Bundesliga | Oliver Nieder | 01.08.26 Dranbleiben, durchstehen und einfach auch mal Quatsch reden NEUES AUS DEM BRIXENTAL (10) | Zaungäste des Trainingslagers des FSV Mainz 05 dürften ab und an ins Grübeln kommen. Denn neben vielen altbekannten Gesichtern tummeln sich auf dem Platz einige junge und noch nicht prominente Nachwuchskicker. Für diese haben die Tage in Tirol mit den Profis eine ganz eigene Bedeutung. Bislang hütete Maximilian Kinzig das Tor der U23. In die neue Saison geht der Keeper als Nummer drei der Profis. | Eva Willwacher Aus dem Trainingslager des FSV Mainz 05 berichten Peter H. Eisenhuth und Oliver Nieder. Wörgl/Hopfgarten. Daniel Imafidon passt und schießt und passt und schießt. Alynho Haidara läuft ein ums andere Mal Richtung Tor und findet den Abschluss. Maximilian Kinzig wirft und streckt sich nach jedem Ball, den er kriegen kann. Drei Szenen aus dem Stadion in Wörgl, die für die Genannten nicht selbstverständlich sind. Denn sie gehören jenem Nachwuchs, der bislang vor allem in den U-Mannschaften des FSV Mainz 05 stürmte, verteidigte oder Bälle parierte. Die Liste ließe sich fortführen, beispielsweise mit Jungtorwart Louis Babatz und Mittelfeldspieler Jeremiah Debrah. „Mit den Profis mitzufahren, das ist noch mal was anderes, als wenn es mit der Jugend ins Trainingslager geht“, sagt Urs Fischer nach einer Übungseinheit in Tirol. Der zum Teil noch minderjährige Nachwuchs lerne auf diese Weise viele Dinge. Zehn intensive Tage Zum Beispiel, was zehn Tage intensives Trainingslager bedeuten. Wie viel Energie das kostet. „Die werden nach der Hälfte der Zeit müde sein, da bin ich mir sicher“, sagt der Trainer. „Und trotzdem gilt es dranzubleiben, das durchzustehen, auch wenn sie von uns natürlich entsprechend gesteuert werden.“ Maximilian Kinzig ist in seiner Entwicklung bereits einen Schritt weiter. Der 22-Jährige war seit 2024 Teil der U23, Ende Juni unterschrieb er einen Profivertrag. Nach dem Abgang von Daniel Batz (Borussia Mönchengladbach) und der Ausleihe von Lasse Rieß (Fortuna Düsseldorf) steht Kinzig im Bundesligakader als Nummer drei hinter Robin Zentner und Neuverpflichtung Alexander Schwolow. Zur Technik muss das Tempo kommen Seine bereits zweite Teilnahme am Trainingslager der Profis nennt Kinzig „eine besondere Erfahrung und eine große Chance, mich zu zeigen. Als U23-Spieler konnte ich im vorigen Sommer bereits viel vom Training auf höchstem Niveau lernen und durch die tägliche Arbeit mit den Profis viele wertvolle Erfahrungen sammeln.“ Der 17-jährige Debrah durfte am Freitag im Testspiel gegen Shabab al-Ahli Dubai nach der Pause ran. Er kam für den vor Kurzem 18 Jahre alt gewordenen Alynho Haidara, das Talent aus der Fußballschule des einstigen 05-Torjägers Aristide Bancé. „Er hat gute Anlagen, eine gute Technik“, bescheinigte Urs Fischer dem jungen Ivorer nach dem Test am Bruchweg gegen den 1. FC Kaiserslautern. „Aber es ist etwas anderes, ob du die Technik in einer U19 umsetzt oder gegen Zweitligafußballer, die eine gewisse Aggressivität mitbringen. Dann reicht die Technik nicht mehr aus, sondern es braucht auch Geschwindigkeit.“ Die werde Haidara sich erarbeiten müssen. Trainingslager mit höherer Intensität In Trainingslager in Hopfgarten hat Haidara die Chance dazu. „Wir machen unsere Analysen, es geht um Spielprinzipien, um die Basics. Wir schauen uns Bilder der Spiele an, machen Nachbesprechungen“, erläutert Fischer. „Das findet zum Teil auch bei den U-Mannschaften statt, aber sicherlich nicht in der Intensität, in der wir das machen.“ Dabei spielen auch die gestandenen Profis ihren Part, zum Beispiel Robin Zentner. „Ich versuche, den Jungen alles so weiterzugeben, dass es für sie so leicht wie möglich ist. Damit sie sich darauf konzentrieren können, ihre Leistung zu bringen und sich eventuelle Kritik nicht so zu Herzen nehmen“, sagt die Nummer eins. „Das erinnert mich schon auch an mein erstes eigenes Profitrainingslager.“ „Austausch ist Gold wert“ „Mal Tipps geben, oder wenn jemand eine Frage hat, da helfe ich gerne weiter“, betont Zentner, der sich über vielen Torhüter freut, die der Verein in den vergangenen Jahren hervorgebracht hat – auch wenn er nie einen an sich vorbeigelassen hat. „Das habe ich auch weiterhin nicht vor“, sagt er und lacht. Kinzig nimmt die Ratschläge der Nummer eins auf und neben dem Platz gerne an. „Der Austausch mit einem erfahrenen Torwart wie Robin ist für mich Gold wert“, sagt er. „Ich bin sehr dankbar, dass er mich vom ersten Tag an super aufgenommen und mir immer das Gefühl gegeben hat, dazuzugehören.“ An Zentner orientieren Gleichzeitig motiviere es ihn, mit Zentner auf dem Platz zu stehen und zu sehen, mit welcher Intensität und Professionalität er arbeite. „Davon versuche ich, möglichst viel für meine eigene Entwicklung mitzunehmen.“ Robin Zentner verrät noch, was bei aller Ernsthaftigkeit zu einem gelungenen Austausch zwischen gestandenen Profis und aufstrebenden Nachwuchsspielen gehört: „Neben dem Training einfach auch mal Quatsch reden.“ Anzeige Anzeige Anzeige Alle Artikel von Fußball (Bundesliga)