A-Klasse | Peter H. Eisenhuth | 05.03.14

"Die Mannschaft in der Bezirksliga abzugeben, wäre ein schöner Abschied"

Trainer Oliver Schmitt wird den FSV Saulheim am Saisonende verlassen. Vorher würde er mit dem aktuellen Tabellenvierten der A-Klasse gerne noch aufsteigen.
Engagiert bis zum Ende: Oliver Schmitt will mit dem FSV Saulheim nach oben.
Engagiert bis zum Ende: Oliver Schmitt will mit dem FSV Saulheim nach oben. | Foto: Eva Willwacher

Saulheim. Am Wochenende nehmen auch die unteren Fußball-Amateurligen ihren Spielbetrieb wieder auf. Der FSV Saulheim geht das Restprogramm in der A-Klasse Mainz-Bingen mit Spielertrainer Oliver Schmitt an. Der hat zwar bereits seinen Abschied zum Saisonende angekündigt, aber Angst, in den kommenden Wochen zur „lame duck“ zu werden, zur lahmen Ente, die nicht mehr ernstgenommen wird, hat er nicht. Im Gegenteil: Der 29-Jährige ist zuversichtlich, mit seinem Team in den Aufstiegskampf einzugreifen. Warum auch nicht: Jupp Heynckes hat mit dem FC Bayern trotz des frühzeitig feststehenden Ausstiegs sogar noch das Triple geschafft.

Vor seiner Abschiedstournee durch die A-Klasse sprach der als Kotrainer zur SpVgg Ingelheim wechselnde Schmitt mit SPORT AUS MAINZ.

Herr Schmitt, Sie haben Ihren Rücktritt als Saulheimer Trainer kurz vor Weihnachten angekündigt. Wie waren die Reaktionen?

Insgesamt sehr ruhig. Es hat sich niemand aufgeregt. Das lag sicher auch daran, dass ich auf Vorstandsebene schon vor der Saison darauf hingewiesen habe, dass meine Zeit in Saulheim möglicherweise zu Ende gehen wird.

Sie haben auch gleich Manuel Helmlinger als Nachfolger präsentiert?

Ich hatte schon damals Kontakt zu Manu aufgenommen. Als sich im November verfestigt hat, dass ich tatsächlich aufhören würde, habe ich den Vorstand informiert, der dann Manuel angesprochen hat. Als Manu zugesichert hat, dass er das Amt übernehmen wird, war ich beruhigt. Ich weiß, dass ich einen kompetenten Nachfolger habe und kann guten Gewissens aufhören.

Als Grund für Ihre Entscheidung haben Sie Ihr in November beginnendes Referendariat als Lehrer an einer Berufsbildenden Schule genannt...

…und die zeitliche Belastung, die damit verbunden ist, ja. Das passt, fürchte ich, nicht zusammen.

Dass Sie zur kommenden Saison als Kotrainer von Jürgen Collet bei der SpVgg Ingelheim beginnen werden, hat nichts mit dem Abschied aus Saulheim zu tun?

Absolut nicht. Den Vorwurf habe ich mal gehört, aber er ist nicht berechtigt. Ingelheim spielt als Verbandsligist zwar drei Ligen höher als der FSV, insofern ist die Arbeit dort grundsätzlich aufwendiger. Aber erstens bin ich dort nicht der Chef, das ist Jürgen Collet, und ich bin zeitlich flexibler. Es ist auch mit ihm abgesprochen, dass ich nicht in jedem Training dabei sein kann. Und zweitens kam die Anfrage auch erst rund einen Monat, nachdem mein Entschluss, Saulheim zu verlassen, publik geworden war. Wenn man so will, hatte ich für vier Wochen keinen Fußballjob. Beim Schiedsrichterturnier hat Jürgen Collet mal angefragt, wir hatten ein erstes Gespräch. Ich wollte mich eigentlich nicht so früh entscheiden, aber Jürgen wollte Planungssicherheit. Also habe ich zugesagt.

