“, sagt er. „Das haben wir erreicht. Wir sehen alles, was kommt, als Bonusspiele. Es gibt doch nichts Schöneres, als den Tabellenführer zu ärgern. Die Hechtsheimer wollen Meister werden, die müssen gewinnen. Wir wollen gewinnen. Das wäre noch einmal ein Highlight.“ Görlich will an Gewohntem festhalten. „Wir werden uns nie auf einen Gegner einstellen“, sagt der Coach. „Dafür sind wir zu gut. Wir versuchen, so früh wie möglich den Gegner unter Druck zu setzen. Das wird gegen die Hechtsheimer schwer, weil sie individuell stark besetzt sind. Aber wir werden nichts an unserer Spielart ändern.“

Die Hechtsheimer sind noch länger ungeschlagen. Sieben Punkte hatten sie mal Rückstand auf den TSV Gau-Odernheim. Bis zum vorigen Sonntag lagen sie dann ebenso viele Zähler vor dem Ex-Spitzenreiter. Das 1:1 in Gimbsheim ließ den Abstand wieder auf fünf Punkte schrumpfen. „Ich mag es nicht, wenn man so viel Vorsprung hat“, sagt Tobias Rieger. „Das führt zu Überheblichkeit. Wenn man dann einmal unkonzentriert ist, zahlt sich das gleich für den Gegner aus.“

Defensive der TSG ist gefragt

Der TSG-Trainer versucht, aus dem jüngsten Unentschieden noch etwas Positives zu ziehen. „Ich hoffe, es war der Weckruf zur rechten Zeit vor dem Endspurt. Der Schlendrian hatte sich schon in der Woche vor dem Spiel bemerkbar gemacht. Jetzt habe ich die Zügel wieder ein bisschen angezogen.“ Riegers Respekt vor dem Gegner ist groß. Für ihn gehören die Nieder-Olmer unter die ersten vier der Klasse, und er weiß auch um die Torgefährlichkeit der Gäste. „Da ist unsere Defensive noch mehr gefordert als sonst“, sagt der TSG-Trainer. „Wir dürfen erst mal kein Tor kassieren. In der Offensive sind wir Minimalisten. Wir schießen immer nur ein oder zwei Tore. Deshalb muss die Null stehen. Wir wollen den Ball gut laufen lassen und auf unsere Chance warten.“

Die Hechtsheimer haben derweil einen herben Verlust zu beklagen: Andrea Charista, ihr zweitbester Torschütze hinter Karim Hadri, hat sich in Gimbsheim den Oberschenkel gebrochen und fällt für den Rest der Saison aus. „Das tut mir sehr leid für ihn“, sagt Rieger. „Er ist ein schneller, wendiger Spieler. Er war schon vor der Winterpause verletzt, hatte sich aber gerade wieder gut rangekämpft.“ Die Meisterschaft sieht der Trainer noch lange nicht gesichert. „Die Gau-Odernheimer werden nicht mehr viele Punkte abgeben“, sagt Rieger. „Wenn wir nicht aufpassen, ist unser Vorsprung ruckzuck weg. Das wird noch ein heißes Rennen um den ersten Platz.“

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