Regionalliga | Peter H. Eisenhuth | 25.11.2017

Finger weg vom Chines‘

Das Kooperationsprojekt zwischen dem DFB und der chinesischen U-20-Nationalmannschaft ist gescheitert.
Die chinesische Flagge ist in deutschen Stadien erlaubt. Die tibetische aber auch.
Die chinesische Flagge ist in deutschen Stadien erlaubt. Die tibetische aber auch.

Mainz/Frankfurt. Beim SWR-Fernsehen arbeitet jemand mit Humor. Oder es war Zufall, dass am vorigen Samstag vor der Landesschau, in der über das Testspiel des TSV Schott Mainz gegen die chinesische U-20-Nationalmannschaft berichtet wurde, den Trailer des Spielfilms „Global Player…“ über ein schwäbisches Familienunternehmen lief und mit den Worten des Seniorchefs Walter Schultheiß endete: „Finger weg vom Chines‘“.

Finger weg vom Chines‘: Das könnten sie sich inzwischen auch beim DFB denken. Das Projekt, die Asiaten eine Testspielreihe gegen 16 teilnehmende Südwest-Regionalligisten austragen zu lassen, stand schon nach 22 Minuten vor dem Aus. Dafür bedurfte es vor einer Woche keiner lautstarken Proteste kommerzkritischer Ultras. Es genügten fünf Tibeter und zwei deutsche Sympathisanten, die auf der Mombacher Bezirkssportanlage eine Flagge es von China besetzten Himalaya-Staates übers Geländer hängten.

Zum von der chinesischen Delegation angekündigten Spielabbruch kam es nur deshalb nicht, weil die in Deutschland anerkannten Flüchtlinge die Fahne nach einer halben Stunde wieder einrollten. Schon da war allerdings absehbar, dass der Versuch des von Peking entsandten Olympiateams, sich mittels der auf Regierungsebene vereinbarten Kooperation auf die bevorstehenden Aufgaben vorzubereiten, keine Zukunft haben würde.

Nicht zum VHS-Kurs

Es bedurfte keiner hellseherischen Fähigkeiten, um zu wissen, dass fortan in jedem Stadion, in dem die Chinesen auflaufen sollten, ein entsprechendes Stück Stoff auftauchen würde. Und es war auch klar, dass die Offiziellen des Chinesischen Fußballverbandes (CFA) ihren Deutschlandaufenthalt nicht zum Besuch eines Volkshochschulkurses „Demokratie für blutige Anfänger“ nutzen wollten.

Im Prinzip also hätten die Gäste, die sich als Hausherren aufspielen wollten, auch im Anschluss an die Partie beim TSV Schott nach Frankfurt fahren können. Zum Flughafen, nicht zum Bornheimer Hang. Zumal DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann bekräftigte, dass auch bei den bevorstehenden Begegnungen die Meinungsfreiheit gelte – „dazu gehört auch, eine solche Flagge im Stadion aufzuhängen“.

Zimmermann hatte am Tag zuvor die Kritik an der deutsch-chinesischen Kooperation unter anderem mit dem ehrenvollen Hinweis erwidert, es sei besser, auf Dialog und Begegnung zu setzen als auf Abgrenzung. „Trennen und blockieren ist der falsche Weg.“ Zum Dialog allerdings gehören immer zwei.

Wachsweiche Formulierungen

Die Reaktion des DFB-Vize nach dem Eklat in Mombach beinhaltete freilich schon wachsweiche Formulierungen. Das Plädoyer für Meinungsfreiheit war keines ohne Wenn und Aber; wer mit Gewalt eine positive Formulierung finden wollte, mochte es „diplomatisch“ nennen, dass Zimmermann im gleichen Atemzug, in dem er den Chinesen mehr Gelassenheit empfahl, er „verurteilte, den Fußball für bewusste Provokationen gegen unsere Gäste zu missbrauchen. Wir wollen gute Gastgeber sein, insofern sind wir nicht glücklich über solche Vorkommnisse.“

Am Freitag, einen Tag vor dem geplanten Spiel der U20 beim FSV Frankfurt, wurde die Testspielreihe zumindest bis Jahresende ausgesetzt. Es steht zu vermuten, dass die Chinesen auch diese Zeit nicht für einen Crashkurs „Menschenrechte leichtgemacht“ nutzen werden. Vielleicht aber können sie beim DFB die ein oder andere Sicherung austauschen, die inzwischen durchgebrannt scheint.

Besser nach Nordkorea

Oder wie sonst ist es zu erklären, das unverschämte Auftreten der CFA-Offiziellen mit Sätzen zu begleiten wie: „Zum Bedauern aller beteiligten Parteien hat das Projekt nicht die erwartete breite Zustimmung erhalten. Tatsächlich wurde das Projekt von einigen wenigen Zuschauern genutzt, um Botschaften zu setzen, die von den der chinesischen Mannschaft, den Offiziellen, dem Betreuerstab des Chinesischen Fußball-Verbandes und auch den chinesischen Zuschauern als verletzend empfunden wurden.“ Jetzt sind also die Tibeter schuld.

Im Übrigen lägen „beiden Verbänden substanzielle Hinweise auf weitere Eskalationen vor“. Diese Entwicklung stehe „nicht im Einklang mit den ursprünglich angedachten Zielen und Absichten der Freundschaftsspielserie“.

Die setzen die Chinesen vielleicht doch besser in Nordkorea fort. Da streckt kein Kritiker den Kopf aus dem Fenster. Zumindest nicht öfter als einmal.

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