Ist es kein Problem für Sie, nach dann zweieinhalb Jahren als Cheftrainer wieder ins zweite Glied zu wechseln?

Überhaupt keines. Im Gegenteil, das kommt mir sehr gelegen. Natürlich will ich auch als Kotrainer Resultate liefern, aber in der Funktion hat man nicht so viel Druck. Ich muss mich auch nicht mehr um alles kümmern, nur noch um einzelne Trainingsphasen. Ich war ja auch beim TSV Schott mal Kotrainer der A-Junioren, das hat auch ganz gut funktioniert. Und ich weiß, dass Jürgen ein guter Trainer ist, von dem ich auch noch was lernen kann.

Noch stehen elf Rückrundenspieltage aus. Können Sie dennoch ein Zwischenfazit über Ihre Zeit beim FSV Saulheim ziehen?

In einem Satz zusammengefasst: eine überragende Zeit. Als ich damals Mitte November kam, war die Situation ähnlich wie jetzt beim HSV…

…Pech für die Hamburger.

Wenn es so läuft wie bei uns, ja. Die Mannschaft war zum damaligen Zeitpunkt in der Bezirksliga so abgeschlagen, dass eine Rettung nur schwer vorstellbar war. Ich war bereits der dritte Trainer in der Saison, und wir haben uns sogar noch einmal an die sicheren Plätze herangearbeitet, sind aber letztlich knapp gescheitert. Trotzdem war die Stimmung in diesem Abstiegsjahr unglaublich gut, so etwas habe ich noch nie erlebt. Einschließlich des letzten Spieltages mit dem 4:1-Sieg gegen den FC Nackenheim, der leider nix genutzt hat. Aber danach kam der Präsident mit einem Kasten Bier auf den Platz, und wir haben noch eine Stunde lang die Saison Revue passieren lassen.

Sie haben danach viele junge Leute in den Kader eingebaut…

…ja, insofern hat uns der Abstieg sogar gutgetan. Es gab einen kleinen Umbruch, viele junge Spieler kamen in den Kader, die in der A-Klasse befreit aufspielen konnten. Das war für sie besser, als in der Bezirksliga gegen den Abstieg zu kämpfen, und das war auch für den Verein gut. Im Übrigen bin ich dem FSV auch dankbar, dass er mir die Chance gegeben hat, erstmals im Aktivenbereich als Trainer tätig zu sein.

War die Umstellung vom Jugend- zum Männertrainer schwierig?

Was die Trainingsinhalte angeht, war es keine besonders große Umstellung. Der Unterschied lag eher im zwischenmenschlichen Bereich: Bei Jugendlichen muss ein Trainer auch als Vorbild fungieren, die Spieler, zumindest beim TSV Schott, sind auch sehr ambitioniert. In Saulheim war das etwas anders, da ist der Fußball ein Hobby, da will keiner mehr hoch hinaus. Die Spieler sind berufstätig und wollen immer auch Spaß haben bei dem, was sie auf dem Platz machen. Trotzdem ist es mir, glaube ich, gelungen, im taktischen Bereich etwas zu entwickeln, die Mannschaft voranzubringen.

Was können Sie in der laufenden Saison noch bewegen?

Momentan haben wir große Personalprobleme, und am Sonntag stehen wir vor einem wichtigen und schweren Spiel…

…als Tabellenvierter treten Sie beim fünftplatzierten FV Budenheim an.

Das wird nicht einfach. Aber wir waren zuletzt achtmal ungeschlagen, der vierte Platz ist unsere beste Saisonplatzierung, und wir spekulieren schon noch darauf, beim Aufstieg ein Wort mitzureden. Das wäre für den Verein ein tolle Sache und für mich ein schöner Abschied: Wenn ich die Mannschaft, die ich in der Bezirksliga übernommen habe auch in der Bezirksliga abgeben könnte.

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